Trotz Milliardenverlust: UBS-Chefs cashen ab

Trotz Milliardenverlust: UBS-Chefs cashen ab

Grundgehalt und Bonus für die elf Mitglieder der Konzernleitung belaufen sich 2012 wie im Jahr davor auf gut 70 Millionen Franken (57 Millionen Euro), wie die Bank am Donnerstag im Geschäftsbericht mitteilte.

Der rechnerische Durchschnittslohn stieg sogar leicht auf 6,4 Millionen Franken, da sich nur noch elf anstatt zwölf Manager die Summe teilen müssen.

Bestbezahlter Manager der größten Schweizer Bank ist Konzernchef Sergio Ermotti, dessen Einkommen bei einem Grundgehalt von 2,5 Millionen Franken auf 8,87 Millionen Franken stieg. 2011 - er war da neun Monate bei der Bank und vier davon Konzernchef - erhielt er 6,35 Millionen Franken. Mehr einstreichen konnte Investmentbank-Chef Andrea Orcel, der im Sommer von Merrill Lynch zu UBS gewechselt war. Ihm schrieb die Bank zusätzlich zu Lohn und Bonus zum Amtsantritt noch knapp 25 Millionen Franken in bar und in Aktien gut, die schrittweise freigegeben werden. Der Bank zufolge handelt es sich um eine "Ersatzzuteilung" für Leistungen, die bei Orcels früheren Arbeitgeber wegen des Jobwechsels verfielen.

"UBS hat aus den Fehlern der Vergangenheit immer noch nichts gelernt", sagte die UBS-Kleinaktionärin Brigitta Moser-Harder, die sich für die sogenannte "Abzocker-Initiative" gegen überhöhte Manager-Gehälter starkgemacht hat. Die Initiative, die Anfang März mit großer Mehrheit in einer Volksabstimmung angenommen wurde, verbietet in Zukunft "Vergütungen im Voraus". Ob die Zahlung an Orcel dieser Kategorie zuzurechnen ist, ist einem Experten zufolge nicht zwingend klar. Moser-Harder bezeichnete die Zahlung an Orcel als "besonders unverschämt". Die Anlage-Stiftung Ethos wollte zu den Boni bei UBS zunächst keine Urteil abgeben. "Wir müssen den Geschäftsbericht erst vertieft prüfen", sagte ein Sprecher. "Allgemein sind wir gegen 'golden handshakes'", sagte ein Sprecher der Stiftung Actares. Die Stiftung müsse den Jahresbericht aber noch genauer prüfen.

UBS-Präsident verdient deutlich mehr

UBS-Präsident Axel Weber wandte sich in einem internen Memo dagegen, die Boni am Konzernverlust zu messen. Die Bank habe vergangenes Jahr einen bereinigten Vorsteuergewinn von drei Milliarden Franken erwirtschaftet. Er gehe davon aus, dass sich die Vergütungen in der Bankbranche mittel- bis langfristig anpassen. "Dies aber ist ein längerer Weg, den keine Bank, auch nicht UBS, ohne Blick auf die Konkurrenz gehen kann," erklärte der frühere Bundesbank-Präsident.

Ausgezahlt werden die Boni der Manager erst nach drei und fünf Jahren. Wenn das Geschäft nicht gut läuft, können sie sogar verfallen. Der im Mai gewählte Präsident Weber streicht 3,57 Millionen Franken ein. Davon entfallen 1,3 Millionen Franken auf das Grundgehalt, zwei Millionen werden in Form von Aktien ausgezahlt, die für vier Jahre gesperrt bleiben. Eine leistungsabhängige Prämie erhält Weber nicht, sein Einkommen ist aber vom Aktienkurs abhängig. Sein Vorgänger Villiger hatte sich mit insgesamt 1,5 Millionen Franken begnügt.

UBS hatte 2012 einen Verlust von 2,5 Milliarden Franken verbucht. Eine Libor-Buße von 1,4 Milliarden Franken und Abschreibungen im Investmentbanking verhagelten der Bank die Bilanz. Bis 2015 sollen die Kosten um 5,4 Milliarden Franken gesenkt und 10.000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Insgesamt müssen sich die Mitarbeiter der UBS mit weniger Erfolgsprämien begnügen. Der gesamte Bonus-Pool wurde um sieben Prozent auf 2,5 Milliarden Franken (zwei Milliarden Euro) gekürzt. Ein Teil bleibt vorerst gesperrt. Die Boni können unter bestimmten Bedingungen verfallen, etwa wenn die Eigenkapitalquote der Bank unter sieben Prozent rutscht. Bei der Deutschen Bank, die immerhin noch einen Gewinn von 700 Millionen Euro eingefahren hatte, schrumpfte der Bonuspool um zwölf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Der Lokalrivale Credit Suisse legt seinen Jahresbericht am 22. März vor.

Im internationalen Vergleich können die UBS-Manager zufrieden sein. Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase, musste nach einem Milliarden-Handelsverlust eine Halbierung seines Bonus hinnehmen. Barclays-Chef Antony Jenkins kam auf 2,6 Millionen Pfund (3,7 Millionen Franken). Der Chef der Bank of America verdiente im vergangenen Jahr allerdings gut zwölf Millionen Dollar (11,4 Millionen Franken).

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