Spanien steht kurz davor, den Zugang zum Markt zu verlieren

Spanien steht kurz davor, den Zugang zum Markt zu verlieren

"Sollten die Zinsen auch die Sieben-Prozent-Marke überschreiten, bekommt Spanien in massive Probleme", sagte ein Händler. Ein solches Zinsniveau gilt für den hoch verschuldeten Staat langfristig als untragbar.

Commerzbank-Analystin Carolin Hecht rechnet nicht damit, dass sich die Stimmung bald zum Besseren wendet. "Es bleibt dabei: Der Rettungsschirm für spanische Banken verfehlt die sedative Wirkung auf einen zunehmend nervösen Markt und der halbgare europäische Lösungsansatz wird einmal mehr abgestraft", schreibt die Expertin in einem Kommentar. Die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Politik färbt zunehmend auch auf Italien ab: Deren zehnjährige Bonds rentierten mit 6,317 Prozent zeitweise so hoch wie seit Ende Januar nicht mehr.

Mit seinen Anleiherenditen auf Rekordniveau wächst die Wahrscheinlichkeit von Rettungsmaßnahmen der EU auch für den spanischen Staat - und anschließend womöglich für Italien. Die Kapazitäten der EU für Hilfszahlungen wären damit auf das Äußerste angespannt. Fitch Ratings hat am Dienstag erklärt, dass der spanische Regierungschef Mariano Rajoy seine eigenen Defizitziele wohl nicht erreichen wird.

Der Rentenmarkt hat mit diesem Verlauf die Effekte der etwa
1,1 Billionen Euro vernichtet, die die EZB im Dezember und im Februar den Banken in der Eurozone ausgegeben hatte und die bislang die Renditen in Grenzen gehalten hatten. Die Rendite der spanischen Zehnjährigen nähert sich derzeit jenem Niveau von sieben Prozent, das Griechenland, Irland und Portugal unter den Rettungsschirm der EU gezwungen hatte. Laut dem Chefökonomen James Nixon von der Société Générale in London könnte sich Italien “innerhalb von Monaten” gezwungen sehen, um Rettung nachzusuchen.

“Die Krise wird unvermeidlich dem nächsten Dominostein zulaufen und das ist eben Italien”, sagte Nixon im Gespräch mit Bloomberg News. Die Konjunktur in diesen südeuropäischen Ländern befinde sich “praktisch im freien Fall” und die Nachfrage am Markt für diese Papiere schrumpfe entsprechend schnell.

“Ich kann nichts erkennen, was diese Dynamik umkehren soll”, sagte Nixon. Seine Einschätzung wird noch in der laufenden Woche auf den Prüfstand gestellt werden, wenn Italien kurz- und langlaufende Anleihen im Umfang von bis zu 9,5 Mrd. Euro am Markt platzieren will.

Euro stellt sich noch taub

Der Euro legte am Morgen leicht zu. Die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,2522 Dollar über ihrem New Yorker Vortagesschluss von 1,2505 Dollar. Händler maßen der leichten Erholung aber keine große Bedeutung zu. Vor den Wahlen in Griechenland dürfte der Handel sehr volatil bleiben, sagte ein Marktteilnehmer. In Athen stehen am Sonntag neue Parlamentswahlen an, die de facto über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone entscheiden wird.

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