US-Börsen: Weitere Gewinne vor Präsidentschaftswahl?

US-Börsen: Weitere Gewinne vor Präsidentschaftswahl?

50 Tage vor den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten ist der S&P 500 Index (um 82 Prozent) auf den höchsten Stand seit vier Jahren geklettert, als US-Präsident Barack Obama ins Weiße Haus einzog. Der US-Markt ist damit 6,8 Prozent vom Allzeithoch entfernt - und damit näher an der Bestmarke als alle anderen größten Aktienmärkte weltweit.

Gleichwohl werden die Aktien im S&P 500 nur mit dem 14,9-fachen der vorgelegten Gewinne bewertet, das ist der größte Abschlag zur globalen Aktienbenchmark MSCI seit März 2010, , zeigen Bloomberg-Daten.

Während pessimistisch gestimmte Aktien-Anleger darauf verweisen, dass der Index zu schnell nach oben geschossen sei, angesichts der seit 43 Monaten in Folge anhaltenden Arbeitslosigkeit von über acht Prozent in den USA, argumentieren Optimisten mit den rekordhohen Prognosen für Unternehmensgewinne. Sie sehen darin ein Indiz, dass es weiteres Potenzial für die Wirtschaft und Kursgewinne bei Aktien gibt.

Jim Chanos von Kynikos Associates, der sein Geld mit Leerverkäufen auf Einzeltitel verdient, sagt, die Lage in den USA bessere sich. Abby Joseph Cohen von Goldman Sachs sagt, die “nachdenklichsten” Kunden der Banken würden zuversichtlicher.

“Wir sind gegenwärtig in einer besseren Verfassung”, sagt Chris Hyzy, leitender Anlagestratege bei U.S. Trust in New York zu Bloomberg. “Für kommendes Jahr sehen wir die Wachstumsraten in den USA und weltweit höher als allgemein erwartet. Auf Sicht der nächsten drei Jahre sind wir zuversichtlich.”

Jeffrey Gundlach, Vorsitzender von DoubleLine Capita laus Los Angeles, sagte in der vergangenen Woche, die Aktien würden die schwache Wertentwicklung im Zeitraum von 2000 bis 2010 nicht fortsetzen. Damals verlor der S&P 500 Index 14 Prozent. Gundlach geht auf Distanz zu seinen pessimistischen Aussagen vom Oktober 2009, als er sagte, der Kursanstieg von 61 Prozent nach dem Einbruch von 57 Prozent im Zuge der Finanzkrise werde nicht von Dauer sein.

Beschleunigung des Wachstums eingepreist

Während Volkswirte prognostizieren, dass die US-Wirtschaft im kommenden Jahr an Fahrt verlieren wird, ist in den Aktienkursen eine Beschleunigung des Wachstums eingepreist - vorausgesetzt das Muster der Kursentwicklung in Jahren, in denen in den USA Präsidentschaftswahlen stattfinden, hat Bestand. Jedes Mal, wenn der S&P 500 Index Erträge über dem historischen Durchschnitt erzielte, hat sich das US-Wirtschaftswachstum im Jahr darauf beschleunigt, zeigen von Bloomberg ausgewertete Daten für die acht Wahlgänge seit 1948, bei denen ein US- Präsident eine zweite Kandidatur anstrebte.

Der S&P 500 Index hat im laufenden Jahr 17 Prozent zugelegt. Der Anstieg liegt 5,1 Prozentpunkte über dem Durchschnittswert in US-Wahljahren, zeigen Bloomberg-Daten.

Mitt Romney, Kandidat der Republikaner, hat die Wirtschaft zu einem zentralen Wahlkampfthema erhoben, indem er die Frage des damaligen Kandidaten Ronald Reagan aus dem Jahr 1980 erneut stellt: “Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren?” Republikaner sagen, US-Präsident Barack Obama habe nicht ausreichend Arbeitsplätze geschaffen. Ökonomen erwarten ein Wachstum der US-Wirtschaft von 2,2 Prozent im laufenden Jahr und 2,1 Prozent 2013, zeigen 98 von Bloomberg erfasste Prognosen.

Größter Kursschub seit Eisenhower

Als Obama im Januar 2009 ins Weiße Haus einzog, befand sich die US-Wirtschaft in der schlimmsten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise. Der Kursanstieg um 82 Prozent beim S&P 500 Index seither ist der größte Kursschub in einer ersten Amtszeit eines US-Präsidenten seit der Präsidentschaft von Dwight D. Eisenhower von 1953 bis 1956, zeigen Bloomberg-Daten. Amy Brundage, Sprecherin von Obama im Weißen Haus, und Ben LaBolt, Sprecher von Obama im Wahlkampf, lehnten einen Kommentar ab.

“Es gibt eine Reihe von Indikatoren, die die Verfassung der Wirtschaft anzeigen - angefangen bei rekordhohen Schulden, der Bonitätsherabstufung, Rekordzahlen bei Empfängern von Lebensmittelmarken und Armen - alles Anzeichen dafür, dass wir uns in die falsche Richtung bewegen”, sagt Andrea Saul, Wahlkampfsprecherin von Mitt Romney. Romney plane, die Mittelklasse zu stärken und wieder Arbeit für Amerikaner zu schaffen, sagt Saul.

In einer Umfrage von Bloomberg im Zeitraum von 15. bis 18. Juni sagten 45 Prozent der Amerikaner, es gehe ihnen seit dem Amtsantritt von Obama besser, 36 Prozent sagten, sie stünden schlechter da und die übrigen Befragten sagten, ihre Lage sei in etwa gleich oder sie seien sich nicht sicher.

“Unsere Wirtschaft und unser Bankwesen sind in besserer Verfassung als anderswo”, sagte Chanos in einem Interview mit Bloomberg in der vergangenen Woche in New York. “Ich vermute, dass die Überraschungen im US-Markt positiv ausfallen werden.”

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