UniCredit prüft Rückzug aus Ungarn

UniCredit prüft Rückzug aus Ungarn

Sollte die dortige Regierung erneut Maßnahmen gegen die Finanzinstitute beschließen, sei die Grenze der Belastbarkeit erreicht, sagte UniCredit-Osteuropachef Gianni Franco Papa am Montagabend.

"Wir können nicht so weitermachen. Wenn sie wieder beginnen mit einer neuen Runde, werden wir (unsere Aktivitäten) überdenken." Weitere Steuererhöhungen seien jedoch kein Grund für einen Rückzug.

Vor rund zwei Jahren hatte die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban in Ungarn tätige Banken gezwungen, Euro- und Franken-Kredite in Forint-Darlehen umzuwandeln. Daraus entstanden hohe Verluste für die Banken. Vor der Krise hatten viele Ungarn solche Fremdwährungskredite aufgenommen und konnten sie dann wegen des Wertverfalls des Forint nicht mehr zurückzahlen. Zuletzt standen Pläne für ein neuerliches Umtauschprogramm im Raum - bislang sind sie jedoch nicht konkret. Zu den größten ausländischen Banken in Ungarn gehören neben der UniCredit die BayernLB -Tochter MKB sowie die österreichischen Institute Erste Group und Raiffeisen Bank International. UniCredit leitet ihr Osteuropageschäft großteils über die österreichische HVB-Schwester Bank Austria.

Tochter in Ukraine nicht einfach fallen lassen

An der Banktochter in der Ukraine hält die UniCredit trotz der dortigen politischen Turbulenzen bislang fest. Allerdings schließt Papa auch einen Verkauf nicht aus, den bereits UniCredit-Chef Federico Ghizzoni ins Spiel gebracht hatte. "Ich habe keine Kristallkugel - aber noch sind wir dort", sagte Papa. "Eine Investition wie diese kann man nicht einfach fallen lassen, nur weil es die ein oder andere schwierige Situation gibt." In der Ukraine haben in den vergangenen Tagen Hunderttausende Menschen gegen die Entscheidung von Präsident Viktor Janukowitsch protestiert, das Land wieder enger an Russland statt an Europa zu binden. Die dortige Zentralbank pumpe viel Liquidität in den Markt, sagte Papa. Bislang gebe es keine "größeren Probleme". UniCredit hatte die ukrainische Tochter Ukrsotsbank 2008 im Zuge eines 1,5 Milliarden Euro schweren Deals übernommen und sie jüngst mit einer kleineren lokalen Bank verschmolzen.

Vor Bekanntgabe der Ergebnisse aus dem Bankenstresstest in Slowenien ist UniCredit nicht bang. "Bislang habe ich keine Anzeichen, dass wir ein Problem haben werden", sagte Papa. Die dortige Tochter der italienischen Großbank ist eines von zehn Finanzinstituten, die dort unter die Lupe genommen werden. Das Ergebnis erwartet UniCredit am 12. Dezember.

Diese Märkte - Ungarn, die Ukraine und Slowenien - zählen derzeit zu den Brennpunkten für ausländische Banken in Osteuropa. Die Raiffeisen Bank International hat einen Rückzug aus den drei Ländern nicht ausgeschlossen.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge