Stahlmisere in Europa: Rettet Viktor Vekselberg Schmolz+Bickenbach?

Der hoch verschuldete deutsch-schweizerische Edelstahlkocher Schmolz+Bickenbach (S+B) dürfte mit der Beteiligungsgesellschaft Renova des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg einen neuen Großaktionär gefunden haben.

Stahlmisere in Europa: Rettet Viktor Vekselberg Schmolz+Bickenbach?

Die Düsseldorfer S+B-Hauptaktionärin Schmolz+Bickenbach GmbH & Co KG habe "eine Exklusivvereinbarung über eine allfällige Beteiligung von Renova an der kapitalmässigen Restrukturierung der Schmolz+Bickenbach" getroffen, teilte S+B am Donnerstag mit. Die S+B-Aktie zog an der leicht nachgebenden Schweizer Börse bei hohen Umsätzen um acht Prozent auf 2,55 Franken an.

S+B ächzt unter einer hohen Schuldenlast. Zukäufe und Investitionen in neue Werke in den vergangenen Jahren wurden weitgehend mit Fremdkapital finanziert. Dazu kommt das schwierige wirtschaftliche Umfeld, unter dem die ganze Schwerindustrie leidet. Thyssen-Krupp und der zweitgrößte deutsche Stahlkocher Salzgitter haben Stellenstreichungen angekündigt. Auch bei S+B wird der neue Konzernchef Johannes Nonn nicht um diesen Schritt herumkommen. Daneben sei auch der Verkauf von Firmenteilen nicht ausgeschlossen, sagte Nonn der Schweizer "Handelszeitung". Im letzten Jahr sank der Umsatz um neun Prozent auf 3,6 Milliarden Euro und unter dem Strich stand ein Verlust von 158 Millionen Euro. Ihre für den 18. April geplante Aktionärsversammlung verschob die Firma kürzlich auf Juni.

Neue Ankeraktionäre sollen helfen. "Wir werden uns für einen oder zwei Investoren entscheiden, die das beste Angebot für das Unternehmen und für die bestehenden Aktionäre unterbreiten", sagte S+B-Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha zu Reuters. "Das könnte Renova sein, das könnten aber auch andere Investoren sein, die in den Prozess eingebunden sind." S+B sei mit verschiedenen nationalen und internationalen Investoren im Gespräch, mit denen Geheimhaltungs- und Stillhaltevereinbarungen unterzeichnet worden seien.

Kapitalerhöhung muss her

Nach Einschätzung von Analysten muss S+B das Kapital erhöhen oder Schulden in Aktien wandeln. "Im Moment sieht es eher nach einer normalen Bezugsrechtskapitalerhöhung aus", sagte der Finanzchef. Bis zur Generalversammlung im Juni sollen die Weichen gestellt sein.

Die Düsseldorfer Schmolz+Bickenbach Gmbh & Co KG hält 40,46 Prozent. Das Paket ist zur Hälfte durch einen Aktionärsbindungsvertrag mit dem Investor Gerold Bütiker gebunden. Die Vereinbarung mit Renova bezieht sich auf die verbleibenden 20,46 Prozent. S+B-Aktien besitzt Renova nach Wiechas Worten bisher keine. Renova-Sprecher Rolf Schatzmann wollte sich zu den Vorgängen nicht äussern.

In der Schweiz ist Vekselberg kein Unbekannter. Über Renova ist er bereits an den beiden Schweizer Traditionskonzernen Oerlikon und Sulzer beteiligt.