Solarworld-Chef Frank Asbeck: "Ich bin 100 Prozent sicher, dass das klappt"

Solarworld-Chef Frank Asbeck: "Ich bin 100 Prozent sicher, dass das klappt"

Bei der Solarworld-Gläubigerversammlung an diesem Montag werde die nötige Teilnahme-und auch die Zustimmungsquote erreicht, sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck kurz vor der Sitzung dem WDR. "Ich bin 100 Prozent sicher, dass das klappt." Genauso erwarte er Zustimmung auch für die zweite Gläubigerversammlung am Dienstag und die abschließende außerordentliche Hauptversammlung am Mittwoch. Einem Insider zufolge haben die Gläubiger dem Sanierungskonzept bei der heutigen Sitzung bereits zugestimmt.

Das hoch verschuldete Unternehmen plant einen scharfen Schulden-und Kapitalschnitt. Die Investoren müssen auf 55 Prozent ihres Geldes verzichten. Sie erhalten dafür neue Aktien des Unternehmens mit allerdings ungewissen Aussichten. Am Montag waren Inhaber einer 150-Millionen-Euro-Anleihe des Unternehmens eingeladen.

Sanierungsplan hängt von den Gläubigern ab

Lehnen allerdings die Gläubiger nur eine Anleihe ab, wäre der Sanierungsplan vorerst gescheitert. Nötig ist eine Zustimmung von mindestens 75 Prozent, dabei müssen mindestens 25 Prozent des Kapitals bei der Sitzung vertreten sein. Die betroffenen Banken hatten dem Rettungsplan bereits zugestimmt.

Damit die Sanierung gelingt, müssten die Investoren aber auf sehr viel Geld verzichten. Erst vor kurzem hatte Solarworld für das erste Halbjahr nach vorläufigen Zahlen wieder massive Umsatzrückgänge und erneut rote Zahlen gemeldet.

Bei zwei früheren Anleihegläubigerversammlungen hatten die Teilnahmequoren mit 18 beziehungsweise 22 Prozent deutlich zu niedrig gelegen. "Bitte nehmen Sie an den Versammlungen teil und Ihre Interessen wahr", appellierte Asbeck zuletzt Mitte Juli in einem Brief an Solarworld-Gläubiger.

Zukunft bleibt schwierig

Die Zukunft von Solarworld bleibt laut Experten auf alle Fälle schwierig. In Deutschland werden die Vergütungssätze für Photovoltaik-Anlagen wegen des zwar abgeschwächten, aber immer noch starken Zubaus weiter verringert. Vom 1. August bis zum 31. Oktober 2013 sinken sie nach Angaben der Bundesnetzagentur jeweils zum Monatsersten um 1,8 Prozent. Erstmals werde die Vergütung im Oktober 2013 für große Photovoltaik-Dachanlagen von 1 bis 10 Megawatt und für Freiflächenanlagen bis 10 MW unter 10 Cent pro Kilowattstunden fallen.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sieht die Rettungsversuche allemal für lohnend an. "Das ist immer besser als eine Insolvenz, die für die Aktionäre meist Totalverlust heißt", sagte ein Sprecher.

Solarworld beschäftigt mit Produktionsstandorten in Freiberg/Sachsen und Hillsboro im US-Bundesstaat Oregon sowie der Zentrale in Bonn insgesamt rund 2.600 Menschen.

Gläubiger haben dem Sanierungskonzept zugestimmt

Indes hat Solarworld bereits eine erste wichtige Hürde genommen: Die Gläubiger der 150-Millionen-Euro-Anleihe nickten das Sanierungskonzept ab, wie der Konzern mitteilte. Knapp 36 Prozent des Anleihekapitals sei anwesend gewesen. Beinahe einstimmig - 99,96 Prozent - hätten die Gläubiger der Sanierung zugestimmt. Damit ist die Rettung des Bonner Konzerns aber noch nicht in trockenen Tüchern. Weitere Versammlungen in den kommenden Tagen entscheiden letztendlich über die Zukunft des einstigen Branchenprimus.

Am Dienstag treffen sich die Gläubiger der 400-Millionen-Euro-Anleihe, am Mittwoch muss Konzernchef und Firmengründer Frank Asbeck die Aktionäre von dem Sanierungskonzept überzeugen. Wenn auch nur ein Gremium seine Zustimmung verweigert, sind die Sanierungspläne geplatzt und die mit knapp einer Milliarde Euro verschuldete Solarworld muss den Weg zum Insolvenzgericht antreten.

Harte Einschnitte

Die Sanierungspläne sehen unter anderem einen Kapitalschnitt vor. Die Gläubiger tauschen 55 Prozent ihrer Forderungen in Aktien, den Altaktionären bleiben dann ganze fünf Prozent an Solarworld. Auch Solarworld-Gründer Asbeck, der derzeit mehr als ein Viertel der Anteile hält, käme nicht ungeschoren davon. Um seinen Anteil nach dem Schuldenschnitt wieder aufzustocken, will er in seine Privatschatulle greifen und rund zehn Millionen Euro in Solarworld stecken. Damit könnte er seinen wieder auf knapp 21 Prozent erhöhen. Der katarische Partner Qatar Solar will mit 35 Millionen Euro einsteigen und soll dafür 29 Prozent der Solarworld-Anteile erhalten. Zudem will er 50 Millionen Euro als Kredit zuschießen.

Lange galt Solarworld als Aushängeschild der deutschen Solarindustrie. Doch der durch die chinesische Konkurrenz entfachte Preiskampf zwang auch Solarworld in die Knie, nachdem Solarpioniere wie Solon, Q-Cells und zuletzt Conergy Insolvenz anmelden mussten. Erschwerend kommt inzwischen aber auch ein Nachfrageeinbruch in Deutschland hinzu, dem bislang weltweit größten Solarmarkt. Im ersten Halbjahr 2013 wurden insgesamt nur noch Module mit einer Gesamtleistung von rund 1800 Megawatt auf Dächer und Felder geschraubt - so viel wie allein im Juni 2012.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge