Twitter könnte IPO-Welle von Dotcom-Firmen initiieren

Twitter könnte IPO-Welle von Dotcom-Firmen initiieren

So mancher Neuling könnte sich angesichts florierender Aktienmärkte und einer großen Nachfrage von Investoren im Schatten der Börsenpläne von Twitter schon bald in bislang unbekannte Gewässer trauen. Die verpatzte Facebook-Neuemission im vergangenen Jahr scheint außerdem vergessen, nachdem das Unternehmen Zweifel an seinem Geschäftsmodell weitgehend ausgeräumt hat und die Aktie auf Rekordniveau gestiegen ist. Nach dem Facebook-Fiasko hatten über ein Jahr lang Softwarefirmen und Cloud-Computung-Anbieter den Markt für Neuemissionen dominiert.

Doch auch Fehlschläge wie der Börsengang des Rabattportals Groupon, dessen Aktienkurs sich seit dem IPO 2011 halbiert hat, schrecken Neulinge nicht ab. Zu den heißesten US-Kandidaten aus dem Silicon Valley, die in den Starlöchern stehen könnten, zählen Airbnb, Dropbox und Uber. Airbnb ist eine Internet-Plattform, über die private Vermieter ihren Wohnraum anbieten können. Dropbox ist ein 2007 gegründeter Webdienst, der die Synchronisation von Dateien zwischen verschiedenen Computern und Personen ermöglicht. Er kann damit auch zur Online-Datensicherung verwendet werden. Das Startup Uber vermittelt Limousinen. Nach einer guten Twitter-Vorlage wird diesen Firmen 2014 ein Sprung auf das Handelsparkett zugetraut.

"Alle diese Unternehmen könnten morgen an die Börse gehen, wenn sie organisatorisch bereit wären", sagt Jeremy Levine von der Beteiligungsgesellschaft Bessemer Venture Partners. Auch Mobile-Payment-Anbieter wie Square werden als baldige Börsenanwärter gehandelt. Das Unternehmen ermöglicht den einfachen und ortsunabhängigen Geldtransfer über Smartphones.

Anleger sind hungrig – Kunden klopfen an

Auch bessere Wirtschaftsaussichten dürften Experten zufolge Firmen den Weg an die Börse erleichtern. Ein zunehmendes Vertrauen in die eigene Finanzkraft sollten die Privatanleger dazu verführen, wieder bei kommenden IPOs zuzugreifen, sagte George Zachary vom Wagniskapitalfonds Charles River Ventures, der zu den ersten Twitter-Investoren zählt. "Eine starke Konjunkturerholung wird es den Leuten ermöglichen, mehr Geld in den Kauf von Internet-Firmen zu stecken, die auf den Verbraucher ausgerichtet sind", ergänzt der Fachmann.

Darüber hinaus gibt es genügend willige Abnehmer für neue Aktien. Einige Finanzberater wie Alan Haft von Kelly Haft Financial haben schon Anrufe von Interessenten erhalten. Die meisten der Kunden, die sich derzeit meldeten, hätten bereits in den Facebook-Börsengang investiert. "Seitdem Facebook seine positive Seite gezeigt hat, klopfen die Leute an", erläutert Haft. "Das Verlangen nach Tech-Aktien ist wieder da." Twitter sei auf seinem Wachstumspfad noch nicht so weit vorangeschritten wie Facebook damals bei seinem IPO und biete daher noch mehr Potenzial. Das dürfte die Märkte begeistern, vermutet Chris Baggini, Portfoliomanager bei Turner Investments. Er schlug bei Facebook zu und will auch Twitter-Aktien kaufen.

Twitter hatte in der Nacht zum Freitag Details zu seinen Börsenplänen bekanntgegeben und erstmals Finanzberichte veröffentlicht. Investoren veranschlagen den Marktwert des Kurznachrichtendienstes auf mehr als zehn Milliarden Dollar, teilweise reichen die Prognosen bis zu 15 Milliarden. Zum Vergleich: Facebook ist an der Börse momentan knapp 122 Milliarden Dollar wert. Auch in Asien stehen größere Deals an. So wird erwartet, dass der chinesische Internet-Händler Alibaba schon bald Aktien bei Anlegern platzieren wird. Das Unternehmen strebt an die New Yorker Börse und könnten noch dieses Jahr oder spätestens Anfang 2014 dort sein Debüt feiern und dabei mehr als 15 Milliarden Dollar einnehmen.

Twitter hatte am Donnerstag bekanntgegeben, sich an die Börse zu wagen. FORMAT hat für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Internet-Phänomen, das sich innerhalb von sieben Jahren von einer unzuverlässigen Neuerscheinung zu einem der einflussreichsten Medien-, Kommunikations- und Werbedienste gewandelt hat.

Wie groß ist Twitter wirklich?

Twitter hat nach eigenen Angaben 200 Millionen regelmäßige Nutzer, die pro Tag über 400 Millionen Kurznachrichten - genannt "Tweets" - schicken. Private Investoren beziffern den Wert der Firma mit 2000 Beschäftigten auf mehr als zehn Milliarden Dollar. Das Unternehmen schwimmt bereits jetzt in Bargeld, da es schon in den vergangenen Jahren mehr als eine Milliarde Dollar von Beteiligungnsfirmen sowie wohlhabenden Privatinvestoren eingesammelt hat - etwa von dem russischen Milliardär Yuri Milner sowie dem saudiarabischen Prinzen Alwalid bin Talal.

Wie schnell wächst Twitter?

Das Unternehmen hat seit dem allerersten Tweet im März 2006 von Gründer Jack Dorsey einen rasanten Aufstieg hingelegt. Dorsey hatte Anfangs noch nicht einmal einen Geschäftsplan - aber schon 2014 dürfte Twitter den Experten von eMarketer zufolge eine Milliarde Dollar mit Werbung einnehmen. Twitter ist in mehr als 20 Sprachen aktiv und hat bereits viele Firmen zur Verbesserung seiner Technologie übernommen - zuletzt den Spezialisten für mobile Werbung, MoPub, für 350 Millionen Dollar in diesem Monat.

Ist Twitter profitabel?

Einige Investoren haben angedeutet, dass Twitter schon jetzt Geld verdient. Ein Großteil seines Wachstums stammt Analysten zufolge vom Boom mobiler Nutzung über Smartphones und Tablets, wo das Unternehmen laut eMarketer schon in diesem Jahr mehr als die Hälfte seiner Werbeeinnahmen von insgesamt knapp 600 Millionen Dollar verbuchen dürfte. Mehr als vier Fünftel der Werbeeinnahmen verbucht Twitter in den USA.

Wie global ist Twitter wirklich?

Nicht nur die Werbeeinahmen konzentrieren sich bislang auf die USA, sondern auch die Nutzer: Mehr als 140 Millionen sind US-Amerikaner, wie eine Studie 2012 ergab, die insgesamt mehr als 500 Millionen Nutzerprofile auswertete. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass Twitter längst in Ländern wie Brasilien schneller zulegt als in den USA - und dass die indonesische Hauptstadt Jakarta gemessen an der Zahl der Tweets die Twitter-Welthauptstadt war. Der Konzern verfolgt derzeit eine aggressive Wachstumsstrategie außerhalb der USA. In China ist Twitter jedoch verboten - das Pendant des Landes, Sina Weibo, hat rund 500 registrierte Nutzer.

Wer hat bei Twitter den Hut auf?

Twitter wurde von den Entwicklern Jack Dorsey, Noah Glass und Biz Stone gemeinsam mit dem Unternehmer Evan Williams gegründet, der auch der erste CEO war. Auf ihn folge 2010 Dick Costolo, der soeben seinen 50. Geburtstag feierte und der das Werbegeschäft massiv vorantrieb. Im Führungsgremium sind Dorsey und Williams vertreten sowie Peter Fenton vom Investor Benchmark Capital und der ehemalige Manager des Medienkonzerns News Corp, Peter Chernin, der den Videodienst Hulu mit auf den Weg brachte.

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