"Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig"

"Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig"

"Das alles bringt etwas Ruhe", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Aber die Staatsschuldenkrise ist nach wie vor ungelöst." Sie könne auch nicht durch Rettungsprogramme überwunden werden, sondern nur durch Reformen in den Krisenstaaten.

"Die haben sich jetzt Zeit gekauft", sagte Krämer. "Im schlimmsten Fall führt das aber dazu, dass sie Reformen verschleppen oder aufweichen. Langfristig gehen wir in eine Transfer- und Haftungsunion."

Ob die EU-Beschlüsse die Märkte auf Dauer beruhigen können oder schnell wieder verpuffen, hängt nach den Worten von Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmiedung vor allem von der Europäischen Zentralbank (EZB) ab: "Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig - etwa Interventionen am Anleihenmarkt oder erhebliche Liquiditätsspritzen für die Banken. Ohne EZB geht es nicht".

Nach stundenlangen Verhandlungen haben die Regierungen der Euro-Zone am Freitagmorgen den Weg für ein umfassendes Paket zur Stabilisierung der Währungsgemeinschaft frei gemacht. Die 17 Staats- und Regierungschefs vereinbarten eine zentrale Bankenaufsicht für die Euro-Zone sowie eine Reihe von Maßnahmen, um den Zinsdruck von Ländern wie Italien und Spanien zu nehmen.

Anleger positiv überrascht

"Der Markt ist ein bisschen überrascht, dass etwas Substanzielles bei dem Gipfel herausgekommen ist", erklärte Händler Tim Waterer von CMC Global Markets die Kursgewinne an den Aktienmärkten. "Die Gefahr einer unmittelbaren Verschärfung der Bankenkrise in der Euro-Zone ist nun zumindest abgewendet", sagte auch der Ökonom Vishnu Varathan vom japanischen Bankhaus Mizuho Coporate Bank.

Andere Experten warnen aber auch vor Euphorie. "Das positivste an diesem Gipfel ist, das jeder den Sieg für sich in Anspruch nehmen kann", sagte Hedgefonds-Manager Lex van Dam von Hampstead Capital. "Es bleibt aber abzuwarten, ob die wahren Probleme damit gelöst werden können."

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