Schweizer Franken: Börse weitet Verluste aus

Schweizer Franken: Börse weitet Verluste aus

Nach der Abkehr vom Euro-Mindestkurs durch die Schweizer Nationalbank (SNB) ist die Börse in Zürich auf Talfahrt: Der Börsenindex SMI hat am Tag 2 nach der Freigabe des Euro-Mindestkurses zum Börsenauftakt erneut massiv verloren. Frankenkreditnehmer vor allem in Österreich sollten dennoch keine voreiligen Entscheidungen treffen.

Zürich. Der Schock über die Abschaffung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Notenbank hält auch am letzten Handelstag der Woche an: Der Schweizer Blue-Chip-Index SMI ist auch am Freitag bis 11.15 Uhr um weitere 5,7 Prozent auf 7914 Punkte gesunken. Vorübergehend 14 Prozent betrug der Verlust des SMI am Vortag. Mit 8,7 Prozent Minus wurde am Börsenschluss abgerechnet.

Der Franken nähert sich der Parität: 1 Euro entspricht 1,02 Franken, was einem Plus von 1,97 Prozent gegenüber dem Vortrag entspricht - zur Eröffnung wurden noch 98,92 Rappen notiert. Vor vier Wochen bekam am für 1 Euro noch 1,20 Franken.

Bis zum Donnerstag hatte in Zürich die Devise gegolten, keinen Eurokurs unter 1,20 Franken zu tolerieren. Faktisch hieß das: Ein Franken durfte höchstens 0,833 Euro kosten. Hintergrund war der Höhenflug des Franken in den vergangenen Jahren.

Ausgehend von einem Kurs von etwa 0,60 Euro Ende 2007 war die Schweizer Währung immer teurer geworden und kostete im Sommer 2011 fast einen Euro. Damit wurden auch Schweizer Produkte für ausländische Kunden immer teurer - zum Leidwesen der Schweizer Wirtschaft, die in hohem Maße von Exporten abhängig ist.

Wegen der Aufwertung des Frankens dürften sich laut Experten die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft merklich eintrüben. "Für einmal dürften die US-Konjunkturzahlen oder die Bilanz der US-Großbank Goldman Sachs den Handel weniger beeinflussen als üblich", sagte ein Händler. "Wir handeln momentan nach anderen Faktoren." Die Richtung werde derzeit vor allem von der Entwicklung an den Devisenmärkten bestimmt.

Für zusätzlichen Abgabedruck dürfte Händlern zufolge der Verfall der Optionen an der Terminbörse Eurex sorgen. Viele Titel notierten weit unter den von den Marktteilnehmern erwarteten Ausübungskursen.

Aufhebung des Schutzschildes

Die überraschende Aufgabe der Koppelung des Schweizer Franken an den Euro hat für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft massive Folgen. Sie hatte mit dem Mindestkurs einen Schutzschirm für die Schweizer Wirtschaft garantiert. Die Schweizer leiden unter einem hohen Franken-Kurs, weil Schweizer Produkte damit im Ausland teurer werden.

Vermögensverwalter, Banken und Luxusgüterhersteller haben am meisten unter dem unter dem starken Anstieg des Frankens zu leiden. Kräftig verloren auch die Aktien der Schwergewichte aus der Pharmabranche Novartis und Roche (-5,89 Prozent und 6,51 Prozent) sowie die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestlé (minus 5,1 Prozent). Den größten Abschlag verbuchten die Aktien der Privatbank Julius Bär mit minus 8,3 Prozent. Die Anteile der Großbank Credit Suisse fielen um 7,7 Prozent und die der UBS notieren mit minus 7,7 Prozent

Die SNB wird wie in den vergangenen Monaten weiterhin aktiv sein, um mit dem Verkauf der eigenen Währung deren Kurs zu drücken. Die Schweizer Notenbanker hatten dies in ihrer Entscheidung am Donnerstag auch angekündigt.

=> Die Freigabe des Schweizer Franken: Gewinner und Verlierer

Für die 150.000 Österreicher, die Fremdwährungskrediten zu bedienen haben, hat die Freigabe des Euro-Mindestkurses sozusagen über Nacht den Kredit um rund 30 Prozent verteuert. Ihre Schulden stiegen binnen weniger Minuten um insgesamt 4,5 Milliarden Euro. Laut Oesterreichische Nationalbank (OeNB) beläuft sich dabei das gesamte Kreditvolumen aller Privatpersonen in Schweizer Franken auf 29,5 Milliarden Euro (Stand November).

Aufgrund der Risiken wurden von der heimischen Finanzmarktaufsicht (FMA) im Jahr 2008 ein Verbot für eine Neuvergabe von Fremdwährungskrediten an Privatpersonen verhängt. 120.000 Fremdwährungskredite wurden seither in Euro umgewandelt.

"Keine voreiligen Schritte"

Das österreichische Sozialministerium rät betroffenen Privatpersonen ihren Kreditvertrag genau anzusehen. Angesichts der Verteuerung der Frankenkredite aufgrund der Kursentwicklung sollten dennoch keine "voreiligen Schritte" gesetzt werden. Betroffene sollten ihren Kreditvertrag genau prüfen und sich auch den Rat einer Konsumentenschutzeinrichtung einholen, rät das Ministerium in einer Aussendung.

So kann im Einzelfall nachgeprüft werden, ob etwa Klauseln Konvertierungen oder die Leistung zusätzlicher Sicherheiten zur Folge haben. Auch mit den Banken sollten sich die Kreditnehmer beraten, um gegebenenfalls eine Vereinbarung zu treffen. Sollten keine Einigung zustande kommen, soll auch die Schlichtungsstelle konsultiert werden. Angaben dazu sind unter der Internetseite www.verbraucherschlichtung.at zu erhalten.

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