"Sind vorbereitet, weitere Schritte einzuleiten"

"Sind vorbereitet, weitere Schritte einzuleiten"

Die anhaltende Malais am amerikanischen Arbeitsmarkt könnte schon bald Fed-Chef Ben Bernanke zum Handeln zwingen.

Der lahmende Arbeitsmarkt in den USA kommt nicht in Schwung. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Juni nur um 80.000, wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte. Damit erwies sich die Schätzung der von Reuters befragten Ökonomen ein weiteres Mal als zu optimistisch, die im Schnitt mit 90.000 gerechnet hatten. Der maue Stellenaufbau reichte nicht aus, um die für US-Verhältnisse hohe Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent zu drücken.

Die anhaltende Malaise auf dem Jobmarkt mindert auch wenige Monate vor den Wahlen im November die Chancen von Präsident Barack Obama. Der Demokrat betonte, dass man mit der Geschwindigkeit, mit der Arbeitsplätze geschafft würden, nicht zufrieden sein könne. "Wir müssen die Wirtschaft stärker ankurbeln und müssen noch mehr Menschen zurück in Arbeit bringen." Nicht nur auf Obama steigt der Druck, sondern auch auf die Notenbank Federal Reserve, der Wirtschaft und damit auch dem Arbeitsmarkt mit milliardenschweren Geldspritzen auf die Beine zu helfen.

Die Daten trübten die Stimmung an der Wall Street: Der Aktienmarkt in New York gab deutlich nach. "Die Zahlen zeigen, dass die US-Konjunktur nach wie vor nicht auf die Beine kommt", sagte ein Händler. "Substanziell bleibt ja jetzt eigentlich nichts anderes, als auf die Hilfe der Notenbank zu hoffen."

Nach einer Faustformel muss die Wirtschaft monatlich rund 125.000 Jobs schaffen, um die Arbeitslosenquote auch nur konstant zu halten. Im Juni entstanden im Privatsektor aber nur 84.000 neue Stellen, während der hoch verschuldete Staat den Rotstift kreisen ließ und per Saldo 4000 Arbeitsplätze strich.

Eurokrise und bevorstehende Sparrunde belasten

Diese Entwicklung dürfte früher oder später die Notenbank Fed auf den Plan rufen, die per Mandat zur Förderung der Vollbeschäftigung verpflichtet ist. Davon sind die USA jedoch meilenweit entfernt: Im zweiten Quartal wurden im Durchschnitt nur 75.000 Stellen pro Monat aufgebaut. Eine mögliche Ansteckung durch die Euro-Krise und für Anfang kommenden Jahres geplante Sparrunden der Regierung hängen wie ein Damoklesschwert über der US-Wirtschaft: "Die Firmen fragen sich in dieser Situation natürlich, ob sie gerade jetzt mehr Personal rekrutieren sollen", meint Ökonom Sam Bullard von Wells Fargo & Co.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt spielt eine wichtige Rolle im Präsidentschaftswahlkampf zwischen dem demokratischen Amtsinhaber Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Obwohl die Arbeitslosenquote nicht mehr zweistellig ist, liegt sie noch zwei Prozentpunkte über dem Schnitt der vergangenen 50 Jahre. Romney wirft Obama vor, zu wenig zu tun, um das Millionenheer arbeitsloser Amerikaner wieder in Lohn und Brot zu bringen.

Angesichts erheblicher Abwärtsrisiken und fehlender Dynamik in der Wirtschaft blickt auch der Internationale Währungsfonds mit wachsender Skepsis auf die weltgrößte Volkswirtschaft. Im laufenden Jahr rechnet er nur noch mit einem Wachstum der Wirtschaftsleistung von 2,0 Prozent. Dies ist jedoch viel zu wenig, um am Arbeitsmarkt eine Wende zum Besseren einzuleiten.

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die US-Notenbank ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen neu auflegen wird, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Fed-Chef Ben Bernanke hatte die Tür dafür nach der jüngsten Zinssitzung im Juni offengelassen: "Falls wir keine andauernde Verbesserung am Arbeitsmarkt sehen, sind wir bei Bedarf darauf vorbereitet, weitere Schritte einzuleiten", betonte Bernanke.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge