"Um ehrlich zu sein, Griechenland liegt schon wieder nicht mehr im Fokus"

"Um ehrlich zu sein, Griechenland liegt schon wieder nicht mehr im Fokus"

Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Madrid steigt bis auf 7,24 Prozent – so hoch war sie noch nie seit Einführung des Euro. Irland rät Spanien, "vom Schlimmsten auszugehen".

Im späten Vorwochengeschäft hatten die Titel noch mit 6,9 Prozent rentiert. Im Schlepptau der Spanier zogen auch italienische Renditen spürbar an; zehnjährige Papiere warfen in der Spitze 6,14 (5,9) Prozent ab.

Am Morgen hatten Investoren zunächst erleichtert auf den Wahlsieg der griechischen Konservativen reagiert. Dies hatte auch den europäischen Rentenpapieren eine gewisse Entspannung gebracht. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone sei nun zumindest weniger wahrscheinlich geworden, so die Begründung. Das Aufatmen war aber nur kurz, und schnell rückten die Probleme der gesamten Euro-Zone wieder in den Blick. "Um ehrlich zu sein, Griechenland liegt schon wieder nicht mehr im Fokus", sagte Zinsstrategin Alisabeth Afseth von Investec in London. "Es ist ohne Zweifel sehr wichtig, aber die noch entscheidendere Frage ist derzeit, wie man Spanien in den Griff bekommt. Da zeichnet sich bislang keine befriedigende Lösung ab."

Über sieben Prozent ist es vorbei

Spaniens großes Problem sind seine wegen fauler Immobilienkredite hoch verschuldeten Banken. Erst vor einer Woche hatte sich das Land dazu durchgerungen, für die Institute europäische Rettungsgelder zu beantragen. Unklar ist allerdings nach wie vor, wie hoch die Hilfen ausfallen und aus welchem Topf sie kommen sollen. Zudem fürchten Analysten, dass die dann noch höhere Staatsverschuldung Madrid über den Kopf wachsen könnte. Griechenland, Irland und Portugal hatten sich jeweils zu Hilfsanträgen gezwungen gesehen, kurz nachdem die Renditen ihrer Staatsanleihen über die Sieben-Prozent-Marke geklettert waren.

Irische Ratschläge

Die Iren können den unter der Schuldenkrise leidenden Spaniern derzeit einen guten Rat geben: Sich das Schlimmste vorzustellen und es einfach zu verdoppeln. Die Iren sind nach eigener Einschätzung bei der Bekämpfung ihrer Bankenkrise mit diesem Leitsatz gut gefahren.
Und es war immerhin eine der schwersten ökonomischen Krisen der irischen Geschichte. Auch Spanien sollte sich nun den Realitäten schonungslos stellen, empfehlen irische Bankenanalysten.

Ebenso wie Irland ist Spanien im Gefolge einer geplatzten Blase am Immobilienmarkt in eine schwere Bankenkrise gerutscht und hat Rettungshilfe bei der EU für den Finanzsektor beantragt.
Jetzt wartet Spanien auf die Ergebnisse externer Stresstests für seien Banken. Erwartet wird Aufschluss über die Größenordnung des Lochs in den Bilanzen. In dieser Situation rät etwa Ökonom Eoin Fahy von Kleinwort Benson Investors in Dublin, vom schlimmsten Fall auszugehen. Er ist nicht der einzige, der im Lichte der irischen Erfahrungen eher auf eine Rosskur setzt.

Irische Analysten haben dabei drei Lehren für die kriselnden spanischen Banken. Zunächst sei eine akkurate Einschätzung der faulen Kredite notwendig. Die Banken müssten sich, zweitens, ihrer Verluste in voller Höhe bewusst sein, und wenn nötig, auch die Gründung einer so genannten “Bad Bank” zur Auslagerung dieser Verluste erwägen. Und schließlich sei es drittens notwendig, dass die Anleiheeigner so weit wie irgend möglich an den Bankenverlusten beteiligt werden. “Spanien muss sich den ökonomischen Realitäten stellen. Das gilt für Immobilienkredite, die vielleicht 40, 60 oder gar 80 Prozent Verlust einbringen”, sagte Alan Ahearne der frühere Berater des Finanzministers Brian Lenihan, unter dem die Antwort auf den Beinahe-Kollaps des irischen Finanzsystems maßgeblich erarbeitet wurde.

Und die spanische Regierung hat einen entsprechenden Kurs bereits eingeleitet. Madrid hat den Banken Rückstellungen im Umfang von 45 Prozent des Kreditvolumens im Immobiliensektor von 307 Mrd. Euro verordnet, wie der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos am 11. Mai sagte. Auch die Berufung externer Experten zur Einschätzung der Lage bei den Banken lassen darauf schließen, dass in Spanien von einigen Fehlern in Irland gelernt wurde. Nachdem Spanien Rettungsgeldern von 100 Mrd. Euro zugestimmt hat, lässt sich das Land von den Unternehmensberatern Roland Berger Strategy Consultants und Oliver Wyman Ltd. in die Karten gucken. Irland hatte nach Abgabe der Bankengarantien im Jahre 2008 zweieinhalb Jahre gewartet, bevor externen Beratern die ersten Blicke in irische Bankenbilanzen gewährt wurden. “Spanien hat bereits eine wichtige Entscheidung getroffen, indem externe und völlig unabhängige Experten zur Einschätzung der Finanzlage ins Land geholt wurden”, sagte Analyst Fahy von Kleinwort Benson Investors.

Die Quantifizierung läuft

Der Internationale Währungsfonds IWF hat in einer Studie in der letzten Woche festgestellt, dass die spanischen Banken einen Kapitalbedarf von mindestens 37 Mrd. Euro haben, um eine Rezession zu verkraften. Sind die Kapitallücken quantifiziert, so steht Spanien vor der Frage, wie es mit den faulen Krediten umgeht. Derzeit setzt das Land auf eine Kapitalisierung und Restrukturierung von wankenden Kreditinstituten und hat sich damit bislang gegen Rufen nach radikaleren Maßnahmen aus dem Ausland gewandt.

So hat der finnische Ministerpräsident Jyrki Katainen am 11. Juni die Aufspaltung einiger spanischer Banken ebenso empfohlen wie die Implementierung einer so genannten “Bad Bank” nach irischem Vorbild. Sind die Bankenverluste erst einmal festgestellt, so muss der Staat entscheiden, wie die Finanzlöcher gestopft werden sollen. Die Europäische Zentralbank hat Bondverluste für vorrangige Bankenanleihen ausgeschlossen, aber in Irland drohen zumindest nachrangigen Anleihen Verluste. Spanien ist das zurückhaltender und will auch nachrangigen Anleiheeignern keine Verluste aufbürden.

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