Siemens-Investoren werden langsam ungeduldig

Siemens-Investoren werden langsam ungeduldig

Seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Monaten musste sich Konzernchef Joe Kaeser ein ums andere Mal mit Problemen aus der Vergangenheit auseinandersetzen. Er löste den Österreicher Peter Löscher an der Spitze des Konzerns ab. Nach ordentlich Vorschusslorbeeren von der Börse zum Start wächst der Erwartungsdruck auf den Siemens-Lenker.

Wird er das Unternehmen wieder so flott machen, dass es in puncto Rendite zu den Wettbewerbern aufschließen kann? Und welche Zukunftsvision hat Kaeser für den Weltkonzern mit seinen fast 370.000 Beschäftigten?

Zuletzt bekam Kaeser allerdings wenig Gelegenheit, sich mit solch übergreifenden Fragen zu beschäftigen. Nach dem heftigen Beben um die Ablösung von Kaesers Vorgänger Peter Löscher gingen die Querelen bei Deutschlands größtem Elektrokonzern in den vergangenen Wochen fast nahtlos weiter, und wieder einmal schien der Konzern vor allem mit sich selbst beschäftigt: Los ging es mit dem überraschenden Abgang von Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer, die mit den Arbeitnehmervertretern tief im Clinch gelegen sein soll.

Dann kam der Wirbel um den eigentlich zu großen Teilen längst eingetüteten Abbau von weltweit 15.000 Jobs, der nach monatelangen Spekulationen überraschend an einem Sonntagmittag verkündet wurde. Und schließlich die Gehaltsaffäre um Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler, die Ende vergangener Woche dann die Freistellung des Deutschland-Personalchefs Walter Huber nach sich zog. Viele Wellen statt ruhigeres Fahrwasser bei Siemens also. Obwohl Kaeser doch zuerst einmal für Ruhe im Unternehmen sorgen wollte.

Bei Investoren sorgt das mittlerweile für Stirnrunzeln. Sie pochen auf rasches Handeln. Kaeser solle den Konzern, der in den vergangenen Quartalen immer wieder hohe Belastungen durch hausgemachte Projektpannen verkraften musste und auch die nachlassende Wachstumsdynamik in Schwellenländern zu spüren bekam, wieder richtig nach vorne bringen.

Vor allem bei der Profitabilität hinkte Siemens zuletzt hinterher, wie Christoph Niesel von Union Investment im "Handelsblatt" (Montag) kritisiert. Kaeser müsse die Mitarbeiter deshalb "dringender denn je" von der Notwendigkeit eines "durchgreifenden und nachhaltig profitablen Konzernumbaus überzeugen und verkrustete Strukturen aufbrechen". Auch Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS sieht Handlungsbedarf: "Beginnend bei der Struktur, der fehlenden Profitabilität in Teilbereichen und immer neuen Einmalabschreibungen bis zur fehlenden Vision, für was Siemens stehen möchte."

Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz dagegen plädiert dafür, Kaeser mehr Zeit zu geben, um die richtigen Dinge auf den Weg zu bringen. "Zweieinhalb Monate sind nichts. Dass die Ergebnisqualität erheblich verbessert werden muss, ist nichts Neues, aber das ist es ja, woran er arbeitet", sagt Bergdolt mit Verweis auf das milliardenschwere Sparprogramm "Siemens 2014".

Auch Gunther Friedl, Experte für Unternehmenssteuerung an der Technischen Universität München, kann nachvollziehen, dass Kaeser so kurz nach seinem Amtsantritt noch keine komplett neue Strategie für den Konzern parat hat. Zwar müsse sich der frühere Siemens-Finanzchef und langjährige Siemensianer Kaeser sicher nicht erst lange einarbeiten, doch brauche eine komplette Neuausrichtung eines Konzerns dieser Größe Zeit, sagt der Professor für Betriebswirtschaftslehre.

Hinzu komme: Die kontroverse Ablösung Löschers habe Gräben bei Siemens aufgerissen. "Es ist eine Mammut-Aufgabe für Kaeser, diese Gräben zu schließen. Das Machtgefüge im Gesamtkonzern muss sich neu austarieren", sagt Friedl. Wie gut sich Kaeser dabei schlägt, dürfte sich auch an diesem Donnerstag zeigen: Dann wird er erstmals in seiner neuen Rolle als Vorstandschef von Siemens bei der Führungskräftetagung in Berlin zu rund 600 Topmanagern des Konzerns sprechen.

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