ThyssenKrupp verkauft US-Werk, die Probleme bleiben

ThyssenKrupp verkauft US-Werk, die Probleme bleiben

Der ThyssenKrupp Konzern übergibt sein Stahlwerk im US-Bundesstaat Alabama an die Mitbewerber ArcelorMittal und Nippon Steel und plant eine Kapitalerhöhung über zehn Prozent. Die Bilanzkonferenz soll noch heute stattfinden.

Duisburg. Der hochverschuldete deutsche ThyssenKrupp Konzern hat mit dem Verkauf seines verlustreichen Stahlwerks in Mobile im US-Bundesstaat Alabama einen kleinen Schritt in Richtung Sanierung gemacht. Richtig aufatmen kann man bei Deutschlands größtem Stahl- und Technologieunternehmen jedoch noch lange nicht.

In der Nacht auf Samstag einigte sich ThyssenKrupp mit einem Konsortium aus dem weltgrößten Stahlproduzenten ArcelorMittal und Nippon Stelle auf einen Kaufpreis von 1,55 Milliarden Dollar - umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro - für das verlustreiche Stahlwerk. Angesichts der im September, zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13, bekannt gegebenen Schulden über fünf Milliarden Euro und einem Nettoverlust von 1,5 Milliarden Euro aus derselben Periode droht diese eine Milliarde jedoch schnell zu verpuffen, wenn nicht rasch weitere Sanierungsschritte gesetzt werden.

Um das weiterhin drückende Finanzproblem zu lösen - im September drohten dem Konzern bereits die Banken die Kreditlinien aufzukündigen - will der Konzern jetzt eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent durchführen.

Problemfall Brasilien

Der Unternehmensführung ist es auch noch nicht gelungen, einen Abnehmer für sein zweites Waterloo, das Werk bei Rio de Janeiro in Brasilien, zu finden, worum sich Konzernchef Heinrich Hiesinger und und Finanzchef Guido Kerkhoff eineinhalb Jahre lang bemüht hatten. ThyssenKrupp hatte rund 13 Milliarden Euro in die beiden Werke investiert, sie zuletzt aber nur noch mit einem Wert von 3,1 Milliarden Euro in den Büchern.

Die Geschichte des Stahlwerks in Brasilien ist für ThyssenKrupp ein einziges Desaster. In das 2010 eröffnete Werk wurden anfänglich 5,2 Milliarden Euro investiert. Es war damit eine der größten deutschen Auslandsinvestitionen aller Zeiten. Schon beim Bau begannen die Probleme. Das Werk sollte zunächst mit billigem Stahl aus China errichtet werden. Dessen Qualität war jedoch mangelhaft, weshalb er ersetzt werden musste und die Baukosten in die Höhe schnellten. Wegen Korruptionsfällen und Verstößen gegen Umweltauflagen drohte das Projekt Rio gänzlich zu kippen.




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Zumindest ist es der Konzernführung gelungen, mit den Käufern des Werks in den USA eine Vereinbarung zur Abnahme von Stahl zu schließen. Die neuen Eigentümer werden über einen Zeitraum von sechs Jahren zwei Millionen Tonnen Rohstahl kaufen. Eine Option für weitere drei Jahre könnte somit zumindest die Auslastung des Stahlwerks in Rio, dessen Produktionskapazität bei 5,3 Millionen Tonnen jährlich liegt, bis zum Jahr 2022 einigermaßen garantieren.

Bilanzkonferenz

Weitere Schritte und Details will die Konzernführung heute, Samstag, im Rahmen der Bilanzkonferenz bekannt geben. Diese war eigentlich wegend er fortgeschrittenen Verkaufsverhandlungen in den USA vom 21. November auf den 2. Dezember verschoben worden. Nun soll sie am 30. November um 13:00 stattfinden.

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