Sensations-Deal: Amazon-Chef Jeff Bezos kauft die "Washington Post"

Sensations-Deal: Amazon-Chef Jeff Bezos kauft die "Washington Post"

Amazon-Gründer Jeff Bezos wird zum Zeitungsbaron: Der milliardenschwere Internet-Pionier kauft sich völlig überraschend als Privatmann für 250 Millionen Dollar die seit Jahren schrumpfende "Washington Post".

Der als Technologie-Visionär geltende Bezos nannte die Übernahme ein "persönliches Unterfangen" und versprach den Angestellten und Lesern des 135 Jahre alten Blattes neben Innovationen den Erhalt der journalistischen Tradition. Er begründete den Schritt vor allem mit patriotischen Motiven.

Die Zeitungsbranche steht weltweit Kopf, weil Leser und Werbekunden in Scharen ins Internet abwandern - erst am Wochenende gab deshalb die berühmte "New York Times" bekannt, den "Boston Globe" an den Besitzer eines Baseball-Teams zu verkaufen. Die "Post" befindet sich seit 80 Jahren im Besitz der Familie Graham und ist eine der einflussreichsten Zeitungen in den USA. In den 1970er Jahren enthüllte sie unter der Herausgeberin Katherine Graham den Watergate-Skandal, der zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon 1974 führte.

Starinvestor Buffett empfahl Bezos

Der Chef des Washington-Post-Konzerns, Donald Graham, entschloss sich nach eigenen Worten Anfang des Jahres zu einem Verkauf, um der Zeitung die Chance zu einem Neustart zu geben. Daraufhin habe die Investmentbank Allen & Co rund ein Dutzend mögliche Interessenten angesprochen - darunter Bezos, der zunächst nicht als wahrscheinlichen Käufer galt. "Ich nannte einen Preis und Jeff war einverstanden." Dabei hatte Bezos einen prominenten Fürsprecher in Investment-Legende Warren Buffett, ein langjähriger Freund von Graham: Dieser habe Bezos den "besten CEO der Vereinigten Staaten" genannt. "Ich fragte Bezos, warum er es tun wollte, und er nannte die besten Gründe: Er glaubt an das, was Zeitungen tun und was die 'Post' tut und dass es wichtig für das ganze Land ist."

Der Amazon-Chef überbrachte diese Botschaft in einem Brief auch direkt an die Angestellten: "Ich verstehe, welch kritische Rolle die 'Post' in Washington und im gesamten Land spielt und deshalb werden sich deren Werte auch nicht verändern." Natürlich werde es in den kommenden Jahren Neuerungen geben, aber die wären auch ohne Eigentümerwechsel auf die Zeitung zugekommen. "Wir werden erfinden müssen, und das bedeutet, dass wir experimentieren müssen", erläuterte Bezos.

Der 49-Jährige will sich aus dem Tagesgeschäft heraushalten und sich weiter in Seattle um Amazon kümmern. Auch das Management soll nicht ausgetauscht werden. Mit Amazon hat Bezos zunächst den Buchmarkt auf den Kopf gestellt. Mittlerweile ist das Unternehmen zum Inbegriff für den elektronischen Handel geworden. Allerdings steht der Online-Versandhändler in mehreren Ländern in der Kritik, weil mit Tricks trotz hoher Umsätze kaum Steuern gezahlt werden. Auch für die Arbeitsbedingungen muss sich der Konzern immer wieder rechtfertigen.

Zeitungslandschaft befindet sich weltweit im Umbruch

Bezos ist laut "Forbes" mit einem Vermögen von gut 25 Milliarden Dollar in der Rangliste der reichsten Menschen der Welt die Nummer 19. Er erwirbt neben der "Washington Post" weitere Zeitungen des Unternehmens, etwa die ebenfalls im Großraum Washington beheimatete "Fairfax County Times" oder die spanischsprachige "El Tiempo Latino". Bezos hatte in diesem Jahr bereits einen kleineren Betrag in die Nachrichten-Webseite Business Insider investiert - sein erster Ausflug in die Medienlandschaft.

Die "Post" hat wie viele Zeitungen in der ganzen Welt mit sinkenden Leserzahlen und der Abwanderung von Werbekunden ins Internet zu kämpfen. Auch in Deutschland ist die Branche im Umbruch: So verkauft Axel Springer gerade die "Berliner Morgenpost" und das "Hamburger Abendblatt" an die Funke Mediengruppe aus Essen, um sich stärker auf Digital-Inhalte zu konzentrieren.

Amazon steigt auch in den Kunsthandel ein

Amazon steigt zudem nun auch in den Kunsthandel ein. Der Konzern kündigte am Dienstag an, dass künftig auf der Plattform www.amazon.com/art Galerien und Händler ihre Kunstwerke zum Verkauf anbieten können. Der Preis der bereits mehr als 40.000 Kunstwerke im Angebot reicht von zehn Dollar (gut 7,50 Euro) bis zu mehreren Millionen Dollar. Unter der Handvoll weltweit bekannter Werke finden sich etwa das Ölgemälde "Fragments de Nymphéas" des französischen Impressionisten Claude Monet, das für 2,5 Millionen Dollar angeboten wird.

Außerdem sind im Angebot ein Werk des US-Popartkünstlers Andy Warhol für 1,45 Millionen Dollar und ein Gemälde des US-Malers Norman Rockwell, das mit 4,85 Millionen Dollar das bisher teuerste Werk der Kollektion ist. Wie auch bei anderen Waren aus dem Angebot von Amazon reicht ein Klick, um das Gemälde dem Einkaufswagen hinzuzufügen. Eigenen Angaben nach kooperiert Amazon bisher mit mehr als 150 Galerien und Kunsthändlern in den USA, Kanada, Großbritannien und den Niederlanden.

"Amazon Art gibt den Galerien die Möglichkeit, ihre Leidenschaft und ihre Expertise für die Künstler, die sie vertreten, unseren Millionen Kunden zur Verfügung zu stellen", erklärte Amazons Vizechef Peter Faricy. Ursprünglich als Internetbuchhändler gestartet, war Amazon in den vergangenen Jahren in viele weitere Bereiche von Elektronik über Kleidung bis zu Lebensmitteln expandiert.

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