USA und Japan stehen in der Gunst der Anleger ganz oben

USA und Japan stehen in der Gunst der Anleger ganz oben

Die Teilnehmer an einer weltweiten Umfrage von Bloomberg sind in Bezug auf die Anlagechanchen in den USA und Japan so optimistisch wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Von Europa sollten Anleger allerdings die Finger lassen.

Hinter dem Optimismus für die US- und japanischen Märkte stehen vor allem gute Wachstumsaussichten. Mehr als drei von fünf Befragten sehen eine Besserung der Wirtschaftslage in den USA, das ist der höchste Prozentanteil seit diese Frage im September 2010 in die Umfrage aufgenommen wurde.

“Ich bin den USA gegenüber optimistisch eingestellt”, sagt Charles Doraine, President von Doraine Wealth Management Group in Corpus Christi im US-Bundesstaat Texas, der an der Befragung teilgenommen hat. “Der Häusermarkt erholt sich” und das Land “kann in nicht allzu ferner Zukunft bei Energie unabhängig” vom Ausland werden.

Für mehr als die Hälfte der befragten Investoren, Analysten und Händler werden die US-Märkte in den nächsten zwölf Monaten die beste Entwicklung aufweisen. Im Vergleich zu der Befragung im Januar entspricht das einem Anstieg von 15 Prozentpunkten. Seit Beginn der Umfrage im Oktober 2009 hat kein Land jemals einen so hohen Anteil an positiven Antworten erreicht.

Japan überzeugt – China überrascht

Die japanischen Märkte folgen auf dem zweiten Rang. Sie werden von einem Drittel als Favorit bezeichnet. Damit hat Japan eine Kehrtwende vollzogen: in früheren Umfragen war von dem Land zumeist abgeraten worden. Die Wachstumsaussichten werden in der aktuellen Umfrage vom 14. Mai von etwas mehr als der Hälfte der Befragten positiv bewertet, während nur 14 Prozent eine Verschlechterung erwarten.

Das Blatt hat sich auch für China gewendet - allerdings zum Schlechteren. Etwas mehr als ein Viertel der Befragten rät mittlerweile vom chinesischen Markt ab. Nur Europa erzielte ein noch schlechteres Ergebnis: 45 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen dort die schlechtesten Ertragschancen.

Aktien sind gefragt

Unter den Anlageklassen schnitten Aktien am besten ab. Hier rechnen 54 Prozent der Befragten in den nächsten zwölf Monaten mit den meisten Erträgen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenreihe vor knapp vier Jahren. Die Favoriten unter den Aktienmärkten sind die USA und Japan.

Mehr als die Hälfte der Investoren prognostiziert im nächsten Halbjahr weitere Kursgewinne beim Standard & Poor’s 500 Index, der am Mittwoch auf ein neues Allzeithoch gestiegen ist. Noch optimistischer zeigen sich die Investoren bei japanischen Aktien. Der Nikkei 225 Stock Average, der in diesem Jahr bereits um 44 Prozent gewonnen hat, wird nach Auffassung von 63 Prozent der Befragten seinen Aufwärtstrend fortsetzen.

“Solange die japanische Notenbank ihr aktuelles Programm zur quantitativen Lockerung wie zugesagt bis 2015 beibehält, werden sich die Aktien von Großunternehmen und Banken besser entwickeln als andere Märkte”, schreibt Umfrageteilnehmer Sangwook Lee, Chef-Portfoliomanager für Devisen und Festverzinsliche von Shinhan Bank in Seoul, in einer E-Mail.

Rückzug aus den Rohstoffen

Die schlechtesten Erträge werden auf Sicht eines Jahres bei Anleihen, Gold und Rohstoffen erwartet. Mehr als zwei von fünf Investoren wollen ihr Engagement in Gold im nächsten Halbjahr verringern. Das sind fast drei Mal viele wie jene, die ihre Positionen aufstocken wollen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Deflation gegenüber Inflation als das höhere Risiko eingestuft wird.

“Trotz all der quantitativen Lockerung und der niedrigen Zinsen ist die Inflation einfach kein Problem gewesen”, schreibt Peter Fitzgerald, Co-Chef eines Multi-Manager-Teams von Aviva Investors in London, per E-Mail. “Deflation stellt bei den gegenwärtigen Schuldenständen ein viel höheres Risiko dar.”

Angst vor Deflation und europäischer Schuldenkrise

Der Umfrage zufolge halten mehr als der Hälfte der Investoren Deflation auf Sicht eines Jahres für eine größere Bedrohung als Inflation. Vor zwei Jahren noch sah das Bild anders aus: im Januar 2011 hatten drei Viertel der Befragten Inflation als das größte Risiko für die Weltwirtschaft genannt.

Für 2013 gilt die europäische Schuldenkrise als die schlimmste Bedrohung für die Weltwirtschaftsentwicklung. Diese Ansicht vertreten 36 Prozent der Umfrageteilnehmer. Zwei Drittel halten einen Zahlungsausfall von Griechenland und Zypern für wahrscheinlich, und 35 Prozent rechnen mit diesem Szenario in Slowenien. Rang zwei unter den globalen Risiken belegt ein verlangsamtes Wachstum in China.

Die Umfrage unter den 906 Kunden von Bloomberg wurde von Selzer & Co. in Des Moines im US-Bundesstaat Iowa durchgeführt. Die Fehlermarge beläuft sich auf 3,3 Prozentpunkte.

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