Salzgitter wird von der Stahl-Krise durchgebeutelt

Salzgitter wird von der Stahl-Krise durchgebeutelt

Nach einer erneuten Prognosesenkung stürzte der Aktienkurs am Dienstag um mehr als zwölf Prozent ab. Der Stahlkocher aus Niedersachsen hatte am Montagabend mitgeteilt, im laufenden Geschäftsjahr nun einen Vorsteuerverlust von 400 Millionen Euro zu erwarten.

Damit wächst der Druck auf Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann, Restrukturierungen rasch umzusetzen. "Es bedarf einer Rosskur", hatte er bereits vor Monaten erklärt. Wie viele der konzernweit 25.000 Stellen wegfallen könnten, hat Fuhrmann bislang offen gelassen. "Wenige hundert sind nicht ausreichend", hatte er jedoch betont. Der deutsche Branchenführer ThyssenKrupp hat bereits den Abbau tausender Arbeitsplätze in seiner Stahlsparte angekündigt.

Die IG Metall warnte Salzgitter vor "Schnellschüssen". IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Stahlkonzerns ist, forderte "Maßnahmen, die allen Gesellschaften des Konzerns eine solide Perspektive sichern". Salzgitter arbeite derzeit zusammen mit der Gewerkschaft an einem Zukunftskonzept. Dieses dürfe nicht nur den betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten und wettbewerblichen Zwängen Rechnung tragen, sondern müsse auch die Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigen, forderte Urban.

Zunächst wird das Programm "Salzgitter 2015", zu dem der Konzern bei der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch kommender Woche weitere Details nennen will, wohl zusätzliche Kosten verursachen. In den vergangenen Monaten hatte Salzgitter seine Erwartungen an den Geschäftsverlauf bereits zurückgeschraubt. Nach einem Vorsteuerverlust von fast 30 Millionen Euro 2012 hatte Fuhrmann zunächst für 2013 einen Vorsteuergewinn im unteren zweistelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt. Im Mai folgte die erste Wende: Es werde wohl ein Verlust von unter 100 Millionen Euro auflaufen. Nun wird dieser wohl auf rund 400 Millionen Euro steigen. "Wie bereits angekündigt, werden gegebenenfalls noch Einmaleffekte aus der Umsetzung des Konzernprojekts 'Salzgitter AG 2015' hinzukommen." Im ersten Halbjahr summierte sich der Vorsteuerverlust bereits auf fast 300 Millionen Euro.

Vorstandschef Fuhrmann setzt den Rotstift an

"Das Unternehmen ist erheblich unter Druck", hieß es in einem Marktkommentar der DZ Bank. Die Anleger trennten sich in Scharen von der Salzgitter-Aktie. Das Papier lag am Nachmittag gut zwölf Prozent im Minus bei 25,26 Euro und war mit Abstand der größte Verlierer im Nebenwerteindex MDax.

Wegen Überkapazitäten und dem harten Wettbewerb könnten viele Walzstahlerzeugnisse zur Zeit nur unterhalb der Herstellungskosten verkauft werden, erklärte Salzgitter. Der extreme Rückgang der Bautätigkeit in Südeuropa belaste vor allem die Hersteller von Profilstahlprodukten wie Trägern. Die Konzerngesellschaft Peiner Träger GmbH (PTG) schreibe deshalb "anhaltend hohe Verluste". Nach IFRS-Bilanzierungsvorschriften müsse die Muttergesellschaft deshalb im ersten Halbjahr 185 Millionen Euro auf ihre Beteiligung abschreiben.

Überkapazitäten und Preisdruck – Stahlkocher bauen Jobs ab

Im laufenden Geschäftjahr werde wegen der gefallenen Metallpreise auch der Ergebnisbeitrag der größten europäischen Kupferhütte Aurubis niedriger als erwartet ausfallen. Salzgitter hält 25 Prozent an dem Unternehmen. Aurubis hatte in der vergangenen Woche für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2012/13 (per Ende September) einen Vorsteuerverlust von acht Millionen Euro vorgelegt. Auch das Röhrengeschäft von Salzgitter schwächelt. In mehreren Konzerngesellschaften dürfte die Kurzarbeit mindestens bis Ende des Jahres fortgesetzt werden, kündigte das Management an. "Bei den europäischen Großrohrherstellern des Salzgitter-Konzerns herrscht erheblicher Auftragsmangel, da im Weltmarkt für Pipelinerohre zurzeit keine nennenswerten Projekte vergeben werden."

Die schwache Stahlnachfrage, der Preisdruck und die Überkapazitäten machen der Schwerindustrie seit gut zwei Jahren zu schaffen. Erst vergangene Woche hatte Weltmarktführer ArcelorMittal seine Jahresprognose zurückgeschraubt. ThyssenKrupp legt seine Zahlen am Dienstag kommender Woche vor. Konzern-Chef Heinrich Hiesinger hatte bereits angekündigt, in der rund 28.000 Mitarbeiter zählenden europäischen Stahlsparte rund 2000 Stellen streichen zu wollen. Weitere 1800 Mitarbeiter könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem ThyssenKrupp-Konzern fallen.

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