Volkswagen gibt in China Gas

Volkswagen gibt in China Gas

In dem neuen VW-Werk in Urumqi in der Unruhe-Provinz Xinjiang begann am Donnerstag der Zusammenbau von Autos des Mittelklassemodells Santana aus vormontierten Teilen, die aus Yizheng im Osten des Landes angeliefert werden. Im nächsten Jahr sollen dort eine Lackiererei und ein Presswerk eröffnet werden und die Vollproduktion beginnen.

Mit der neuen Fabrik stellt sich Europas größter Autobauer darauf ein, dass die Pkw-Nachfrage in China künftig eher im Westen steigen wird, der bisher kaum von der Industrie erschlossen ist. Dagegen normalisiert sich der Autohunger im Osten der Volksrepublik mit seinen Ballungszentren entlang der Küsten, nachdem der Pkw-Absatz dort in den vergangenen Jahren boomte.

Mit einer Jahreskapazität von anfangs 50.000 Fahrzeugen ist das Werk ein vergleichsweise kleiner VW-Standort in China. Er wird von dem Wolfsburger Konzern als eine Art Keimzelle betrachtet, von dem aus die Entwicklung in der Region vorangetrieben werden soll. Dabei folgt Volkswagen auch dem Wunsch der chinesischen Regierung, bei der industriellen Entwicklung des Riesenlandes zu helfen. VW erhofft sich davon, weiterhin in China als Partner zu gelten. "Unser neuer Standort in der Provinz Xinjiang unterstreicht die enge Partnerschaft zwischen dem Volkswagen-Konzern und der Volksrepublik China", sagte VW-China-Vorstand Jochem Heizmann.

Die öffentliche Hand und die Kommunisische Partei spielen in Chinas wachsender Automobilindustrie eine große Rolle. So werden westliche Hersteller zu Gemeinschaftsunternehmen gezwungen, in denen oft der Staat das Sagen hat. Damit will die chinesische Regierung die Entwicklung eigener Automarken fördern. Westliche Hersteller müssen die Kröte schlucken, dass sie damit ihre eigene Konkurrenz aufpäppeln.

Sensibles Unterfangen

Der Bau eines Werks im Westen des Landes ist für VW ein sensibles Unterfangen, da es in der Region Xinjiang seit Jahren Konflikte zwischen der muslimischen Minderheit der Uiguren und Han-Chinesen gibt. Deshalb legt der Konzern großen Wert auf den kulturellen Austausch. Alle Bevölkerungsgruppen könnten sich für Arbeitsplätze in der Fabrik bewerben und würden qualifiziert, erläuterte ein VW-Sprecher.

Das Reich der Mitte ist bereits seit einiger Zeit der größte Markt für Volkswagen. Die Oberklassetochter Audi profitiert besonders von dem Wunsch der aufstrebenden chinesischen Mittelschicht nach Statussymbolen und Luxus. Im vergangenen Jahr lieferte Europas größter Autobauer über 2,8 Millionen Fahrzeuge an Kunden in China aus - fast ein Drittel des Gesamtabsatzes. In diesem und im kommenden Jahr will Volkswagen noch fünf weitere Werke in China hochziehen. Bis 2018 soll die Kapazität von 2,6 Millionen auf dann mehr als vier Millionen Fahrzeugen im Jahr steigen, die Zahl der Mitarbeiter soll um ein Drittel auf 100.000 klettern.

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