Vodafone: Was tun mit 130 Milliarden Dollar?

Vodafone: Was tun mit 130 Milliarden Dollar?

Denn mit ungefähr dieser Summe darf der britische Konzern rechnen, wenn die Beteiligung am US-Mobilfunkmarktführer Verizon Wireless wie geplant bald zu Geld gemacht wird. Wichtige Investoren sind sich überhaupt nicht einig, wie die Einnahmen eingesetzt werden könnten.

Prinzipiell stehen die Optionen Einkaufstour, Schuldenabsenkung oder Aktienrückkauf zur Auswahl. Der Abschied aus den USA mache nur Sinn, wenn letztlich danach etwas Sinnvolles gemacht werde, sagt der Fondsmanager von einem der zehn größten Vodafone-Aktionäre. "Das Worst-Case-Szenario wäre, wenn Vodafone das Geld nehmen und alles an die Aktionäre zurückgeben würde. Übrig bliebe dann ein merkwürdiges Unternehmen, das nicht vorankommt."

Neuausrichtung auf das Festnetz

Einer der wichtigsten Faktoren ist in dem Zusammenhang die neue Strategie von Vodafone: Das Unternehmen hat die alleinige Konzentration auf das Mobilfunkgeschäft ad acta gelegt und mischt seit anderthalb Jahren zunehmend im Festnetz mit. Untermauert wurde der neue Kurs mit dem Kauf des britischen Telefon- und Internetanbieters Cable & Wireless Worldwide vor einem Jahr und der gerade laufenden Übernahme von Kabel Deutschland für elf Milliarden Euro. Daneben baut Vodafone-Chef Vittorio Colao derzeit zusammen mit Orange in Spanien für eine Milliarde Euro ein Glasfasernetz. Analysten tippen darauf, dass Festnetzanbieter wie ONO in Spanien oder die italienische Swisscom -Tochter Fastweb als nächste auf der Vodafone-Einkaufsliste auftauchen dürften. Investoren zufolge muss Vodafone seine Dienstleistungspalette schnell erweitern, um gegenüber Rivalen, die Fernsehen, Telefon, Internet und Mobilfunk aus einer Hand anbieten, nicht ins Hintertreffen zu geraten. "Reine Mobilfunkanbieter müssen kämpfen und ihre Tarife senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben, während die Rivalen den Preiskrieg mit sprudelnden Einnahmen aus dem Festnetz subventionieren", sagt der Top-Ten-Investor.

Vodafone hält 45 Prozent an US-Mobilfunker Verizon Wireless, der Rest liegt beim amerikanischen Partner Verizon. Der Preis, um den die Konzerne derzeit verhandeln, liegt nach Aussage von mit den Gesprächen vertrauten Personen bei 130 Milliarden Dollar. Das Übernahmeangebot könnte bereits in der ersten September-Woche publik gemacht werden. Sollten es dazu kommen, wäre es die drittgrößte Unternehmensübernahme überhaupt.

Schuldenberg

Selbst üblicherweise konservative Anleihegläubiger sprechen sich dafür aus, dass das Unternehmen einen Teil der Einnahmen für Übernahmen nutzt. Aus der Sicht eines Anleihebesitzers spreche immer viel dafür, dass der Konzern seine Kreditwürdigkeit verbessere, also Schulden abbaue, sagt Matt Eagan, einer der Manager des 22 Milliarden Dollar schweren Loomis Sayles Bond Fund. "Ich bin aber nicht gegen Akquisitionen, wenn sie die Position des Unternehmens verbessern. Die Konsolidierung in der Branche war aus Kreditsicht generell positiv." Ein zweiter Großinvestor betonte, dass die meisten Vodafone-Aktionäre den Löwenanteil der Verkaufserlöse für sich beanspruchen dürften. "Wir wollen so viel Geld wie möglich zurückhaben." Es sei einleuchtend, dass Vodafone nach dem US-Ausstieg in die verbleibenden Geschäfte investieren müsse. Doch sei bereits absehbar, dass viele Anteilseigner erst die Ausschüttung einstreichen und dann ihre Aktien auf den Markt werfen werden.

Eigentlich habe Vodafone das Geld, um alle Wünsche zu erfüllen, sagt ein dritter Fondsmanager, der bei einem der zehn größten Vodafone-Aktionäre arbeitet. Für Übernahmen dürfte Vodafone jeweils einen niedrigen einstelligen Milliarden-Betrag ausgeben, welches angesichts der Verkaufserlöse nach Steuern von 110 bis 120 Milliarden Dollar nicht viel sei, sagt er. "Man könnte also mindestens die Hälfte der Einnahmen ausschütten, die Kriegskasse auffüllen und mit dem Rest die Bilanz stärken."

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