Schmolz + Bickenbach-Aktionäre winken Kapitalerhöhung durch

Schmolz + Bickenbach-Aktionäre winken Kapitalerhöhung durch

Die Erben der deutschen Gründerfamilien, die in der Düsseldorfer Schmolz + Bickenbach KG (S+B KG) zusammengeschlossen sind, konnten am Freitag lediglich zwei ihrer vier Kandidaten für den Verwaltungsrat durchbringen.

Auch mit dem Plan, das Kapital um rund 430 Millionen Franken zu erhöhen, fanden sie bei ihren Mitaktionären keine Mehrheit. Die hielten die von Verwaltungsrat vorgeschlagene Erhöhung um 330 Millionen Franken (267 Millionen Euro) für ausreichend.

Für die KG erwies es sich als Nachteil, dass sie sich mit dem russischen Investor Viktor Vekselberg verbündete. Vekselberg wollte über seine Beteiligungsfirma Renova alle Aktien aus der Kapitalerhöhung aufkaufen, die die Altaktionäre nicht wollten und hätte sich so eine substanzielle Minderheitsbeteiligung an dem Edelstahl-Hersteller gesichert. Über die Pläne von Vekselberg und Renova sei viel zu wenig bekannt, monierten Aktionäre auf der Generalversammlung in Emmenbrücke bei Luzern. "Wir kaufen die Katze im Sack", erklärte ein Aktionär. Eine Aktionärin unterstellte Renova gar "unehrliche Absichten". Der Chief Investment Officer von Renova, Vladimir Kuznetsov, den die KG in letzter Minute für den Verwaltungsrat nominiert hatte, erreichte nicht die erforderliche Mehrheit. Auch KG-Geschäftsführer Oliver Thum wurde nicht gewählt. Ihm hielten Aktionäre vor, dass er auch Partner einer niederländischen Private Equity-Firma ist.

Vekselbergs Politik ist es, mit substanziellen Minderheitsanteilen starken Einfluss auf die Firmen auszuüben - so auch bei den Schweizer Maschinen- und Anlagebauern Sulzer und Oerlikon.

Vekselberg und die Erben, die nach Optionsausübung noch 15 Prozent an dem Konzern halten, haben einen Aktionärbindungsvertrag geschlossen und werden gemeinsam den Aktionären ein Pflichtangebot machen - und wollen sich auf die Zusammensetzung des Verwaltungsrats der Firma einigen. Sie bieten den Anteilseignern 2,85 Franken je Aktie - etwas weniger als die 2,90 Franken, zu denen das Papier am Freitag aus den Handel gegangen ist. Bei rund 70 Millionen umlaufenden Aktien hätte das Pflichtangebot ein Volumen von fast 200 Millionen Franken. Für den vereinbarten 25-Prozent-Anteil legt Vekselberg 72 Millionen Franken auf den Tisch.

Entlastung des Verwaltungsrates verweigert

Der Stahlkonzern schreibt rote Zahlen und stöhnt unter Schulden von fast einer Milliarde Euro. Das bekam auch der seit Ende 2011 amtierende Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder zu spüren. Zehnder wurde hauchdünn in seinem Amt bestätigt. Außerdem lehnten die Aktionäre die Entlastung des Verwaltungsrates ab. Die operative Konzerleitung wurde dagegen fast einstimmig entlastet.

Die KG, die gut 40 Prozent der Aktien des Konzerns besitzt, konnte nur die Hälfte ihrer Stimmen einsetzen. Die andere Hälfte ist Teil eines Aktionärsbindungsvertrages mit dem Schweizer Investor Gerold Büttiker. Der stand auf der Seite des Verwaltungsrates und hatte der KG gerichtlich untersagen lassen, die zweite Hälfte ihres Paketes zu verwenden.

Ob der Machtkampf um den Konzern damit zu Ende ist, bleibt offen. Die Anwältin der KG gab auf der Generalversammlung "formellen Einspruch" zu Protokoll, weil die KG nicht mit ihren 40 Prozent abstimmen konnte.

Die neuen Aktien im Volumen von 330 Millionen Franken werden von einem Bankenkonsortium übernommen und dann den Altaktionären zum Preis von 0,80 Franken zur Zeichnung angeboten. Zwei alte Titel berechtigen zum Kauf von sieben neuen. Die Aktien von Schmolz+Bickenbach wurden auf Antrag der Firma vor Beginn der Generalversammlung vom Börsenhandel suspendiert. Zuletzt notierten sie bei 2,90 Franken - gut sechs Prozent unter dem Schlusskurs vom Donnerstag.

Der Stahlkonzern entstand 2006 aus der Zusammenlegung der damaligen Swiss Steel mit der rheinländischen Stahlschmiede Schmolz+Bickenbach. Im Jahr danach war die Aktie 54 Franken wert.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge