US-Telekomriese AT&T liebäugelt mit Vodafone

US-Telekomriese AT&T liebäugelt mit Vodafone

Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg erwägt der US-Branchenriese AT&T eine Übernahme des britischen Wettbewerbers Vodafone. Die Verantwortlichen bei AT&T würden momentan eine Strategie dafür ausarbeiten, schrieb Bloomberg am späten Donnerstag unter Berufung auf eingeweihte Personen. Die Firmen äußerten sich nicht.

Übernahmegerüchte um eine Milliardenehe am Telekommunikationsmarkt: Der US-Branchenriese AT&T soll die britische Vodafone übernehmen. Vodafone kooperiert in Österreich seit Jahren mit A1 Telekom Austria.

Die Vodafone-Aktien legten in der Folge am Freitag zu: Sie setzten sich mit einem Plus von mehr als 2 Prozent an die Spitze im europaweiten Stoxx-50-Index. Vodafone würde "kulturell" gut zu AT&T passen, schrieb Analyst Emmet Kelly von der US-Investmentbank Merrill Lynch. Zudem sollte Vodafone ab dem kommenden Jahr positive Umsatztrends verzeichnen.

Die Gerüchte, dass AT&T sich gerne nach Europa ausbreiten würde, gibt es schon länger Hedgefonds-Manager Sven Kleinhans: "AT&T sucht nach einem globalen Wurf. Da geraten auch Unternehmen wie Vodafone in das Visier der Amerikaner, die nicht kleckern, sondern klotzen." Der US-Konzern könnte zwar vor einer kompletten Übernahme zurückschrecken, könnte aber zumindest eine stattliche Beteiligung planen.

Bereits im Sommer hatten spanische Medien berichtet, AT&T wolle den dortigen Platzhirschen Telefonica für über 70 Milliarden Euro übernehmen. Doch gescheitert sei der Plan am Einspruch der spanischen Regierung. Letztere bestätigte, dass AT&T-Chefs ihr Interesse an Investitionen in Europa bekundet hätten, von einer Übernahmeofferte sei aber keine Rede gewesen. Die Deutsche Telekom war 2011 mit AT&T übereinkommen, T-Mobile USA ganz an den Rivalen zu verkaufen, doch die US-Wettbewerbshüter untersagten das 39-Milliarden-Dollar-Geschäft.

Ein Angebot - wenn überhaupt - dürfte aber erst im kommenden Jahr zustande kommen. Gerade verkauft Vodafone seinen Anteil am größten US-Mobilfunker Verizon Wireless, dem schärfsten Rivalen von AT&T. Das dürfte eine Übernahme aus US-Sicht kartellrechtlich unbedenklich machen. Unklar ist, wie Europas Behörden reagieren würden: Die Telefon- und Internetspionagevorwürfe gegen die US-Regierung haben das politische Klima vergiftet.

HIntergrund: Der US-Riese

In den USA ist der Telekommunikationskonzern AT&T die Nummer eins. Seit er an Stärke gewonnen hat, steht er im Zentrum von Spekulationen. Jüngsten Gerüchten zufolge soll das Unternehmen Interesse am britischen Branchenriesen Vodafone haben.

Fast 100 Jahre lang beherrschte die American Telephone & Telegraph Company den US-Telefonmarkt - bis die US-Regierung das Monopol in den 1980er-Jahren aufbrach. Aus der einen großen AT&T mit in der Spitze einer Million Beschäftigten entstanden viele kleine regionale Telefonanbieter, die sogenannten Baby Bells.

AT&T schrumpfte drastisch, doch die Vielfalt währte nicht lange, die Anbieter fusionierten untereinander. 2005 wurde der einstige Monopolist AT&T selbst zum Übernahmeziel - "Baby Bell" SBC Communications verleibte sich die Traditionsfirma ein und nahm auch ihren Namen an. Von da an gab es wieder eine starke AT&T. Auch der zweite große US-Telekomkonzern Verizon startete einst als "Baby Bell". 2012 kam AT&T auf 127 Milliarden US-Dollar Umsatz, der Gewinn lag bei 7,3 Milliarden Dollar.

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