Waffenstillstand bei spanischen Banken im Kampf um Einlagen

Waffenstillstand bei spanischen Banken im Kampf um Einlagen

Spanische Banken haben in ihrem Kampf um neue Kundeneinlagen einen Waffenstillstand signalisiert. Allerdings gibt es Zweifel, ob die Banken des Landes ein profitables Heimatgeschäft führen können.

Die durchschnittliche Verzinsung für neue einjährige Einlagen privater Haushalte ist von 2,97 Prozent im Dezember auf 2,43 Prozent im Januar gefallen, der größte monatliche Rückgang seit die spanische Notenbank mit der Datenerhebung begann. Dennoch haben die privaten Haushalte den vierten Monat in Folge ihre Spareinlagen erhöht, sie stiegen gegenüber dem Dezember um 1,2 Prozent, wie aus Daten der spanischen Zentralbank hervorgeht.

“Es ist ein Kriegsschauplatz weniger für die Banken”, erläutert Ricardo Wehrhahn, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants in Madrid. Die Beratungsgesellschaft hatte im vergangenen Jahr eine Runde der Stresstests für die spanischen Banken durchgeführt. “Sie werden erfreut sein, einen Rückgang ihrer Finanzierungskosten zu sehen.”

Billigere Einlagen sind ein Lichtblick für die spanischen Banken, die mit steigenden Kreditausfällen, einem schrumpfenden Kreditportfolio und sinkenden Kreditmargen sowie Bedenken bezüglich ihres Zugangs zu den Kapitalmärkten zu kämpfen haben. Die 1,5 Mrd. Euro schwere Bondemission von Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA, die am 3. Januar den Markt für Euroraum-Banken wieder öffnete, rentiert nun 334 Basispunkte über deutschen Bundesanleihen, verglichen mit einem Tief von 309 Punkten am 25. Februar.

Angesichts des Konjunktureinbruchs in Spanien waren die Banken vom Anleihemarkt ausgeschlossen, wodurch der Wettbewerb um Einlagen der Privatkunden zur Stärkung der Bilanzen zunahm. Im vergangenen Jahr zog Banco Santander SA, die größte spanische Bank, im Heimatmarkt neue Kundeneinlagen von 22 Mrd. Euro an, ein Jahresplus von 12 Prozent. Den Neugeldzufluss führte der Branchenprimus teilweise darauf zurück, dass Kunden Spareinlagen von schwächeren Banken umschichteten.

Banken haben die Zinsen auf Einlagen reduziert, seit die spanische Notenbank zu Beginn des Jahres Maßnahmen ergriff, den Wettbewerb der Banken um Einlagen zu entschärfen. Der Santander- Vorstandsvorsitzende Alfredo Saenz sagte auf einer Telefonkonferenz am 31. Januar gegenüber Analysten, die Aufsichtsbehörde habe die Banken gewarnt, dass die steigenden Einlagezinsen bei einigen Kreditinstituten an ihrem Gewinn und der Kapitalbasis zehrten.

Zwar hat die spanische Notenbank bisher keine formellen Schritte zur Begrenzung der Einlagezinsen unternommen, aber die Banken haben den Hinweis verstanden. Banco Popular Espanol SA hat den Höchstsatz für einjährige Einlagen von 4 Prozent auf 1,75 Prozent reduziert, teilte ein Sprecher der sechstgrößten spanischen Bank in einer E-Mail mit. CaixaBank SA, die Nummer drei im spanischen Bankenmarkt, zahlt nun einen Höchstsatz von 1,75 Prozent für einjährige Einlagen, verglichen mit mehr als 2 Prozent im Dezember.

Die Daten vom Januar signalisieren, dass die Banken auf die Besorgnis der spanischen Zentralbank reagieren, erläutert Simon Maughan, Finanzindustrie-Stratege bei Olivetree Securities in London.

Irrationaler Wettbewerb

“Es gibt in Spanien eine Menge Wettbewerb, der irrational ist und das ist das erste Anzeichen, das dies nun nachlässt”, sagte er in einem Telefoninterview. “Wir beginnen jetzt, eine gewisse Preisdisziplin bei den Banken zu sehen, die eher dem schwierigen Konjunkturumfeld entspricht.”

Der rekordniedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank werden die Margen der spanischen Banken weiterhin belasten. In dem Land sind fast sämtliche Hypothekenkredite von 600 Mrd. Euro mit variablen Zinsen ausgestattet, die an den Geldmarktsatz gekoppelt sind.

Der Anteil der Problemkredite am gesamten Kreditportfolio beläuft sich auf 10,4 Prozent, nachdem seit Ende 2006 Kredite im Volumen von 157 Mrd. Euro notleidend wurden. Die spanische Wirtschaft wird laut der Medianschätzung von 40 Analysten aus einer Bloomberg-Umfrage in diesem Jahr um 1,5 Prozent schrumpfen, nach einem Rückgang von 1,4 Prozent im Jahr 2012.

Zwar werden die niedrigeren Einlagesätze dazu beitragen, das Zinsergebnis der Banken zu stützen, aber sie müssten noch weiter sinken, um die Auswirkungen der niedrigen Zinsen auf die Margen zu kompensieren, erläutert Daragh Quinn, Analyst bei Nomura International in Madrid. Während der Rückgang von 18 Prozent bei den durchschnittlichen Kosten der Privatkundeneinlagen ein Rekord war, ist der Einlagesatz von 2,43 Prozent der niedrigste seit Juni.

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