Schuldenkrise entzaubert die Deutsche Bank

Schuldenkrise entzaubert die Deutsche Bank

Der traditionelle Gewinnmotor der Deutschen Bank stottert. Weil die Schuldenkrise die Investoren rund um den Globus verunsichert, brach der Vorsteuergewinn im Investmentbanking im zweiten Quartal um über 60 Prozent auf 357 Millionen Euro ein.

Ausgerechnet der neue Vorstandschef Anshu Jain, der die Sparte jahrelang selbst leitete, musste am Dienstag einräumen, dass das Privatkundengeschäft zuletzt mehr abwarf als das einst so lukrative Kapitalmarktgeschäft. Eine schnelle Erholung erwartet er nicht. "Die Europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg", erklärte Jain zusammen mit seinem Co-Chef Jürgen Fitschen.

Dass die Quartalszahlen enttäuschend ausfallen würden, hatte die Deutsche Bank schon vor einer Woche eingeräumt. Der Konzerngewinn vor Steuern halbierte sich beinahe auf 960 Millionen Euro, netto blieben nur noch rund 660 Millionen Euro übrig. Börsianer zeigten sich zunächst gelassen: Die Aktie notierte vorbörslich sogar leicht im Plus.

Auch andere Großbanken tun sich derzeit schwer, im Investmentbanking Geld zu verdienen. Die Schweizer Rivalin UBS häufte in der Sparte im Quartal sogar einen Verlust von 130 Millionen Franken an. Vor allem in der Beratung bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen herrscht seit Monaten Flaute. Viele Institute leiten daher neue Sparrunden ein. Die Deutsche Bank gab zunächst aber keinen weiteren Stellenabbau im Investmentbanking bekannt. In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, in dem Bereich stünden rund 1000 der zuletzt noch gut 10.000 Stellen auf der Kippe. Der Druck steigt, denn die Kosten stiegen wegen Währungseffekten zuletzt deutlich. Die Boni gingen zwar zurück, die Erträge allerdings noch deutlicher.

Fonds laufen davon

Im Geschäft mit Privatkunden schrumpfte der Vorsteuergewinn im zweiten Quartal zwar ebenfalls, und zwar um 13 Prozent auf 398 Millionen Euro. Dennoch erweist sich das klassische Bankgeschäft damit als recht stabiles Standbein in Krisenzeiten - genau mit diesem Ziel hatte es Jains Vorgänger Josef Ackermann jahrelang aufgebaut. Eine große Baustelle bleibt dagegen die Vermögensverwaltung, wo das Ergebnis um 85 Prozent auf nur noch 35 Millionen Euro zusammenschmolz. Die Hängepartie um den - letztlich gescheiterten - Verkauf großer Geschäftsteile führte zu enormen Abflüssen von Kundengeldern, wie die Bank selbst einräumte.

Das neue Führungsduo, das derzeit an der künftigen Konzernstrategie bastelt, steht damit vor gewaltigen Aufgaben. Denn während die Erträge wegbrechen, erwarten die Regulierer eine immer dickere Kapitaldecke. Jain und Fitschen wollen sich am Nachmittag um 14 Uhr MESZ erstmals den Fragen der Analysten stellen. Dann dürfte auch der weltweite Skandal um Zins-Manipulationen eine Rolle spielen. Die Deutsche Bank zählt zu den Instituten, die die Aufseher derzeit näher unter die Lupe nehmen.

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