Sparmodus treibt HSBC-Gewinn in die Höhe

Sparmodus treibt HSBC-Gewinn in die Höhe

Seit zweieinhalb Jahren räumt Vorstandschef Stuart Gulliver bereits auf, er hat 46.000 Arbeitsplätze gestrichen und rund 50 Geschäftsbereiche oder Sparten abgestoßen. Jetzt konnte er für das erste Halbjahr trotz sinkender Einnahmen einen Gewinnsprung präsentieren.

Das Vorsteuerergebnis kletterte um zehn Prozent auf 14 Milliarden Dollar, wie HSBC am Montag mitteilte. "Die Ergebnisse zeigen, dass wir Fortschritte machen und das Versprochene liefern", sagte Gulliver. Börsianer hatten mehr erwartet, doch auch HSBC konnte sich der Flaute in vielen Ländern nicht entziehen. Die Bank will sich daher noch stärker auf Wachstumsmärkte in Asien ausrichten, wo HSBC bereits zwei Drittel des Gewinns einfährt.

HSBC ist nicht die einzige Bank, die den Rotstift ansetzt. Auch die Deutsche Bank, JP Morgan und Co sparen, wo sie können. HSBC hat damit aber früher als andere begonnen. Die Schuldenkrise in Europa, aber auch die strengere Regulierung mit immer höheren Kapitalauflagen setzt die Branche unter Druck, bremst das Neugeschäft und frisst die einst üppigen Margen gerade im Kapitalmarktgeschäft auf. Weltweit streichen die Häuser deshalb Stellen, geben riskante Sparten auf oder ziehen sich aus wenig lukrativen Auslandsmärkten zurück.

HSBC-Chef Gulliver hatte erst im Mai angekündigt, weitere 14.000 Stellen auf den Prüfstand zu stellen. Bis 2016 dürfte die Mitarbeiterzahl damit auf 240.000 fallen, Ende Juni waren es noch knapp 260.000. Details zum weiteren Abbau nannte er auch jetzt nicht. Grundsätzlich sieht sich das Institut, das in Deutschland mit der Privatbank HSBC Trinkaus präsent ist, wegen des rauen Umfelds aber im bisherigen Kurs bestätigt. Das Wirtschaftswachstum der westlichen Industriestaaten bleibe gedämpft, klagte Gulliver. "Und auch in den wachstumsstarken Märkten hat es in den vergangenen Quartalen eine Abschwächung gegeben", fügte er etwa mit Blick auf China an.

Bremsspuren im Tagesgeschäft

Die Konzerneinnahmen schrumpften im Halbjahr um sieben Prozent auf 34,4 Milliarden Dollar, bereinigt um Sondereffekte lag das Minus bei zwölf Prozent. Da halfen die Einsparungen auf der Kostenseite nicht - Analysten hatten beim Gewinn im Schnitt 500 Millionen Dollar mehr erwartet. "Es ist gut, dass die Bank bei der strategischen Neuausrichtung vorankommt", sagte Analyst Ian Gordon von Investec. Alarmierend sei aber, dass HSBC im Tagesgeschäft unter Druck komme, weil das Wachstum bei den Krediten schwach sei und die Margen schrumpften.

Entsprechend waren Börsianer enttäuscht. Die Aktie, die zuletzt zugelegt hatte, verlor 4,3 Prozent und war schwächster Wert im europäischen Bankenindex. Die Quartalsdividende von 0,10 Dollar je Papier zog auch nicht, obwohl sie im Halbjahr deutlich über dem Vorjahreszeitraum liegt.

Ausverkauf in den USA

Die Verschlankung der Bilanz will HSBC fortsetzen. Gulliver betonte aber, der Großteil der Verkäufe an Beteiligungen und Sparten sei abgeschlossen. Nachholbedarf beim Aufräumen habe HSBC im Privatkundengeschäft in den USA. Hier sollen weitere Kredit-Portfolios verkauft werden: "Wir werden in der zweiten Jahreshälfte beispielsweise noch mehr Hypotheken veräußern. Wir arbeiten an einer Reihe von Transaktionen." Ende Juni hatte das US-Kreditbuch nur noch ein Volumen von 36 Milliarden Dollar - zehn Milliarden weniger als vor einem Jahr.

In Großbritannien musste HSBC für die Entschädigung von Kunden, denen unnötige Restschuldversicherungen verkauft wurden, weitere 367 Millionen Dollar zur Seite legen. Die Rückstellungen dafür belaufen sich nun auf insgesamt 2,8 Milliarden Dollar. Auch andere britische Banken kostete die Affäre schon viel Geld.

Zudem erklärte HSBC, die Affäre um strittige Verkäufe von hypothekenbesicherten Anleihen während der Häuserkrise in den USA könne die Bank bis zu 1,6 Milliarden Dollar kosten. Bislang hatte HSBC nur von "deutlichen" Risiken gesprochen. Die US-Agentur FHFA hat in der Affäre um irreführende Angaben zwischen den Jahren 2005 bis 2008 über die Qualität solcher Papiere 18 Häuser verklagt, darunter auch die Deutsche Bank. Die Schweizer UBS hat schon 885 Millionen Dollar gezahlt.

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