ThyssenKrupp: "Cevian" kauft sich groß ein

Neuer Großaktionär beim angeschlagenen Stahlkocher ThyssenKrupp ist der Hedgefonds Cevian. Die Schweden haben sich bereits über fünf Prozent der Stimmrechte gesichert, wie Cevian am Mittwoch mitteilte. Cevian gilt als aktiver Investor, der sich ins Konzerngeschehen einmischt und Druck auf das Management ausübt, mit dem Ziel, den Aktienkurs zu steigern und so seine Anteile mit Gewinn wieder zu verkaufen.

ThyssenKrupp: "Cevian" kauft sich groß ein

Der Einstieg könnte Spekulationen auf eine Zerteilung des Konzerns befeuern, erklärten Analysten der DZ Bank. Denn während ThyssenKrupp beispielsweise mit Aufzügen Gewinne einfährt, macht das Stahlgeschäft seit langem Probleme. Die ThyssenKrupp-Aktie hat Nachholbedarf: Sie hat seit Jahresbeginn 1,5 Prozent eingebüßt, während der Dax im gleichen Zeitraum fast 14 Prozent zugelegt hat.

Cevian will es wohl auch nicht bei den gut fünf Prozent der Anteile belassen: "Cevian schließt nicht aus, seinen Anteil in Zukunft zu erhöhen", sagte eine Sprecherin am Mittwoch zu Reuters - an eine komplette Übernahme sei aber nicht gedacht, betonte sie. Direkten Einfluss auf das Management strebt der Investor zumindest momentan noch nicht an - die Frage nach einem Mandat im Aufsichtsrat stelle sich "zurzeit nicht", sagte die Sprecherin.

Offene Arme

Dass Cevian mit dem Einstieg große Hoffnungen verknüpft, machte Cevian-Manager Jens Tischendorf klar. Er sehe "erhebliches Potenzial für die Entwicklung von ThyssenKrupp", - das lässt offen, wo der Investor den Hebel gerne angesetzt sehen will. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger ist nicht bange: "Mit Cevian Capital als neuem Investor gewinnen wir einen renommierten, europäischen Großaktionär, der auch in Deutschland über umfangreiche industrielle Erfahrung verfügt", empfing er Cevian mit offenen Armen. "Wir freuen uns, dass Cevian auf den vom Vorstand eingeschlagenen Weg vertraut und damit die strategische Weiterentwicklung des Konzerns unterstützt".

Der Konzern hat zwar große Probleme im Stahlgeschäft, aber auch einträgliche Geschäfte: So wirft die Technologiesparte solide Gewinne ab. Der Einstieg von Cevian sei "bei anderen Unternehmen in der Vergangenheit nicht zum Nachteil der Aktionäre gewesen", sagte Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. "Im Gegenteil, es ist in der Regel nach Cevians Einstieg zu einer nachhaltigen Wertsteigerung gekommen." Darauf hoffen nun auch die Anleger: ThyssenKrupp-Aktien legten bis zum Mittag um knapp vier Prozent auf 18,16 Euro zu.

Cevian kauft nach eigener Auskunft typischerweise zehn bis 15 Prozent an Unternehmen mit zwei bis zehn Milliarden Euro Umsatz. Bei Bilfinger ist Cevian in Deutschland etwa bereits engagiert. Der größte Coup von Cevian in Deutschland war Demag Cranes. Die Schweden hatten den Kranbauer als Übernahmekandidaten ausgemacht und stiegen mit zehn Prozent ein. Mit tatkräftiger Hilfe des Großaktionärs kam es nur ein Jahr danach zur Übernahme durch den US-Baumaschinenkonzern Terex - und Cevian hatte seinen Einsatz verdoppelt.

Cevian ist nicht der einzige neue Großaktionär im Aktionärskreis von ThyssenKrupp: In diesem Jahr sind bereits die US-Fonds Blackrock und Franklin Mutual bei den Essenern mit jeweils über fünf Prozent eingestiegen.

Das Bollwerk braucht Dividenden

Bei der Kapitalerhöhung, die Hiesinger Finanzkreisen zufolge vorbereitet, könnte Cevian mitziehen - das würde den Anteil der klammen Krupp-Stiftung verwässern. Diese verfügt mit 25,33 Prozent über eine Sperrminorität und gilt damit als Bollwerk gegen eine Übernahme oder Zerschlagung des Konzerns - ist aber auf Dividenden von ThyssenKrupp angewiesen. Zuletzt ging sie wie alle übrigen Aktionäre leer aus, denn bei einem Verlust von fast fünf Milliarden Euro gab es nichts zu verteilen. Die Stiftung hielt sich zum Einstieg Cevians bedeckt: "Die Stiftung möchte sich zu dieser Transaktion nicht äußern", sagte eine Sprecherin. Die Cevian-Sprecherin wollte sich nicht äußern, ob der Investor sich an einer Kapitalerhöhung beteiligt.

Hiesinger wollte die Kapitalerhöhung ursprünglich erst nach einem Verkauf der hoch defizitären Überseestahlwerke durchziehen. Doch die Veräußerung der Werke in den USA und Brasilien lässt auf sich warten. Der Verkauf in Brasilien stehe auf der Kippe, möglicherweise könne Hiesinger nur das Werk in den USA losschlagen, hatte ein Insider zuletzt berichtet. Nach diversen Abschreibungen hat der Konzern die über zwölf Milliarden Euro teuren Stahlwerke in Brasilien und den USA noch mit 3,4 Milliarden in den Büchern. Doch das kann der Konzern als Verkaufspreis nach Einschätzung von Analysten nicht erzielen.

Hiesinger kämpft an vielen Fronten. In den ersten neun Monaten des in wenigen Tagen endenden Geschäftsjahrs fuhr der Konzern 1,2 Milliarden Euro Verlust ein, die Schulden summieren sich auf 5,3 Milliarden Euro und mit einer Eigenkapitalquote von 8,0 Prozent ist der Konzern Schlusslicht im Dax. Eine Milliarden-Kreditlinie hätte zuletzt wegen des Verstoßes gegen Verschuldungsvereinbarungen durch ein Banken-Konsortium aufgekündigt werden können - doch die Institute drückten ein Auge zu.