"Teuerung wird von allen politischen Kräften angestrebt"

"Teuerung wird von allen politischen Kräften angestrebt"

Schleichende Inflation zur Entschuldung und Notenbanken, die uns noch zehn Jahre mit billigem Geld versorgen werden - im Gespräch mit dem FORMAT erklärt Riße, warum die Teuerung ab 2015 auf zehn Prozent klettern könnte, der Dax kurzfristig auf 8000 Punkte und entsprechend Aktien, Rohstoffe und Immobilien als Investment interessant sind.

FORMAT: Nahezu alle bedeutenden Aktienindizes notieren auf Mehrjahres-Höchstständen. Würden Sie trotzdem einsteigen?

Stefan Riße: Ja, die Aktienrally wird, wenn auch mit hohen Schwankungen, weitergehen. Erst wenn die Notenbanken die Musik anhalten, dann ist die Party zu Ende. Das ist aber nur dann der Fall, wenn wir über Inflation die Entschuldung erreicht haben und die Politiker beschließen, das billige Geld der Notenbanken abzuwürgen und die Zinsen anzuheben. Dann werden die Aktienkurse richtig eins auf den Deckel bekommen. Aber keine Sorge das wird erst in zirka zehn Jahren der Fall sein.

Wo sehen Sie den DAX bis zum Jahresende?

Riße: In den nächsten drei bis sechs Monaten werden die Aktienmärkte eine massive Bewegung nach oben machen, weil einfach die unglaublich tiefen Zinsen noch nicht ausreichend eingepreist sind. Negative Realzinsen haben sich immer positiv auf Aktienkurse ausgewirkt. Ich glaube, dass wir Richtung 8.000 Punkte laufen werden.

Ist der Goldkurs, der mit über 1700 Dollar pro Feinunze wieder an alte Hochs anschließt, bereits überhitzt?

Riße: Die Goldrally, die wir bislang gesehen haben, war nur ein Vorspiel, auf das was noch kommt. Gold hat noch viel mehr Potenzial. Wenn Gold den Rückstand der letzten zehn Jahre zu Aktien im Dow Jones aufholen sollte, dann müsste Gold Richtung 12.000 bis 13.000 Dollar pro Feinunze steigen.

Gibt es noch andere Gründe, warum der Goldpreis in solch astronomische Höhen klettern könnte?

Riße: Ja, natürlich, Gold wird weiter steigen, weil es auch vor Inflation schützt. Die EZB ist omnipotent, das haben viele noch nicht verstanden. Die Notenbank steht ganz oben, niemand kann vermeiden, dass Geld gedruckt wird. Letztlich wird das Gelddrucken aber in einer Inflation enden. Das wird ja auch von allen politischen Kräften angestrebt. Sogar IWF-Chefökonom Olivier Blanchard hat vor geraumer Zeit ganz offen angekündigt, dass er eine Teuerung von vier Prozent vorschlagen würde, weil das der eleganteste Weg sei, von der Altverschuldung runterzukommen.

Haben wir nicht schon die ganze Zeit eine schleichende Inflation?

Riße: Absolut. Aber das ist auch gar kein Drama. Solange sie im Bereich zwischen ein und zwei Prozent bleibt, wäre das ganz normal und absolut erstrebenswert. Da muss ich meine Ziehvater André Kostolany zitieren der sagte: „Mit der Inflation ist das so, wie mit Zigaretten und Alkohol: In kleinen Dosen können beide Dinge nützlich sein. Aber man darf kein Alkoholiker oder Kettenraucher werden."

Wann kommt die große Inflation?

Riße: Nicht innerhalb der nächsten zwei Jahren. Aber ab etwa 2015 könnte sie in der Eurozone auf bis zu zehn Prozent klettern und über die nächste Dekade anhalten. Inflation springt dann an, wenn sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht und die Notenbanken gar nicht so schnell handeln können, das Geld wieder einzufangen. Zumal dann immer noch ganz viele Banken von dem historisch tiefem Zinsniveau abhängig sein werden, um nicht Pleite zu gehen. Dann wird man Inflation tolerieren. Natürlich geht das zu Lasten all der Sparer, die nicht in Sach- sondern in Geldwerten investiert sind. Bei einer Inflation von durchschnittlich 7,2 Prozent über zehn Jahre halbiert sich das Geldvermögen. Das bedeutet, dass Sparer einen großen Teil ihrer Ersparnisse auf Sparbüchern, Lebensversicherungen, die nicht fondsgebunden sind, Rentenfonds und Schatzbriefen verlieren werden.

Welche Investments halten diesem Szenario stand?

Riße: Sachwerte wie Aktien, Rohstoffe und Immobilien.

Welche Aktien würden Sie in einem inflationären Umfeld bevorzugen?

Riße: Ich würde auf substanzstarke Werte setzen, zum Beispiel von Goldminenkonzernen, und Papiere mit hohen Dividenden auswählen. Aktien sind immer noch extrem billig bewertet. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass in einem ersten Börsenaufschwung Wachstumsaktien ­sogar besser abschneiden.

Viele Anleger haben Aktien im Depot die unter Wasser sind. Wann sollte man sich von einem Investment trennen?

Riße: Rausgehen würde ich aus Papieren, die gut gelaufen sind und bei denen alle Spatzen von den Dächern pfeifen, dass man sie kaufen soll.

Wie geht man damit um, wenn der Dax Zickzackkurs geht?

Riße: Auf solche Schwankungen reagier ich in der Regel nicht, weil ich einen langfristigen Anlageansatz habe.

Präsident Mitt Romny hat bei einer seiner letzten Wahlrede der Bevölkerung versprochen, das alles besser wird. Waren das nur leere Worte?

Riße: Ja. Was Mitt Romney macht, ist eine Form der Vertagungspolitik, die wir schon unter George Bush gesehen haben. Sie sind für immer mehr Steuererleichterungen der Reichen und ein immer stärkeres ausdünnen der Sozialsysteme. Der ganze Mittelstand in Amerika verarmt zusehends, das ist eine Politik die in die Sackgasse führt. Die richtige Balance zwischen Armen und Reichen gibt es in Amerika schon lange nicht mehr.

Zur Person: Stefan Riße, 44, ist Fondsmanager bei dem in Hamburg ansässigen Investmenthaus HPM (Hanseatische Portfoliomanagement GmbH) das rund 60 Millionen Euro Assets verwaltet. Sein jüngstes Projekt ist der „Riße Infation Opportunities Fonds“, mit dem Riße eine klassische Global Multi Asset Strategie verfolgt, und der Anleger vor einer überproportional ansteigenden Inflation schützen soll.

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