Skandale belasten Großbank HSBC – trotzdem Mega-Gewinn

Skandale belasten Großbank HSBC – trotzdem Mega-Gewinn

Die vielen Sonderlasten drückten den Vorsteuergewinn unerwartet deutlich um sechs Prozent, wie Vorstandschef Stuart Gulliver am Montag erklärte. Das Geldhaus verdiente aber immer noch satte 20,6 Milliarden Dollar.

Europaweit fuhr HSBC damit den höchsten Gewinn aller Banken ein, weltweit zog nur der US-Rivale JP Morgan knapp vorbei. Doch die Probleme türmen sich: Das Geschäft in den USA und Großbritannien brachte zuletzt Verluste, die Wachstumsaussichten in Europa bleiben begrenzt. HSBC schaut deshalb mehr denn je nach Asien, dem zweiten Heimatmarkt.

Schon länger liebäugelt die Bank damit, endgültig vom Finanzplatz London nach Hongkong abzuwandern. Die Pläne könnten mit den gerade in der EU beschlossenen Bonus-Beschränkungen für Banker wieder aus der Schublade geholt werden. Gulliver hielt sich dazu allerdings bedeckt: "Wir prüfen die Auswirkungen der neuen Regeln noch." Das Europäische Parlament und die irische EU-Ratspräsidentschaft hatten in der vergangenen Woche durchgeboxt, dass ab nächstem Jahr die variable Vergütung der Banker das Fixgehalt grundsätzlich nicht mehr übersteigen darf. Nur mit Zustimmung der Aktionäre kann der Bonus zwei Mal so hoch sein. Gerade die Briten hatten sich dagegen bis zuletzt gewehrt, weil sie einen Schaden für ihren Finanzplatz befürchten und Metropolen wie Singapur, Hongkong und New York im Vorteil sehen. Die Beschlüsse müssen noch formell abgesegnet werden.

Weniger Geld für den Chef

HSBC-Chef Gulliver musste sich 2012 mit weniger Geld zufriedengeben: Er bekam insgesamt 7,4 (2011: 8,0) Millionen Pfund, davon ein Grundgehalt von 1,25 Millionen. Der gesamte Bonus-Pool der Bank sank auf 3,7 Milliarden Dollar von 4,2 Milliarden im Jahr zuvor, wie es im Geschäftsbericht hieß. Wie der heimische Rivale Barclays oder die Deutsche Bank hat sich auch HSBC einen Kulturwandel verschrieben. Windige Geschäfte, die einen großen finanziellen, aber auch einen erheblichen Reputationsschaden anrichten können, soll es nicht mehr geben, auch keine Fehlanreize für die Banker. Die Geldhäuser wollen so das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen. Aber der Weg ist lang. HSBC-Chairman Douglas Flint sprach von einem Weckruf für die Branche. "Wir sind entschlossen, unseren Teil dazu beizutragen, den Ruf wiederherzustellen." Gerade das Image von HSBC habe in den vergangenen Jahren arg gelitten.

Flint spielte damit vor allem auf den Geldwäsche-Skandal in den USA an, der HSBC im Dezember 1,9 Milliarden Dollar kostete. Ein Ausschuss des US-Senats war zu dem Ergebnis gekommen, dass HSBC Kunden über Jahre geholfen hatte, fragwürdige Gelder aus Ländern wie Mexiko, dem Iran, Saudi-Arabien oder Syrien zu transferieren. In Großbritannien zählt HSBC zudem zu jenen Banken, die Privatkunden jahrelang unnötige Restschuldversicherungen aufschwatzten - vielen Betroffenen muss das Institut nun Entschädigungen dafür zahlen.

Sparen ohne Ende – aber nicht bei den Aktionären

Die Skandale und eine Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten führten am Ende zum Rückgang des Gewinns, mit dem HSBC die Analystenerwartungen klar verfehlte. Nur bereinigt um Sonderlasten stand ein Plus beim Vorsteuerergebnis zu Buche. Nach den Worten von Gulliver brummten zwar die Geschäfte mit Firmenkunden und im Investmentbanking gerade in Asien, doch sie konnten die Probleme nicht wettmachen. In Deutschland, wo die Großbank mit der Düsseldorfer HSBC Trinkaus vertreten ist, schwächelt etwa seit Ausbruch der Schuldenkrise die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden. Die Trinkaus-Zahlen sollen am Mittwoch veröffentlicht werden.

Gulliver, der seit Anfang 2011 am Ruder ist, will bis Jahresende jährliche Kosteneinsparungen von 3,5 Milliarden Dollar schaffen. Mit dem Sparkurs ist er fast durch. In den vergangenen zwei Jahren verkaufte er bereits Dutzende Beteiligungen und Sparten, um HSBC zu verschlanken und die Kapitaldecke aufzupolstern. Im Moment ist die Bank in über 80 Ländern präsent und bedient 60 Millionen Kunden. 38.000 Stellen wurden bereits gestrichen. Weitere Einschnitte schloss Gulliver nicht aus. Auch damit steht HSBC nicht allein - die meisten Institute sparen derzeit, wo sie nur können. Weltweit wackeln Tausende Jobs.

Die Aktionäre verschont HSBC dagegen. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres soll die Ausschüttung bei 0,10 Dollar pro Aktie liegen, das sind elf Prozent mehr als bislang. Schon jetzt zählt die Großbank zu jenen britischen Konzernen, die am meisten ausschütten. An der Londoner Börse zog die Ankündigung allerdings nicht: Die HSBC-Aktie hielt sich hartnäckig im Minus und verlor bis zum frühen Nachmittag knapp drei Prozent.

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