"Sie sind in der staatlichen europäischen Schuldenkrise gefangen"

"Sie sind in der staatlichen europäischen Schuldenkrise gefangen"

Frankreichs Banken haben ihre Bestände an Staatsanleihen aus Staaten der Euro-Peripherie um mehr als 35 Prozent seit Beginn der Euro-Schuldenkrise reduziert. Gleichwohl kämpfen sie weiter damit, ihr Image als Stellvertreter für die Turbulenzen an der Peripherie abzuschütteln.

BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole sind allesamt im letzten Jahr von Abschreibungen auf Griechenanleihen getroffen worden. Sie haben einige ihrer größten Risikopositionen reduziert und stabilere Finanzierungsquellen gesucht. Das hat die Ratingagentur Moody’s aber nicht davon abgehalten, auf die “Verletzbarkeit” von Frankreichs Banken zu verweisen. Die Ratingagentur verwies auf diesen Aspekt als einen der Gründe, warum sie Frankreich die Bonitätsbestnote entzogen habe.

“Sie sind in der staatlichen europäischen Schuldenkrise gefangen, das wird nicht weichen”, sagte Julian Chillingworth, Fondsmanager bei Rathbone Brothers in London. “Französische Banken sind immer noch Stellvertreter für Europas Turbulenzen.”

Französische Banken haben ihre Bestände an Papieren öffentlicher und privater Schuldner aus Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien auf 540 Mrd. Dollar (416 Mrd. Euro) im Juni reduziert, von 833 Mrd. Dollar Mitte 2009. Das belegen Zahlen der Internationalen Bank für Zahlungsausgleich.

Zwar sagte Moody’s am 19. November, dass Frankreichs Banken über gutes Potenzial zum Auffangen von Verlusten verfügten. “Aber Frankreichs Banken bleiben weiter anfällig für eine weitere Zuspitzung der Krise” hieß es weiter.

Schmerzlicher Schrumpfungsprozess muss weiter gehen

Ähnlich sehen Analysten von Morgan Stanley im Team von Huw van Steenis in London die Lage. Zwar sei “bei europäischen Banken die schlimmste und schädlichste Phase” wohl vorüber, aber ein “umfassender, komplizierter Abbau von Risiken über Jahre hinweg” stünde weiter auf der Tagesordnung, schrieben sie am 20. November.

Der Schrumpfungsprozess französischer Banken könnte akzentuierter ausfallen, da die Häuser zuvor mit Zukäufen zu den aktivsten Marktteilnehmern zählten. Seit Einführung der Gemeinschaftswährung übernahmen sie andere Gesellschaften im Wert von 68 Mrd. Dollar, zeigen Daten von Bloomberg. Größter Käufer war BNP Paribas, die unter anderem Akquisitionen in Belgien und in Italien tätigte.

Zusätzlich zur jüngst vollzogenen Reduzierung risikogewichteter Aktiva stockten die Banken ihre Einlagen auf und bauten ihre Kreditbücher ab. BNP Paribas, Société Générale und Credit Agricole steigerten die Einlagen in den neun Monaten bis Ende September um 0,8 Prozent auf 1,57 Billionen Euro. Die Gesamtsumme der Ausleihungen sank um drei Prozent. Bestände an Firmenkrediten im Ausland gaben die Bank ab während die Kreditvergabe an Privatkunden im Inland stabil war.

Wie andere Banken in der Eurozone profitierten die französischen Institute von den Dreijahreskrediten der EZB in Höhe von einer Billion Euro sowie der Entscheidung von EZB- Präsident Mario Draghi im September, unter bestimmten Voraussetzungen Staatsanleihen von Ländern der Eurozone zu kaufen, deren Renditen zuvor in die Höhe geschnellt waren.

Das Schicksal der französischen Banken ist untrennbar mit der Lage von Staat und Wirtschaft verbunden. Frankreichs Wirtschaft ist in den letzten 12 Monaten kaum gewachsen. Moody’s bezeichnete die Pläne von Frankreichs Präsidenten Francois Hollande zur Belebung der Wirtschaft als unzureichend.

“Solange die Finanzierungssituation der Banken von ihrem Staat abhängt und umgekehrt die Staaten sich über Banken refinanzieren, besteht eine wirtschaftliche Verzahnung”, sagte Emmanuel Dooseman, Partner bei der unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars in Paris.

Neues Ungemach sehen die französischen Banken in den verschärften Anforderungen bei Aufsicht und Kapitalausstattung. In Frankreich dürften die Liquiditätsvorschriften gemäß Basel III der “stärkste Einzelfaktor für die Reduktion bei Bankkrediten” darstellen. Das geht aus einem Bericht des Institut Montaigne hervor, der von Michel Pebereau, dem Ehrenvorsitzenden von BNP Paribas, herausgegeben wurde. “Die Schwächung des Finanzsystems, die bestehenden periodischen Spannungen an den Interbankenmärkten bedrohen von jetzt an die Finanzierung der Wirtschaft und schaffen das Risiko einer Kreditklemme in Europa”, warnte der im November vorgelegte Bericht weiter.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge