ThyssenKrupp tiefrot – Übersee-Werke belasten den Stahlriesen

ThyssenKrupp tiefrot – Übersee-Werke belasten den Stahlriesen

Nun übt sich ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger in Geduld. Die Kostensenkungen und die Veränderung der Unternehmenskultur dürften die Leistungsfähigkeit verbessern, hatte der Manager am Dienstagabend bei der Vorlage der Quartalszahlen erklärt. Diese fielen wegen der Verluste bei den Übersee-Stahlwerken erneut tiefrot aus.

Anleger suchten am Mittwoch das Weite, die Aktie verlor zeitweise deutlich an Wert. Eine Frist zum Verkauf der Stahlwerke in Brasilien und den USA will sich Hiesinger nicht setzen. Auch die Entscheidung über eine Kapitalerhöhung ist nicht mehr an eine vorherige Veräußerung der Anlagen gebunden.

ThyssenKrupp hatte für das dritte Quartal 2012/13 zwar einen operativen Gewinn ausgewiesen, der über den Erwartungen der Analysten lag. Bei den wichtigen Verhandlungen über den Verkauf der Sparte Steel Americas blieb der erhoffte Befreiungsschlag jedoch aus. "Auch wir hätten gerne schneller einen Abschluss erzielt; für uns stehen aber Unternehmensinteresse und Sorgfalt an erster Stelle", räumte Hiesinger ein. Nach den Rückschlägen will er sich nicht unter Druck setzen. "Daher werden wir unsere Entscheidungen nicht von Stichtagen abhängig machen." Er hatte die Werke in Brasilien und den USA ursprünglich bis zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13 (per Ende September) abstoßen wollen.

Kapitalerhöhung könnte bald folgen

Die Aktie des Konzerns mit weltweit 150.000 Beschäftigten rutschte am Mittwoch zeitweise mehr als fünf Prozent in Minus. "Die Tatsache, dass der Konzern seine Stahlwerke in Übersee noch immer nicht los ist, bleibt das große Problem", kommentierte ein Händler den Kursrutsch. ThyssenKrupp hat die Anlagen noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern. Mehr als zwölf Milliarden Euro haben sie gekostet - zwei Drittel davon hat das Werk in Rio de Janeiro verschlungen. Favorit bei den Gesprächen war zuletzt nach Informationen von Insidern der brasilianische Stahlkonzern CSN. Mit den Verhandlungen vertraute Personen hatten Reuters allerdings berichtet, dass dieser womöglich nur das Werk in den USA übernehmen wolle und Thyssen auf dem von Pleiten, Pech und Pannen geprägten Werk in Brasilien sitzen bleibe. Hiesinger bekräftige, eine Lösung für beide Standorte anzustreben.

Die Entscheidung darüber ist nun aber nicht mehr an den Verkauf der Werke geknüpft. Eine Kombination wäre zwar der einfachere Weg, aber nicht der einzige, machte Hiesinger deutlich. "Mit Sicherheit ist eine Kapitalerhöhung eine Option, die wir uns vorbehalten", fügte er hinzu. ThyssenKrupp drücken Schulden von über fünf Milliarden Euro. Equinet-Analyst Stefan Freudenreich geht davon aus, "dass eine Kapitalerhöhung unausweichlich ist".

ThyssenKrupp fuhr im dritten Quartal einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im fortgeführten Geschäft von 332 Millionen Euro ein, nach 384 Millionen vor Jahresfrist. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit 278 Millionen Euro gerechnet. "Trotz der starken operativen Performance werden unserer Ansicht nach die Risiken im Zusammenhang mit dem stockenden Verkauf von Steel Americas und einer wahrscheinlichen Kapitalerhöhung dominieren", fasste Equinet-Experte Freudenreich zusammen. Im Gesamtkonzern schrieb ThyssenKrupp inklusive der Übersee-Stahlwerke in den ersten neun Monaten nach Anteilen Dritter einen Verlust von 983 Millionen Euro.

Dem Unternehmen könnten nun Banken auf den Leib rücken. Dem Konzern droht per Ende September wegen hoher Schulden eine Aufkündigung von Kreditlinien, wie aus dem Zwischenbericht hervorgeht. ThyssenKrupp hatte danach einen Anstieg des Verhältnisses der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) auf 185,7 Prozent verzeichnet. Ist dies Ende September der Fall, könnten milliardenschwere Kreditlinien gekündigt werden. ThyssenKrupp will dies auf jeden Fall verhindern.

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