Salzgitter greift durch: Verluste sollen 1.500 Jobs kosten

Salzgitter greift durch: Verluste sollen 1.500 Jobs kosten

Salzgitter kündigte am Mittwoch den Abbau von mehr als 1500 der konzernweit 23.000 Arbeitsplätze an. Mit dem Betriebsrat und der IG Metall sei bereits ein Rahmenvertrag vereinbart worden, der in Kürze unterzeichnet werden solle.

Die Gewerkschaft widersprach der Darstellung, dass eine Einigung erzielt worden sei und mahnte ein Zukunftskonzept für alle Standorte von Salzgitter an. Der Personalabbau ist Teil eines Sanierungsprogramms, mit dem der Konzern das Ergebnis jährlich um über 200 Millionen Euro verbessern will.

"Betriebsräte und die IG Metall können und wollen die durch den Vorstand genannten Zahlen weder bestätigen noch akzeptieren", erklärte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Stahlkonzerns Salzgitter ist. Der Vorstand dürfe angesichts der Lage nicht in "operative Hektik" verfallen, gefragt sei strategischer Weitblick. Salzgitter müsse sich stärker um neue Märkte, neue Produkte und Produktionsverfahren kümmern.

Der Stahlkocher hatte erst vor wenigen Tagen wegen der Stahlkrise in Europa seine Geschäftsprognose abermals korrigiert und rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Vorsteuerverlust von 400 Millionen Euro. Davor hatte Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann bereits eine "Rosskur" angekündigt, die Höhe der Stellenstreichungen aber offen gelassen.

Druck auf Tochter in Peine wächst

Wie sich der Stellenabbau auf die einzelnen Bereiche aufteilt, verriet Salzgitter wegen der laufenden Verhandlungen nicht. Allerdings dürfte der größte Teil auf die Tochter Peiner Träger entfallen. Dem Werk, in dem etwa 1100 Beschäftigte Stahlträger für die Bauindustrie herstellen, macht das jähe Ende des Immobilien-Booms in Spanien zu schaffen. Dadurch, dass in dem Land praktisch nicht mehr gebaut wird, sind die Stahlunternehmen kaum ausgelastet und versuchen nach Darstellung von Salzgitter, mit Dumpingpreisen europaweit an Aufträge zu kommen.

Ganz aufgeben oder verkaufen will das Management den Standort nicht. Ein Verbleib im Konzern setze jedoch erhebliche Fortschritte bei der Sanierung voraus, betonte ein Sprecher und fügte hinzu: "Die Verluste, die in diesem Bereich anfallen, sind nicht tragbar." Der Standort Peine schreibt tiefrote Zahlen. Von 75 Millionen operativem Vorsteuerverlust der Stahlsparte seien im ersten Halbjahr rund 60 Prozent der Tochter zuzurechnen. Zuzüglich 185 Millionen Euro an Abschreibungen auf deren Anlagen stand ein Vorsteuerverlust von 260 Millionen zu Buche. Hinzu kam noch ein Verlust von 25 Millionen Euro der Röhrensparte, die unter einer Auftragsflaute leidet und bis Jahresende Kurzarbeit fahren wird.

Mit einem baldigen Ende der Krise rechnet Salzgitter nicht. Kurz- bis mittelfristig sei weder eine Wiederbelebung der Bautätigkeit in Südeuropa noch ein nennenswerter Aufschwung der Automobilmärkte absehbar. Daher werde der Preisdruck hoch bleiben. Für die Stahlsparte prognostizierte das Management für das Gesamtjahr rückläufige Umsätze und ein "klar negatives Ergebnis vor Steuern".

Auch der Vorstand soll verkleinert werden

Nach dem angekündigten Stellenabbau will der Konzern nun offenbar auch seinen Vorstand ausdünnen. Einem Sprecher zufolge gibt es Überlegungen, das Gremium auf drei Posten zu reduzieren. "Das ist eine Variante, aber es ist keine Entscheidung dazu gefallen", sagte er am Freitag. Bei dem Sparprogramm "Salzgitter AG 2015" gehe es auch darum, Strukturen und Entscheidungswege auf den Prüfstand zu stellen. In diesem Zusammenhang schaue sich der Konzern auch die Führungsebenen an. Über die Pläne hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Für eine Verkleinerung des Vorstands bei Salzgitter müsste kein Manager entlassen werden. Denn die Verträge von Röhrenchef Wolfgang Eging und Handelsvorstand Heinz Groschke laufen Ende September kommenden Jahres aus. Beide sind dann Mitte 60. Einen weiteren Vorstandsbereich hat Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann mitübernommen. Zum Management gehören daneben noch Finanzchef Burkhard Becker und Personalvorstand Michael Kieckbusch.

Mit drei Posten - Vorstands-, Finanz- und Personalchef - kommt inzwischen auch der deutsche Branchenführer ThyssenKrupp aus. Im Winter hatten drei Manager dort unter anderem im Zuge der Milliardenverluste bei den Überseestahlwerken ihren Hut nehmen müssen. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat offengelassen, ob der Vorstand wieder vergrößert wird.

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