US-Notenbank: "Operation Twist" soll um 267 Milliarden ausgeweitet werden

US-Notenbank: "Operation Twist" soll um 267 Milliarden ausgeweitet werden

Die Federal Reserve beschloss am Mittwoch, ihre in diesem Monat auslaufende "Operation Twist" bis Ende des Jahres zu verlängern und dafür rund 267 Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen.

Sie schichtet hierfür ihre Wertpapierbestände so um, dass langfristige Zinsen sinken und Kredite tendenziell billiger werden können. Die Fed setzt darauf, dass sich dadurch das auch von der Euro-Krise verdüsterte finanzpolitische Umfeld aufhellt. Den ultraniedrigen Leitzins beließen die Notenbanker um ihren Chef Ben Bernanke in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Zugleich erneuerte die Fed ihr Bekenntnis, den Schlüsselzins bis mindestens Ende 2014 auf sehr niedrigem Niveau zu belassen. Bernanke wollte den Kurs der Fed noch am Abend auf einer Pressekonferenz erläutern.

Die US-Börsen reagierten zunächst verhalten und notierten kaum verändert. "Es herrscht wohl Enttäuschung vor, dass die Fed keine starken Signale für neue geldpolitische Ankündigungen ausgesendet hat", sagte ein Analyst. Gegen eine Verlängerung der Operation Twist hatte nur der Chef der Fed von Richmond, Jeffrey Lacker, gestimmt. Die Notenbank verzichtete zugleich auf den Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil und fuhr damit im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nicht das schwerste Geschütz auf, das ihr zurzeit zur Verfügung steht. "Die Verlängerung der Operation Twist ist zurückhaltend und behutsam", meint US-Ökonom Joseph Trevisani von Worlwide Markets. Die Notenbanker signalisierten damit ihre Sorge um die US-Konjunktur, ohne den Dollar zu schwächen. Die Fed äußerte im Begleittext zu ihrem Zinsbeschluss die Erwartung, dass das Wachstum verhalten bleiben und die Arbeitslosigkeit nur langsam fallen werde.

Konjunkturimpulse im Abonnement

Die Fed reiht sich mit ihrem Beschluss in den Kreis der Notenbanken ein, die angesichts der globalen Konjunkturabkühlung geldpolitische Impulse setzen. Zuletzt hatte die chinesische Zentralbank den Leitzins gesenkt, und die Bank von England könnte schon Anfang Juli weitere Milliarden in die schwächelnde britische Wirtschaft pumpen. Die Europäische Zentralbank EZB hat sich zumindest die Tür für eine Kappung des Schlüsselzinses auf das noch nie dagewesene Niveau von unter 1,0 Prozent offengelassen.

Der neue Schritt der Fed erscheint vor dem Hintergrund einer womöglich anstehenden historischen Zinssenkung in Europa recht klein: Im Rahmen der neuen "Operation Twist" wird die Notenbank bis Ende des Jahres Schatzpapiere mit Laufzeiten von sechs bis 30 Jahren kaufen. Zugleich sollen Treasuries mit bis zu dreijähriger Laufzeit abgelöst oder abgestoßen werden. Eine erste Runde solcher Käufe im Volumen von 400 Milliarden Dollar läuft diesen Monat aus. Einige Experten hatten jedoch darauf spekuliert, dass die Fed eine großangelegte geldpolitischen Lockerung - im Fachjargon QE 3 genannt - einleiten würde. In der Krise hatte sie bereits 2,3 Billionen Dollar in die Hand genommen, um die Wirtschaft mit dem Ankauf von Hypothekenpapieren und Staatsanleihen auf Trab zu bringen.

Die Fed stemmt sich seit Dezember 2008 mit ihrer Nullzinspolitik gegen die Wirtschaftskrise. Die Erholung verläuft allerdings noch immer äußerst schleppend. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März nur mit einer Jahresrate von 1,9 Prozent zu. Ende 2011 war die weltgrößte Volkswirtschaft noch um 3,0 Prozent gewachsen. Auch die Lage am US-Jobmarkt ist weiter angespannt. Die Arbeitslosenquote stieg im Mai sogar wieder auf 8,2 von 8,1 Prozent an.

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