Strafverfahren gegen bwin-Chef eingestellt

Strafverfahren gegen bwin-Chef eingestellt

Die Troubles von bwin nehmen kein Ende. Boss Norbert Teufelberger wäre in Belgien fast wieder verhaftet worden.

So etwas nennt man wohl ein Déjàvu. Als Norbert Teufelberger gerade mit seinem Vortrag bei der Responsible-Gaming-Konferenz in Brüssel fertig war und sich mit einigen EU-Parlamentariern zum Mittagessen treffen wollte, stellten sich ihm zwei Beamte wie Wildwest-Sheriffs in den Weg. Der Chef des Glücksspielkonzerns bwin.party solle zu einer Befragung mit zur Behörde kommen, forderten sie ultimativ.

Erinnerungen an ähnlich wilde Ereignisse vor sechs Jahren in Monaco, als beide bwin-Chefs aus einer Pressekonferenz weg verhaftet wurden, wurden wieder wach.

Auch wenn die Belgier etwas schonender mit Teufelberger verfuhren: keine Handschellen und keine Nacht in der Arrestzelle. Nach zwei Stunden harten Verhörs in flämischer Sprache durfte der bwin-Chef wieder gehen. „Man hat sich sogar bei mir entschuldigt dafür“, wiegelt Teufelberger am Tag danach ab.

Dennoch erlebten Börsianer bange Stunden: Die bwin.party-Aktie rasselte vergangenen Dienstag am Nachmittag in den Keller, Gerüchte über gröbere Rechtsverstöße durch das Online-Unternehmen machten die Runde.

In Wahrheit ging es – wie auch schon 2006 in Frankreich – darum, dass die belgischen Behörden der Meinung sind, bwin verstoße gegen nationales Glücksspielrecht. Denn laut belgischem Recht muss ein Glücksspielbetreiber über eine nationale Niederlassung verfügen. bwin agiert aber von Gibraltar aus und beruft sich dabei auf EU-Recht.

Hat sich also in diesen sechs Jahren in Sachen Glücksspielliberalisierung gar nichts geändert? „Doch, immerhin sind heute fünf weitere EU-Länder reguliert. Aber es dauert halt alles sehr lange“, beklagt Teufelberger.

Gefahr droht immer noch aus weiten Teilen Deutschlands, aus Portugal und Griechenland. Und auch das Verfahren in Frankreich ist nach sechs Jahren noch immer nicht abgeschlossen. „Es könnte sein, dass Ende Jänner eine Verhandlung dazu stattfindet“, meint bwin-Anwalt Thomas Talos.

Steuerverfahren gewonnen

In Österreich hingegen – auch wenn dem Glücksspielkonzern immer noch ein rauer Wind entgegenweht (siehe " Anzeige bei FMA ") – ortet Teufelberger juristische Fortschritte: Ein Strafverfahren wegen Geldwäsche und unerlaubten Glücksspiels, das seit fünf Jahren gegen ihn und bwin-Gründer Manfred Bodner geführt wurde, ist kürzlich von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt worden.

Auch an der Steuerfront dürfte es eine Entspannung geben. Wie berichtet hingen drohende Steuernachzahlungen für die Jahre 2002 bis 2011 wie ein Damoklesschwert über dem Glücksspielkonzern. 170,4 Millionen Euro hätte das bwin in Summe kosten können.

Wie FORMAT von Behördenseite erfahren hat, wurde ein Steuerverfahren, das bwin vor dem Unabhängigen Finanz-Fachsenat geführt hat, kürzlich gewonnen. Ob dieser Sieg beeinsprucht wird, steht in den nächsten Tagen fest.

Vermeidet der bwin-Boss in Zukunft Reisen nach Belgien oder Frankreich angesichts der dort herrschenden Wildwest-Methoden? Teufelberger: „Nein, sicher nicht. Ich verstecke mich sicher nicht, denn wir haben das EU-Recht als Rückendeckung.“

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