Toyota dreht auf: Mehr Gewinn, mehr Autos, bessere Aussichten

Toyota dreht auf: Mehr Gewinn, mehr Autos, bessere Aussichten

Beflügelt vom schwachen Kurs der Landeswährung Yen sprang der Betriebsgewinn des japanischen Vorzeigekonzerns Toyota aus der gleichnamigen Stadt südwestlich von Tokio im Zeitraum von April bis Juni auf umgerechnet gut fünf Milliarden Euro (663 Milliarden Yen). Damit stellte Toyota die gesamte Konkurrenz in den Schatten, von der ein Großteil mit der Dauerkrise am europäischen Automarkt ringt.

Dagegen können die Japaner dank ihrer Stärke in den USA groß aufspielen und nehmen sich vor, in diesem Jahr - frei nach dem eigenen Werbemotto "Nichts ist unmöglich" - als erster Autobauer rund um den Globus mehr als zehn Millionen Fahrzeuge vom Band rollen zu lassen. Die Profitabilität von Toyota habe sich seit dem Lehman-Schock vor fünf Jahren kontinuierlich verbessert, äußerte sich Geschäftsführer Takuo Sasaki am Freitag bei der Präsentation der Quartalszahlen in Tokio japanisch bescheiden. Der Zusammenbruch der US-Bank vor fünf Jahren hatte die Finanzkrise ausgelöst, unter die Welt noch immer leidet.

Davon hebt sich der japanische Konzern ab und fährt dank seiner weltweiten Präsenz und spritsparenden Fahrzeugen wie dem kompakten Hybridwagen Prius sprudelnde Gewinne ein: Im ersten Quartal schaffte der japanische Traditionskonzern eine operative Rendite (Ebit-Marge) von 10,6 Prozent. "Das ist absoluter Premiumbereich und besser als das, was die VW-Edeltochter Audi im ersten Halbjahr vorzuweisen hat", sagte Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. Audi schaffte bis zur Jahresmitte eine Marge von 10,5 Prozent. Dank der gut laufenden Geschäfte hob Toyota das Gewinnziel zudem an und erwartet nun im Ende März auslaufenden Geschäftsjahr 2013/14 einen Betriebsgewinn von rund 14,7 Milliarden Euro (1,94 Billionen Yen). Zum Vergleich: Rivale Volkswagen will das operative Ergebnis in diesem Jahr bei 11,5 Milliarden Euro stabil halten.

Kein Selbstläufer

Ein Selbstläufer ist Toyotas Ausnahmestellung allerdings nicht. Erst im vergangenen Jahr hatte sich Toyota an die Weltmarktspitze zurückgekämpft, nachdem der japanische Konzern zuvor wegen der Erdbebenkatastrophe 2011 in seiner Heimat, die Auswirkungen auf das weltweite Produktionsnetz hatte, auf Rang drei zurückgefallen war. Inzwischen hat das Unternehmen seine Produktion weltweit stärker dezentralisiert. Die Früchte dieser Umstellung fährt der Konzern nun ein. Dabei hilft der schwache Yen in zweifacher Weise: Zum einen werden dadurch die Exporte angekurbelt. Andererseits verdient Toyota dank seiner Stärke in den USA mehr. Die Japaner haben ihr Produktionsnetz in Nordamerika in den vergangenen Jahren stark ausgebaut und kaufen dort vermehrt Teile ein. Bei der Umrechung in Yen sorgen die in Dollar erwirtschaften Einnahmen für höhere Gewinne, da die japanische Währung schwächer ist.

Davon kann Volkswagen nur träumen. Die Wolfsburger, die zur Aufholjagd geblasen haben, um sich in einigen Jahren selbst an die Weltmarktspitze zu schieben, sind auf dem wichtigen US-Markt zuletzt aus dem Tritt gekommen. Die Verkäufe der Marke VW sanken im Juli um drei Prozent. Dagegen trumpft Toyota in Amerika auf und nimmt inzwischen Ford ins Visier, der dort auf Rang zwei hinter General Motors liegt.

Ein Wimpernschlag

Rund um den Globus brachten die Japaner in der ersten Jahreshälfte 4,91 Millionen Fahrzeuge an die Kunden und lagen auf der Pole-Position. Doch wird das Rennen immer enger. Volkswagen - derzeit weltweit auf Platz drei hinter GM - verringerte den Abstand beim Absatz zur Opel-Mutter auf 50.000 Einheiten - ein Wimpernschlag bei der Größe des Konzerne.

Experten rechnen damit, dass VW den US-Konzern bald überholt kann und Toyota dann im Nacken sitzt. "Das eigentliche Rennen findet zwischen Toyota und VW statt", sagt Autoanalyst Christoph Stürmer von IHS Automotive. Er geht davon aus, dass sich der Kampf um die begehrte Krone auf dem boomenden Pkw-Markt in China entschiedet. "Wenn Toyota sich dort erst mal richtig breit macht, werden die einen zusätzlichen Schub bekommen."

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