"Viele CEOs streben von ihrer Natur her danach, Imperien aufzubauen"

"Viele CEOs streben von ihrer Natur her danach, Imperien aufzubauen"

Nie wieder "Too Big to Fail" - hieß es kurz nach Ausbruch der Finanzkrise in den USA. Mittlerweile sind einige US-Großbanken, durch Übernahmen aber noch größer geworden. So schnellte etwa die Bilanzsumme von JPMorgan seit Ende 2007 um 49 Prozent nach oben. Jetzt fordern Fondsmanager die Zerschlagung der Finanzriesen.

Vor 17 Jahren trieb Fondsmanager Michael F. Price den Zusammenschluss von Chase Manhattan Corp.
mit Chemical Banking Corp. voran und legte damit den Grundstein für JPMorgan Chase & Co., die mittlerweile größte Bank der USA.
Mittlerweile vertritt er ganz andere Ansichten und sagt, dass die Zeit für die Aufspaltung der Universalinstitute gekommen ist.

Die Aktien von fünf der sechs größten US-Banken - JPMorgan, Bank of America Corp., Citigroup Inc., Goldman Sachs Group Inc.
und Morgan Stanley - pendeln um oder unter ihrem materiellen Buchwert. Das bedeutet, dass ihre Einzelteile mehr wert sind als das Ganze, sagt Price.

“Innerhalb der Banken befinden sich wunderbare Vermögenswerte”, sagt Price, der Chef des Vermögensverwalters MFP Investors LLC in New York. “Wir lange wollen die Verwaltungsräte noch untätig dastehen und zusehen, wie die Aktien abgestraft werden? Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass irgendwelche Banken oder Verwaltungsräte etwas dagegen tun werden.”

Politiker und Aufsichtsbehörden haben sich bislang gegen die Forderungen einiger Investoren einer Aufspaltung der Konglomerate gestellt. Entstanden sind die Großbanken in den vergangenen zwei Jahrzehnten, indem Top-Manager wie der frühere Citigroup-Chef Sanford “Sandy” Weill und der frühere Bank-of- America-CEO Ken Lewis auf Einkaufstour gingen.

Einige Investoren reichen die unvorhersehbaren Verluste der unüberschaubaren Banken mittlerweile und sie haben sich kleineren Instituten zugewandt, deren Geschäftsmodell fokussierter ist. Titel von Bank of America werden mittlerweile seit 2009 unter dem Buchwert gehandelt, bei Citigroup ist dies seit 2010 der Fall.

“Es ist nicht klar, warum eine Bank in jede Menge Finanzaktivitäten verwickelt sein muss, die nichts mit dem Bankgeschäft zu tun haben”, sagt Ken Fisher, der CEO von Fisher Investments, im Interview mit Bloomberg News. “Es ist mir nicht klar, wie es einer Bank helfen soll, gleichzeitig eine Investmentbank zu sein oder ein Vermögensverwalter oder ein Versicherer.”

“Das Universalbankmodell ist zerbrochen”

Dem stimmt David Trone von JMP Securities LLC in New York zu. Aufgespalten wären JPMorgan und Citigroup seiner Ansicht nach mehr wert. “Das Universalbankmodell ist zerbrochen”, sagt Trone.

Es gibt allerdings kaum Anzeichen dafür, dass daraus Konsequenzen gezogen werden. Im Gegenteil: Einige Banken sind seit der Finanzkrise sogar noch größer geworden. Die US- Notenbank, das Finanzministerium und andere Aufsichtsbehörden unterstützten 2008 die Übernahme von Bear Stearns Cos. und Washington Mutual Inc. durch JPMorgan ebenso wie den Kauf von Countrywide Financial Corp. und Merrill Lynch & Co. durch Bank of America. Seit Ende 2007 schnellte die Bilanzsumme von JPMorgan um 49 Prozent hoch auf 2,3 Billionen Dollar. Für Bank of America ging es 27 Prozent aufwärts auf 2,18 Billionen Dollar.

Nach der Krise begannen immer mehr Entscheidungsträger, Politiker und frühere Banker die Aufspaltung der “Too Big To Fail“-Banken zu fordern - geschehen ist allerdings nichts.

Dabei hätte dies Vorteile für die Aktionäre, sagt Philip J.
Purcell, der frühere Chef von Morgan Stanley. “Eine Aufspaltung dieser Unternehmen in Geschäftsbereiche würde den Aktionärswert der einzelnen Institutionen verdoppeln oder verdreifachen”, erklärte Purcell am Dienstag in einem Kommentar im Wall Street Journal.

Die fünf größten US-Banken verfügten 2010 über 52 Prozent der Vermögenswerte der gesamten Branche - 1970 waren es noch 17 Prozent, wie aus Daten der Dallas Fed hervorgeht. Auf vier Banken entfallen 93 Prozent des nominalen Derivatevolumens im US-Bankensystem, zeigen Daten der Bankenaufsicht Office of the Comptroller of the Currency. Wells Fargo, die viertgrößte US- Bank, stellte laut Inside Mortgage Finance 33,9 Prozent der Hypotheken zur Verfügung, die im ersten Quartal vergeben wurden.
Das ist der höchste je gemessene Anteil; er ist dreimal so hoch wie beim zweitgrößten Konkurrenten.

Vor diesem Hintergrund fordert Ira M. Millstein, Partner bei der Anwaltskanzlei Weil Gotshal & Manges LLP, dass Bank- Konglomerate ebenso angesehen werden sollten wie früher Standard Oil, der Ölriese, der 1911 aufgeteilt wurde. Gary Stern, der frühere Präsident der Minneapolis Fed, stimmt dem zu: “Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie solche Institutionen effizient geleitet werden können”, sagt er. Der jüngst von JPMorgan bekannt gegebene Verlust von 2 Mrd. Dollar bestätigt diese Ansicht.

In der Chefetage der Banken will man von Aufspaltung allerdings nichts hören. “Unsere Kunden fordern das von uns, und deswegen tun wir es auch”, sagte BofA-Chef Brian T. Moynihan am 30. Mai zu der Frage, warum seine Bank im Verbraucher- und Unternehmsgeschäft sowie im Investmentbanking tätig sein muss. Sein Kollege Vikram Pandit von Citigroup sieht sein Institut als “Unterstützer des wirtschaftlichen Fortschritts”.

Den Aktionären ist damit allerdings nicht gedient. Diese beiden Aktien weisen über die vergangenen fünf Jahre die schlechteste Entwicklung im KBW Bank Index auf und büßten 84 Prozent beziehungsweise 95 Prozent ein. Bank of America wird derzeit mit 60 Prozent des materiellen Buchwerts gehandelt, Citigroup sogar nur mit 52 Prozent, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Der materielle Buchwert ist die beste Kennzahl, um zu schätzen, was Aktionäre erhalten würden, wenn alle Aktiva der Bank verkauft und die Verbindlichkeiten beglichen würden.

“Viele CEOs streben von ihrer Natur her danach, Imperien aufzubauen”

Die vergleichsweise winzige U.S. Bancorp mit 341 Mrd.
Dollar Bilanzsumme wies die drittbeste Performance im Index auf und wird mit dem 2,6fachen des Buchwerts gehandelt. Warum also kommt es zu keiner Teilung? Nach Ansicht von Fisher ist dies nicht zuletzt auf das Ego der Bank-Chefs zurückzuführen. “Viele CEOs streben von ihrer Natur her danach, Imperien aufzubauen”, sagt er. Und diese würden alles in ihrer Macht stehende tun, um die Verwaltungsräte von möglichen Aufspaltungsplänen abzubringen.

Ein weiterer Punkt, der hierbei nicht vernachlässigt werden sollte, ist auch die hohe Vergütung der Großbank-CEOs und der Verwaltungsräte, sagt David Ellison, Präsident von FBR Fund Advisors Inc. Dies sei ein nicht zu vernachlässigender Grund, warum sie sich gegen Veränderungen sträuben. Für eine Aufspaltung “fehlt da einfach die Motivation”, erklärt Ellison. “Sie werden das nicht tun, solange sie nicht dazu gezwungen werden.”

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