Showdown bei Schmolz + Bickenbach

Showdown bei Schmolz + Bickenbach

Auf der Generalversammlung werden die Aktionäre entscheiden, ob sie den seit Ende Dezember 2011 amtierenden Verwaltungsrats-Präsidenten Hans-Peter Zehnder in die Wüste schicken und dem Großaktionär Schmolz + Bickenbach GmbH & Co KG (S+B KG) mehr Einfluss einräumen.

Über die KG halten die Düsseldorfer Erben der Gründerfamilien gut 40 Prozent an dem deutsch-schweizerischen Unternehmen. Sie haben den russischen Investor Viktor Vekselberg als Kapitalgeber ins Boot geholt.

Der S+B-Konzern mit etwa 10.000 Arbeitsplätzen und einem Jahresumsatz von 3,6 Milliarden Euro ging 2006 aus dem Schweizer Stahlkonglomerat Swiss Steel und der rheinischen Schmolz+Bickenbach hervor. Die dann folgende Expansion brachte nicht die erhofften Erfolge. Der Konzern stöhnt unter einer Schuldenlast von fast einer Milliarde Euro und schreibt rote Zahlen. Die S+B-Aktie ist abgestürzt: An der Schweizer Börse kostet sie nur noch drei Franken - Ende 2007 waren es noch 54 Franken.

Die Erbenfamilie, die von 2006 bis 2011 mit Michael Storm den Verwaltungsrats-Präsidenten stellte, hat drei eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat nominiert. Geht das Konzept der KG auf, dürfte der neue starke Mann im Verwaltungsrat Oliver Thum heißen. Thum ist Geschäftsführer der KG und Partner der niederländischen Private-Equity-Gesellschaft H2 Equity Partners. Den drei Neuen von der KG würden dann vier bisherige Verwaltungsräte gegenüberstehen, wobei Manfred Breuer, der die Hausbank Commerzbank vertritt, zum Zünglein an der Waage werden könnte. Storm war 2011 kurz vor Weihnachten unter dem Druck seiner Verwaltungsratskollegen zurückgetreten und durch den damaligen Vizepräsidenten Zehnder ersetzt worden.

Um die Schulden abzubauen braucht der Konzern frisches Kapital - darin sind sich Verwaltungsrat und Erbenfamilie im Grundsatz einig. Die KG schlägt eine Kapitalerhöhung um 436 Millionen Franken (350 Millionen Euro) vor. Der Verwaltungsrat hält 330 Millionen Franken für ausreichend. Den Aktionären kann das nicht einerlei sein, je größer die Kapitalerhöhung, umso stärker fällt die Verwässerung für die Altaktionäre aus. Auf der anderen Seite verfügt der Konzern dann über mehr Mittel.

Aktien, die die Erbenfamilien oder andere Altaktionäre nicht erwerben wollen oder können, will die Vekselberg-Beteiligungsfirma Renova übernehmen. Kritiker wittern dahinter den Versuch des zwölf Milliarden Dollar schweren Oligarchen, durch die Hintertür günstig bei S+B einzusteigen. Andere unterstellen den Erbenfamilien, nur mit Hilfe von Renova könne sie ihre dominierende Stellung angesichts der unausweichlich gewordenen Kapitalerhöhung verteidigen. Renova hält bereits größere Minderheitspakete an den Schweizer Maschinen- und Anlagebauern Sulzer und Oerlikon.

Streit um Stimmrechte

Trotz ihres 40 Prozent-Paketes können die Düsseldorfer nicht sicher sein, dass sie als Gewinner aus der Generalversammlung herausgehen. Die Hälfte ihres Pakets ist durch einen Aktionärsbindungsvertrag mit dem Schweizer Investor Gerold Büttiker gebunden. Büttiker, der selbst rund sechs Prozent an S+B hält, ließ der KG diese Woche gerichtlich verbieten, mit diesen 20 Prozent auf der Generalversammlung abzustimmen. Laut dem Zürcher Handelsgericht muss das Paket so behandelt werden als wäre es nicht vorhanden.

Beide Lager versuchen, die freien Aktionäre für sich zu mobilisieren, die auf rund 53,5 Prozent kommen. Die KG verschickte einen Brief, in dem sie die Vorteile einer Renova-Beteiligung hervorhob und für die größere der beiden Kapitalerhöhungen warb. Dagegen schlugen sich ehemalige Mitarbeiter von S+B auf die Seite des Verwaltungsrats und forderten die rund 9000 freien Aktionäre auf, die Pläne der KG zu vereiteln. Auch der Verwaltungsrat holte sich mit dem Schweizer Industriellen Michael Piper einen potenziellen Kapitalgeber an Bord. Pieper, der über seine Artemis Holding agiert, signalisierte "je nach Ausgang der Generalversammlung" Interesse an einer substanziellen Minderheitsbeteiligung an S+B.

Angesichts der verworrenen Gemengelage ist der Ausgang der Generalversammlung in Emmenbrücke bei Luzern schwer abzuschätzen. Die Aktionäre werden sich so oder so in Geduld üben müssen. Auf eine schnelle Erholung der schwer gebeutelten Aktie können sie kaum hoffen. Die Fundamentaldaten des europäischen Stahlmarkts blieben schwierig, sagte Vontobel-Analyst Patrick Rafaisz, der die Aktie mit "Halten" einstuft. "Wir sehen daher von einer optimistischeren Einschätzung der Aktie ab", erklärte er.

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