US-Notenbank lässt die Märkte zappeln

US-Notenbank lässt die Märkte zappeln

Es ist Juli und damit wieder einmal Zeit für den großen Auftritt Ben Bernankes vor den Volksvertretern der USA. Ob der Chef der US-Notenbank dabei den wahlkämpfenden Politikern viele Neuigkeiten mitzuteilen hat, darf aber bezweifelt werden.

"Momentan sieht es nicht danach aus, als ob die Fed schon in ein paar Wochen, Anfang August, wieder aufs geldpolitische Gaspedal tritt", sagt Bernd Weidensteiner, der für die Commerzbank jeden Schritt und Tritt Bernankes beobachtet. Bereits die Protokolle der jüngsten Debatten unter den Notenbankern enthielten "nicht die von vielen erhofften eindeutigen Hinweise auf zusätzliche Stimulierungsmaßnahmen". Statt dessen offenbarte die Mitschrift einmal mehr, wie zerstritten und unsicher die obersten US-Geldpolitiker derzeit sind.

Dass es in nächster Zeit zu einer dritten Runde von milliardenschweren Staatsanleihenkäufen der Fed (QE3) kommen könnte, scheint deshalb vielen Beobachtern fraglich. "Der für QE3 notwendige Konsens ist wohl nicht zu erzielen", meint Weidensteiner. Sein Kollege Harm Bandholz von der italienischen Unicredit nennt drei Auslöser, die die Zentralbank zu weiteren Schritten bewegen könnten: ein klares Abflauen der konjunkturellen Erholung, ein zunehmendes Risiko, dass diese Erholung gefährdet sein könnte und eine für den Geschmack der Notenbanker zu niedrige Inflationsrate. "Es könnte hilfreich sein, sich die Liste zu merken", sagt Bandholz. "Es ist wichtig, dass ein weiterer Stimulus bereits dann als nötig angesehen wird, wenn nur eins dieser drei Kriterien erfüllt ist."

Hört die Signale

Wie groß die Risiken für die USA derzeit sind, zeigen die jüngsten Makrodaten: die Arbeitslosenquote in der größten Volkswirtschaft der Welt ist für amerikanische Verhältnisse mit 8,2 Prozent nach wie vor sehr hoch, der Immobilienmarkt kommt trotz zaghafter Hoffnungszeichen nicht in Schwung, das Wirtschaftswachstum war im ersten Quartal mit einem Plus von 1,9 Prozent recht moderat und hing zu mehr als der Hälfte an der Autoindustrie. Noch im vierten Quartal des vergangenen Jahres hat die Konjunktur dagegen um drei Prozent zugelegt. Rosig ist dieses Szenario nicht - entsprechend kappte auch die Fed Ende Juni ihre eigenen Prognosen.

An den Märkten werden die Anhörungen Bernankes am Dienstag und Mittwoch vor den beiden Kammern des Parlaments daher mit Spannung erwartet. "Sollte die Fed wirklich vorhaben, schon bald etwas zu tun, wird er ein Signal geben", meint Weidensteiner. "Doch wahrscheinlicher ist, dass er die Wirkung der erst im Juni bekannt gegebenen neuerlichen Umschichtungen im Portfolio der Fed abwarten wird, ebenso aktuelle Konjunkturdaten und last but not least den Fortgang der europäischen Schuldenkrise." Letztere wird in den USA als größte Gefahr für die Weltwirtschaft und das eigene Wohlergehen angesehen. Bernanke dürfte also wieder einmal alle Optionen offen halten und zugleich betonen, dass die Fed jederzeit Gewehr bei Fuß steht.

Weitere Instrumente

Geldpolitischen Feinschmecker werden Bernankes Worte aber wieder einmal Anlass für tiefgreifende Analysen bieten, zumal viele derzeit darüber rätseln, was eigentlich gemeint war, als ein Teil der US-Geldpolitiker laut Sitzungsprotokoll kürzlich "weitere Instrumente" forderte. "Denkbar ist, dass man wie zuletzt die Europäische Zentralbank (EZB) auch in den USA den Einlagezins, den Banken bekommen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, auf null Prozent reduziert, um damit einen Anreiz zu geben, Geld nicht mehr nur zu horten und stattdessen die Wirtschaft anzukurbeln", sagt Weidensteiner.

Auch ein Strafzins auf Bankeinlagen bei der Zentralbank wäre denkbar - doch hätte dieser wohl gravierende Nebenwirkungen für den Geldmarkt. In den Vereinigten Staaten mit ihren im Vergleich zu Europa riesigen und potenten Geldmarktfonds scheint dies keine ganz so gute Idee. Auch könnte die Fed erklären, dass sie so lange aus allen Rohren schießt, bis eine oder mehrere Stellgrößen - Wirtschaftsleistung, Arbeitslosenquote oder Inflationsrate - ihren Vorstellungen entspricht. Doch stellt sich sofort die Frage, wie dieses Dauerfeuer dann aussehen soll - und vor allem was es kosten soll und wer am Ende die Rechnung präsentiert bekommt.

Politspektakel

Apropos Kosten: Sicher scheint den meisten Fachleuten, dass Bernanke wohl die alle halbe Jahre wiederkehrenden Anhörung nutzen wird, um den Ball ins Feld der Politiker zu spielen. Sie streiten derzeit wie die Kesselflicker darüber, ob eine Vielzahl von Steuererleichterungen, die großteils noch unter dem konservativen Vorgänger von Präsident Barack Obama beschlossen wurden, verlängert werden sollen. Zudem stehen die USA zwischen den Präsidentschaftswahlen am 6. November und Silvester wieder einmal vor der Staatspleite, wenn der Kongress das Verschuldungslimit von 16,4 Billionen Dollar nicht erneut anhebt. Viel zu tun also, für die Politiker auf dem Kapitolshügel. Und für die Fed? Tobias Basse von der NordLB: "Bernanke wird sich nicht zu tief in die Karten blicken lassen."

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge