ThyssenKrupp in Brasilien: Pleiten, Pech und Pannen ohne Ende

ThyssenKrupp in Brasilien: Pleiten, Pech und Pannen ohne Ende

Die Werksleitung räumte am Mittwochabend ein, einer von zwei Hochöfen sei bereits vor rund einem Monat außer Betrieb genommen worden. Als Grund nannte ThyssenKrupp "Prozessinstabilität", ohne dies näher zu erläutern - dabei wirbt das Werk auf seiner Internetseite damit, Transparenz sei einer der Stützpfeiler seines Handelns.

Aber auch zur Dauer der Reparaturarbeiten, deren Kosten und mögliche Auswirkungen auf den Verkaufsprozess hielt sich der krisengeschüttelte Industriekonzern bedeckt. Konzernchef Heinrich Hiesinger sagte am Randes eines Managementkongresses in Berlin lediglich, der Konzern werde sich äußern, wenn der Verkauf abgeschlossen sei. Die Anleger vergrätzte ThyssenKrupp damit. Die Aktie büßte zeitweise rund fünf Prozent ein und gehörte damit zu den größten Verlierern im Dax.

Insider: Reparaturkosten insgesamt mindestens 500 Millionen Euro

Ein Insider erklärte, die Produktion sei wegen der Außerbetriebnahme des Hochofens auf weniger als die Hälfte der normalen Kapazität gesunken. Der Konzern versuche fieberhaft, wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren. Die Kosten, um die verschiedenen Mängel zu beheben, beliefen sich inzwischen auf mindestens 500 Millionen Dollar, sagte der Insider. Dies habe auch Auswirkungen auf die Verhandlungen über einen Verkauf des Werks. Der brasilianische Stahlkonzern CSN überdenke den Betrag, den er für das Werk in Brasilien und die ThyssenKrupp-Anlage in den USA zu zahlen bereit sei, hieß es in den Kreisen.

Das Stahlwerk in Brasilien bereitet ThyssenKrupp immer wieder Probleme . Nicht nur, dass der Bau der Anlage länger dauerte und mehr als das Doppelte kostete als geplant. Die Werksführung lag auch mit den brasilianischen Behörden wegen Vorwürfen der Umweltverschmutzung im Clinch.

ThyssenKrupp hatte seine Sparte Steel Americas - neben dem Werk in Brasilien gehört dazu auch eine Anlage im US-Bundesstaat Alabama - zum Verkauf gestellt. In den Kreisen hieß es nun, CSN sei weiter interessiert, habe aber noch kein offizielles Angebot vorgelegt. Die Sparte hat ThyssenKrupp Milliardenverluste eingebrockt. Die Kosten waren auf zwölf Milliarden Euro explodiert. Nach mehreren Abschreibungen hat der Konzern die Werke noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern. Die Anleger hoffen, dass es dem Konzern gelingt, endlich einen Schlussstrich unter die Geschichte der Werke in Übersee zu setzen.

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