Vor diesem Mann zittert die gesamte Euro-Zone

Vor diesem Mann zittert die gesamte Euro-Zone

Der erbitterte Gegner des drastischen Sparprogramms liefert sich bei der zweiten Parlamentswahl binnen Monatsfrist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Konservativen Antonis Samaras, der die mit EU, EZB und Internationalem Währungsfonds verabredete Rosskur umzusetzen verspricht.

Tsipras will das Kunststück fertig bringen, das Rettungspaket zu kippen und das Mutterland der Demokratie gleichzeitig in der Euro-Zone zu halten. Für die europäischen Partner der Griechen kommt das der Quadratur des Kreises gleich, die nicht realisierbar ist. Solche Vorstellungen sind Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker, die dem 37-jährigen Polit-Star mangelnde Erfahrung vorhalten, was ihn für das Amt des Regierungschefs disqualifiziere.

Medienliebling

Seine Anhänger lassen das nicht gelten. Schließlich seien es die erfahrenen Politiker gewesen, die das seit fünf Jahren in einer Rezession steckende Land in die Grütze geritten hätten. "Wer eine Partei führen kann. Kann auch ein Land regieren", bricht der Abgeordnete Panagiotis Kouroublis eine Lanze für seinen Parteichef. Der einstige kommunistische Studentenführer Tsipras hat innerhalb von vier Jahren aus einer obskuren linken Splitterpartei die zweitstärkste politische Kraft Griechenlands gemacht und ist zum Medienliebling geworden.

Der Wahlerfolg der Syriza im Mai hat nicht nur den Rest der Welt, sondern wohl auch Tsipras selbst überrascht. "Was? Stimmt das wirklich?", soll der jüngste der griechischen Parteichefs auf den Gewinn von 16,8 Prozent der Stimmen reagiert haben. Umfragen zufolge hat die Syriza seitdem zehn Punkte in der Wählergunst zugelegt.

Trotz aller wilden Rhetorik gegen das milliardenschwere Rettungspaket hat der Chef der Linksradikalen so gar nichts proletarisch Derbes an sich. Der studierte Ingenieur, der nur kurze Zeit den erlernten Beruf ausübte, entstammt einer mittelständischen Bauunternehmerfamilie.

Nach seinem ersten Wahlerfolg hat Tsipras den Versuch unternommen, die anderen Europäer zu bezirzen. "Wir bitten um die Solidarität des deutschen Volkes", warb er im Mai in Berlin für sein Programm. "Wir sind nach Berlin gekommen, um Sie zu überzeugen - nicht um Sie zu erpressen -, dass es in Ihrem Interesse ist, dass die Austeritätspolitik gestoppt wird." Für die Bundesregierung kam ein Treffen mit dem von seinen Anhängern wie ein Popstar gefeierten Griechen nicht in Frage. Tsipras war auf Einladung der Linkspartei in Berlin. Auch in Paris hatte nur der linke Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Melenchon Zeit für den jungen Genossen aus Athen. Vielleicht hätten die Verfechter des Sparkurses, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, ja ein schlechtes Gewissen und seien deshalb nicht diskussionsbereit, sagte Tsipras - und wandte sich deshalb gleich an alle Deutschen.

Sparauflagen werden gekippt

Wenige Tage vor der griechischen Parlamentswahl hat die radikale Linkspartei Syriza ihre Entschlossenheit bekräftigt, sich bei einem Sieg von den Reform- und Sparauflagen der Geldgeber zu verabschieden. "Das Insolvenz-Memorandum wird am Montag der Vergangenheit angehören", sagte Parteichef Alexis Tsipras auf einer Wahlveranstaltung laut Redemanuskript. Zugleich bekräftigte Tsipras seinen Willen, das Land im Euro halten zu wollen. Das Beispiel Spanien zeige, dass es möglich sei, ohne Sparauflagen im Währungsraum zu bleiben. Tsipras wirft den Geldgebern vor, Griechenland durch die harten Auflagen in den Bankrott getrieben zu haben.

Heikle Telefonkonferenz

Die Finanzminister wollen am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz über das Ergebnis der Griechenland-Wahl beraten. Die Hauptsorge sei das Risiko von größeren Kapitalabflüssen, sollte sich die spar- und reformkritische radikale Linkspartei Syriza eindeutig durchsetzen, sagte einer der Vertreter. Ein weiterer Vertreter ergänzte, es gehe hauptsächlich dabei noch nicht einmal hauptsächlich um einen Sturm auf die Banken am Montag. Durch Internetbanking sei es möglich, dass Kunden noch am Sonntagabend Transfers tätigten.

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