SoFFin verscherbelt Commerzbank-Aktien

SoFFin verscherbelt Commerzbank-Aktien

Knapp fünf Jahre nach dem Einstieg bei der Commerzbank hat der Staat mit dem Ausstieg aus dem Dax-Konzern begonnen.

Der Rettungsfonds SoFFin gab über Nacht wie angekündigt die Sperrminorität von 25 Prozent der Aktien auf, mit der wichtige Entscheidungen bei Deutschlands zweitgrößtem Geldinstitut blockiert werden konnten. Das teilte die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung am Mittwoch in Frankfurt mit. Mit der geplanten vollständigen Rückzahlung der direkten Staatshilfen Ende Mai sieht der Bankenrettungsfonds SoFFin nun keinen Bedarf mehr, die Commerzbank so eng zu kontrollieren.

Für Konzernchef Martin Blessing, der nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass er den Staat als größten Anteilseigner gerne wieder loswerden würde, ist das eine gute Nachricht. Doch für den SoFFin - und damit letztlich für den Steuerzahler - war die Platzierung von Aktien im Volumen von 625 Millionen Euro bei institutionellen Investoren ein riesiges Verlustgeschäft. Der SoFFin wurde die Papiere zum Stückpreis von 7 Euro los, gezahlt hatte der Fonds im Schnitt 34,70 Euro.

Um den angestrebten Verkaufserlös zu erzielen, musste der SoFFin mit rund 90 Millionen Aktien mehr Papiere als ursprünglich geplant verkaufen. Dadurch sackt der Staatsanteil vorübergehend auf 10 Prozent ab. Nach Abschluss der laufenden Kapitalerhöhung wird der SoFFin rund 17 Prozent der Commerzbank-Anteile halten.

Der Bankenrettungsfonds war nach der Lehman-Pleite Mitte September 2008 in zwei Schritten bei der Commerzbank eingestiegen. Diese hatte kurz zuvor mitten in der Finanzkrise die mit etlichen Altlasten behaftete Dresdner Bank vom Versicherer Allianz übernommen. Es flossen insgesamt 18,2 Milliarden Euro staatliche Hilfsgelder: 16,4 Milliarden Euro als Stille Einlage, der Rest in die Aktienbeteiligung. Die Sperrminorität sollte die Stille Einlage absichern.

Den Löwenanteil der Rettungsmilliarden hatte die Commerzbank mit einer Kapitalerhöhung vor zwei Jahren getilgt. Mit der jetzigen Kapitalerhöhung will die Bank bei Investoren 2,5 Milliarden Euro frisches Geld einsammeln. Damit soll die restliche direkte Staatshilfe (1,6 Milliarden Euro) und die Stille Einlage der Allianz (750 Millionen Euro) zurückgezahlt werden. Um Investoren anzulocken, bietet das Institut die neuen Papiere mit einem hohen Abschlag auf den Aktienkurs vom Dienstag an. Die Aktienzahl wird fast verdoppelt, was Anteile von Alteigentümern noch stärker als erwartet verwässert.

Der künftige Staatsanteil an der Commerzbank von 17 Prozent wird gemessen am aktuellen Kurs noch etwa 1,5 Milliarden Euro wert sein. Zum rechnerischen Einstiegskurs waren es rund 5 Milliarden Euro - der Staat hatte allerdings im Laufe der Jahre auch Zinsen und andere Zahlungen bekommen, sodass der Staat zuletzt noch rund 3,7 Milliarden Euro bei der Bank im Feuer hatte. Der Kurs der Commerzbank-Aktie müsste sich also mehr als verdoppeln, damit der Staat zumindest ohne Verluste aus seinem Engagement herauskommt.

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