Schmolz+Bickenbach – ein Debakel bei Aktie und Bond

Der Kurs des Stahlkochers, der in der Vorwoche zeitweise 30 Prozent zugelegt hatte, büsste am Montag in einem etwas höheren Markt neun Prozent auf 2,89 Franken ein.

Schmolz+Bickenbach – ein Debakel bei Aktie und Bond

Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder hatte gegenüber der "SonntagsZeitung" erklärt, er wisse nichts von Übernahmeversuchen. "Dem Verwaltungsrat der Schmolz + Bickenbach liegen keine Informationen über bevorstehende Übernahmeversuche durch Finanzinvestoren vor", sagte Zehnder auf Anfrage der Zeitung. Auch beim Hauptaktionär, den Gründerfamilien, die 43,2 Prozent an der Firma halten, erwarte er keine Veränderungen.

Das "Handelsblatt" hatte am Mittwoch mit Berufung auf Branchenkreise geschrieben, eine Reihe von Private-Equity-Gesellschaften - darunter die auf Sanierungsfälle spezialisierten Apollo und Triton - prüften eine Übernahme des Düsseldorfer Unternehmens.

In den ersten neun Monaten 2012 fuhr Schmolz + Bickenbach einen Verlust von 24 Millionen Euro ein. Die Firma hat 821 Millionen Euro Schulden und kann möglicherweise bald die Bedingungen für seine Kredite nicht mehr erfüllen, wie Reuters aus Finanzkreisen erfahren hatte.

Hochschaubahn Schmolz-Anleihe

Wie immer sind das besonders schlechte Nachrichten für die Bond-Gläubiger. Schmolz+Bickenbach hatte erst im Mai 2012 eine Anleihe begeben, und dabei vom Corporate Bond-Hype profitiert. Weil die Zinsen auf die als sicher wahrgenommenen Staatsanleihen horrend niedrig sind und waren, strömten die Anleger auf Suche nach mehr Rendite massenweise Richtung Unternehmensanleihen – Mittelstandsanleihen inklusive, die wie die sprichwörtlichen "Schwammerl" aus dem Boden schossen. Plötzlich fühlten sich sämtliche Mittelständler dazu berufen, einen Bond zu begeben, was schon per se nie gute Vorzeichen für einen Markt sind. Zugegeben, bei einem Kupon von 9,875 Prozent, so wie ihn Schmolz zahlt, kommt wohl auch der konservativste Anleger in Versuchung. Tja... no risk, no fun.

Schmolz+Bickenbach holte sich mit der Emission (ISIN: DE000A1G4PS9) jedenfalls knapp 300 Millionen Euro. Begeben wurde die Anleihe bei einem Kurs von etwa 97 Prozent, für Anleger startete in der Folge ein einziges Debakel . Sozusagen mehr risk, als fun, ganz dem hohen Kupon angemessen. Das Papier brach 2012 kontinuierlich bis auf etwa 76 Prozent Ende November ein. Erst im Dezember begann sich der Bond zu erholen, zuletzt schoss der Kurs genau wie das gehandelte Volumen Hand in Hand mit den Übernahmegerüchten regelrecht in die Höhe. Ob sich der Kurs oben halten wird können, darf angesichts des Übernahme-Dementi allerdings bezweifelt werden.

Wer aussteigen will, sollte es also sofort tun...