Spanien: Banken brauchen "nur" 51 bis 62 Milliarden Euro

Spanien: Banken brauchen "nur" 51 bis 62 Milliarden Euro

Für Entspannung könnte jedenfalls sorgen, dass Spanien für seine Banken offenbar weniger Hilfe als von den Euro-Ländern angeboten braucht. Die Prüfung durch zwei unabhängige Beratungsunternehmen ergab eine Lücke von 51 bis 62 Milliarden Euro unter schärfsten Krisenannahmen, erklärte die spanische Regierung in Madrid.

Die Euro-Finanzminister hatten dem Land bis zu 100 Milliarden Euro Hilfe aus den Rettungsfonds offeriert. Der formelle Antrag werde in den kommenden Tagen gestellt, sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos vor dem Treffen der Eurogruppe in Luxemburg. Dort stand als zweiter großer Krisenherd der Währungsunion Griechenland auf der Tagesordnung. Die neue Regierungskoalition will eine Lockerung der Sparauflagen durchsetzen - stößt damit aber auf Ablehnung Deutschlands und anderer nördlicher Geberstaaten.

Mit Kredithilfen von 100 Milliarden Euro habe Spanien viel Spielraum, die Kapitallücken im Bankensektor zu stopfen, erklärte die spanische Notenbank. In Schwierigkeiten sei nur eine begrenzte Zahl von Banken, die sich die Aufsicht schon vorgenommen habe. Die Beratungsunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman ermittelten, dass die drei größten Geldhäuser des Landes keine Kapitalspritze bräuchten. Nach einem Basisszenario klafft bei anderen Instituten eine Lücke von 16 bis 25 Milliarden Euro. Unter größtem Stress im Finanzsektor bräuchten sie 51 bis 62 Milliarden Euro. Ende Juli sollen de Guindos zufolge alle Einzelheiten der Bankenrettung geklärt sein.

In Luxemburg berieten die Euro-Finanzminister unterdessen über Einzelheiten der Bankenhilfe für Spanien. Offen ist, ob das gesamte Hilfspaket über den provisorischen Rettungsschirm EFSF oder zum Teil unter dem Nachfolgefonds ESM abgewickelt wird. Dieser soll am 9. Juli an den Start gehen. Nach dem ESM würden die internationalen Geber im Fall einer Pleite Spaniens vor privaten Besitzern spanischer Staatsanleihen entschädigt. Die Aussicht darauf hatte die Risikoprämie auf spanische Bonds weiter nach oben geschraubt.

Das Kreditpaket wird den Schuldenstand Spaniens um zehn Prozentpunkte auf knapp 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Höhe treiben. Für den Staat wird die Finanzierung seiner Schulden immer teurer. Die Regierung in Madrid konnte sich am Donnerstag nur zu weit höheren Kosten als zuletzt mit frischem Geld eindecken. Für fünfjährige Anleihen verlangten die Anleger gut sechs Prozent Zinsen - so viel, wie seit 15 Jahren nicht mehr. Auf diesem Zinsniveau könne Spanien vielleicht noch einige Monate weitermachen, sagte Achilleas Georgolopoulos, Anleiheexperte von Lloyds in London. Der irische Finanzminister Michael Noonan sagte, die Euro-Zone müsse aus der schlechten Erfahrung Irlands lernen und die Bankenrekapitalisierung von den Staatsfinanzen trennen. Doch Forderungen Spaniens, den Euro-Rettungsfonds direkt die Banken finanzieren zu lassen, war am Widerstand Deutschlands gescheitert.

Teufelskreis muss durchbrochen werden

In den ersten vier Monaten des Jahres stockten die einheimischen Banken ihre Bestände an Staatsanleihen um etwa 70 Mrd. Euro auf, während das Engagement ausländischer Gläubiger um einen vergleichbaren Betrag sank. Für das Finanzministerium besteht nun die Gefahr, dass den spanischen Banken künftig die Feuerkraft fehlt.

“Es grenzt an Kannibalismus”, sagte Edward Thomas, Anleihechef bei Quantum Global Wealth Management im Schweizer Zug. “Vermutlich sind wir nicht mehr weit von dem Punkt entfernt, an dem sie ihr Limit erreichen.”

Im Anschluss an die Emission, mit der das Land am Donnerstag
2,22 Mrd. Euro einnahm, teilte das Wirtschaftsministerium mit, Madrid habe 61,4 Prozent des für dieses Jahr geplanten Anleihevolumens platziert. Unter der Annahme eines Haushaltsdefizits von 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts müssten somit noch rund 33 Mrd. Euro erlöst werden.

Es wird aber von den Banken des Landes abhängen, ob Spanien die 33 Mrd. Euro aufbringen kann, die es in den kommenden sechs Monaten benötigt, denn das Interesse ausländischer Investoren an spanischen Staatsanleihen ist denkbar gering.

“Die Banken stehen bei ihren Bilanzen enorm unter Druck, weil die Staatsschulden für sehr viel Unsicherheit sorgen”, sagte Orlando Green, Analyst festverzinsliche Anlagen bei Credit Agricole in London. Der Druck könnte sogar zunehmen, wenn die Mitarbeiter der Unternehmensberater Roland Berger und Oliver Wyman am späten Nachmittag die Ergebnisse des so genannten Bankenstresstests vorlegen. Regierungsangaben zufolge wird der Bericht die Feststellung des genauen Finanzbedarfs der Banken erleichtern, aus der sich Höhe der notwendigen Hilfszahlungen ergibt.

Spanien hatte mit dem Ruf nach einer direkten Hilfe der Euroländer für die spanischen Banken versucht, die Verbindung zwischen Staatsrisiko und Bankenrisiko zu trennen. Stattdessen wird die Hilfe der anderen Länder nur indirekt zur Verfügung stehen und damit das Defizit Spaniens vergrößern.

“Es ist von entscheidender Bedeutung, die Bindung zwischen Staat und Banken zu kappen”, sagte Blattner. “So lange es diese Verbindung gibt, bleibt immer das Risiko, dass dieser Teufelskreis den Zugang des Landes zum Finanzmarkt aufs Spiel setzt.”

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