Telco-Realität in Europa: Preiskrieg und Rezession

Telco-Realität in Europa: Preiskrieg und Rezession

Die Erlöse der beiden Telekom-Riesen Telefonica und Deutsche Telekom auf dem Heimatkontinent sanken zu Jahresanfang - einen Hoffnungsschimmer gibt es für die Deutschen aber zumindest auf dem lange Zeit kriselnden US-Markt.

Der Europa-Umsatz von Telefonica brach im ersten Quartal um zwölf Prozent ein, wie das Madrider Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Zu Buche schlug vor allem die Lage in Spanien, das weiterhin tief in der Rezession steckt - der Umsatz auf dem Heimatmarkt fiel um 16 Prozent. Unterstützung von den wichtigen Töchtern in Lateinamerika, die die Hälfte der Gesamterlöse beisteuern, gab es wegen ungünstiger Wechselkurse nicht. Der Quartalsumsatz sank deshalb konzernweit um neun Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Der Gewinn stieg im ersten Quartal um 21 Prozent auf 902 Millionen. Hintergrund sind günstigere Finanzierungskonditionen und die vergleichsweise schwachen Ergebnisse des Vorjahres, in dem Telefonica seinen Anteil an der Telecom Italia abschrieb.

Oberstes Ziel des nach Umsatz größten Telefonkonzerns Europas ist der Abbau des gewaltigen Schuldenbergs von derzeit 51,2 Milliarden Euro. Dazu verkauft Telefonica sein Tafelsilber - so brachten die Spanier voriges Jahr ihre deutsche Tochter o2 an die Frankfurter Börse. Die Führungsetage peilt an, Ende dieses Jahres mit höchstens 47 Milliarden Euro in der Kreide zu stehen.

Hoffnungsschimmer USA

Unter Druck steht auch die Deutsche Telekom. Der Europa-Umsatz sank im ersten Jahresviertel um sieben Prozent - konzernweit lag das Minus noch bei 4,5 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Die Telekom ist in vielen Ländern Ost- und Südosteuropas aktiv, die von der Wirtschaftskrise besonders getroffen sind. Das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) ging im gleichen Zeitraum konzernweit um 4,3 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück. Im lange Zeit gebeutelten US-Geschäft gibt es dagegen einen Silberstreif am Horizont. "Die Telekom leidet erstmals seit vielen Quartalen nicht mehr unter Kundenschwund in den USA", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Zu verdanken habe die Telekom dies vor allem dem Verkaufserfolg des iPhone 5 von Apple. T-Mobile USA konnte unter der eigenen Marke 3000 neue Kunden gewinnen. Das ist das erste Plus seit vier Jahren. Die Zahl der Vertragskunden insgesamt sank um 200.000 - voriges Jahr waren es im Quartal noch 500.000. Das reichte aus, um die Börse zu elektrisieren: Die Telekom-Aktie stieg um fünf Prozent.

Chinesen gehen in der Krise shoppen

Die Krise in Europa ruft Käufer auf den Plan: Hutchison Whampoa ist am Mobilfunk-Geschäft von Telecom Italia interessiert. Der chinesische Konzern will sich mit 30 Prozent bei Telecom Italia beteiligen. Analysten beziffern den Wert der Mobilfunk-Geschäfte auf 1,5 bis zwei Milliarden Euro. Eilig haben es die Italiener aber nicht. Die Führung des Konzerns stimmte bei ihrem Treffen am Mittwoch nicht für die Aufnahme von Fusionsgesprächen mit dem Unternehmen aus Hongkong. Die Führung werde eine mögliche Fusion weiter prüfen und wolle in einem Monat erneut darüber beraten, sagte Verwaltungsrats-Mitglied Tarak Ben Ammar am Mittwoch. Keiner der großen Anteilseigner sei grundsätzlich gegen den Deal.

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