Stahl in der Krise – Zwischen Überkapazität und Werksschließung

Stahl in der Krise – Zwischen Überkapazität und Werksschließung

Bei einer Jahresproduktion der europäischen Stahlhersteller von 210 bis 215 Millionen Tonnen liege der Anteil der Überkapazitäten bei "20 bis 25 Prozent", sagte Eder am Donnerstag in Düsseldorf.

Weltweit gehe die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD von Überkapazitäten von 500 bis 600 Millionen Tonnen bei einer Jahreskapazität von zwei Milliarden Tonnen aus.

Der Ruf nach harten Einschnitten in der Branche wird daher immer lauter. Eder bekommt bei seinem beharrlichen Drängen auf einen Abbau der Überkapazitäten Unterstützung aus Deutschland. "Die Stahlhersteller müssen Anlagen stilllegen, wenn sie wieder einmal dauerhaft Geld verdienen wollen", sagt der Manager des Duisburger Stahlhandelskonzerns Klöckner & Co, Gisbert Rühl.

Doch wer soll bei der Schließung von Stahlwerken vorangehen? Stilllegungen und die damit verbundenden massenhaften Kündigungen von Arbeitern sind politisch nur schwer durchzusetzen. Ein Unternehmen schaut daher auf das andere. Viele sehen da gerade Marktführer ArcelorMittal stärker in der Pflicht. Der aber sagt, dass er bereits vier seiner 25 Hochöfen in Europa dauerhaft schließt. Das sei genug.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Zahl der europäischen Stahlunternehmen bereits von 26 auf 8 reduziert, berichtet der Eurofer-Chef. Dennoch sind die Kapazitäten immer noch zu hoch. Die Welt sei nicht in Ordnung, sagt Eder, der auch Chef des österreichischen Stahlkonzerns voestalpine ist.

Kein "verrücktes Tonnendenken"

Im eigenen Unternehmen verweist er auf eine zunehmende Konzentration auf hochwertige Stahlqualitäten anstelle von "verrücktem Tonnendenken". Derzeit liege der Stahlanteil in dem Konzern nur noch bei rund 30 Prozent. "Wir haben sogar überlegt, ob wir aus dem Stahl aussteigen sollen", berichtet Eder. Schließlich habe man sich jedoch dagegen entschieden.

Überall versucht man es derzeit mit Sparprogrammen. Bei ThyssenKrupp sollen rund 2.000 der rund 27.600 Stellen im europäischen Stahlgeschäft wegfallen, Salzgitter will bis zur Jahresmitte ein eigenes Sparprogramm auflegen. "Es ist völlig sinnlos, Stahl-Standorte künstlich am Leben zu erhalten", beklagt Eder.

Im Hintergrund wird immer wieder über größere Lösungen gesprochen. Eine davon ist die Vision einer deutschen Stahl AG, unter deren Dach das für die deutsche Wirtschaft so wichtige Material produziert werden könnte. Davon wollen die Konzerne freilich offiziell noch nichts wissen. Auch Eder erteilt einer möglichen Beteiligung eine Absage.

Doch die Lage spitzt sich zu: Die Chancen auf die "ersehnte Trendwende" noch in diesem Jahr" schwinden von Tag zu Tag. "Die Hoffnung wandert in das Jahr 2014", sagt der voestalpine-Chef. Auch Klöckner & Co-Chef Rühl, der nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 als einer der ersten vor einem Einbruch der Stahlnachfrage warnte, ist erneut pessimistischer als weite Teile der Branche. Er sehe kaum noch Chancen auf die erhoffte Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr, sagte Rühl Anfang Mai.

Damit setzt er sich wieder einmal von den deutschen Stahlherstellern ab. Deren Branchenverband hofft im zweiten Halbjahr immer noch auf bessere Geschäfte. Dabei ist freilich viel Zweckoptimismus im Spiel. Denn andernfalls - so die Sorge - dürften die Preise noch weiter fallen und sich die Lage damit weiter verschärfen.

Besonders die um sich greifende Absatzkrise der Autobranche in Europa macht Stahlkonzernen wie ThyssenKrupp, ArcelorMittal und Salzgitter schwer zu schaffen. Aus der Baubranche kommen angesichts der Wirtschaftskrise in Südeuropa schon lange keine Impulse mehr. Die Preise liegen am Boden. Mittlerweile schreiben fast alle Hersteller in Europa rote Zahlen.

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