Salzgitter-Aufsichtsrat streitet über Sanierung

Salzgitter-Aufsichtsrat streitet über Sanierung

Dabei wird der verlustreiche Salzgitter-Standort Peine offensichtlich immer stärker Spielball der gegensätzlichen Interessen. Salzgitter-Aufsichtsratschef Rainer Thieme sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Ich will da nichts beschönigen: Der Standort ist in seiner Existenz bedroht."

Salzgitter plant, wie vergangene Woche angekündigt, mehr als 1.500 Jobs abzubauen. Das Stahlträgerwerk in Peine soll es dabei besonders hart treffen - die Tochter ist ein enormer Verlustbringer.

Details im Jobabbau sollen Ende September festgezurrt werden, wenn der Aufsichtsrat die Sparpläne berät. Die IG Metall, deren Vorstand Hans-Jürgen Urban Vize-Aufsichtsratschef ist, wies das Sparziel von gut 1.500 Stellen bereits als "spekulativ und überflüssig" zurück. Betriebsbedingte Kündigungen dürfe es auf keinen Fall geben und konzernweit müssten tragfähige, nachhaltige Perspektiven her.

Thieme sieht Fehler in der Konzernführung, die in den guten Zeiten der vergangenen Jahre die Hausaufgaben nicht gemacht und Vorsorgen verpasst hätte. "In dieser guten Zeit hätten wir uns noch stärker auf Schlechtwetter vorbereiten sollen." Eigene Versäumnisse sieht der Chefkontrolleur aber nicht. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte zu sichern, ist Aufgabe des Vorstands." Das Problem sei nicht nur die Schwäche des Stahlmarktes, "sondern auch die Verschachtelung und der mangelhafte Informationsfluss im Konzern". Die Wege müssten kürzer werden.

Der Chefaufseher des hinter ThyssenKrupp zweitgrößten deutschen Stahlherstellers meldete sich mit seiner Peine-Aussage zu einer Zeit zu Wort, in der der sogenannte Zukunftsvertrag zum Schicksal der Belegschaft noch gar nicht unter Dach und Fach ist. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte vergangene Woche, dass der Standort Peine nicht zur Debatte stehe. Das Land werde schon dafür sorgen, dass eine Schließung nicht infrage komme. Niedersachsen hat mit 26,5 Prozent Anteil an der Salzgitter AG eine entscheidende Machtposition.

Auch Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider sprach sich am Donnerstag gegen eine schärfere Gangart bei der Salzgitter-Sanierung aus. Die Vorarbeiten zum Sanierungsplan liefen bereits seit einem dreiviertel Jahr, betonte er am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Bisher habe es weder große Demonstrationen noch irgendwelche schweren Auseinandersetzungen gegen den geplanten Personalabbau gegeben. "Man muss auch nach einer solchen Maßnahme vernünftig miteinander zusammenarbeiten können," betonte Schneider.

Schneider nahm das Management gegen Kritik in Schutz, die Sanierung zu spät angegangen zu sein. Er sehe sich in Übereinstimmung sowohl mit dem Betriebsrat als auch mit dem Vorstand "und am Ende auch dem Aufsichtsrat". Aufsichtsratschef Rainer Thieme hatte zuvor in einem Interview moniert, Salzgitter hätte schon viel früher seine Strukturen verschlanken und die Kosten senken müssen. "Nun, da die Märkte weggebrochen sind, ist die Lage umso brisanter - und wir müssen gegensteuern", sagte er.

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