Salzgitter vergrault Anleger mit flauem Stahlgeschäft

Salzgitter vergrault Anleger mit flauem Stahlgeschäft

Zunehmende Konjunktursorgen der Industriekunden und hoher Preisdruck setzen Deutschlands zweitgrößtem Stahlkocher Salzgitter immer mehr zu.

Der Konzern senkte daher seine Jahresprognose für die Stahlsparte und erwartet nun einen Verlust statt eines leicht positiven Vorsteuerergebnisses. Das verschreckte am Mittwoch die Aktionäre: Salzgitter-Aktien markierten mit einem Abschlag von über sechs Prozent auf 31,88 Euro ein Jahrestief und führten die Verliererliste im Nebenwerteindex MDax an. Der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp geriet in den Sog und notierte über zwei Prozent im Minus.

WestLB-Experte Ralf Dörper stufte die Salzgitter-Papiere von "add" auf "neutral" herunter. Er rechnet für 2012 in der Stahlsparte nun mit einem Verlust vor Steuern von 85 Mio. Euro statt mit einem Gewinn von 3 Mio. Euro.

Überkapazitäten und die Talfahrt auf dem EU-Automarkt infolge der Schuldenkrise in Europa machen der Stahlindustrie zunehmend zu schaffen. Branchenprimus ArcelorMittal hat bereits seine Kapazitäten zurückgefahren. Bei ThyssenKrupp schmolz der Betriebsgewinn im europäischen Stahlgeschäft im zweiten Quartal auf ein Zehntel des Vorjahreswertes. Auch Stahlhändler Klöckner & Co steht unter Druck und plant, 17 seiner insgesamt 40 Standorte in Spanien zu schließen, bis zu 800 Stellen sollen gestrichen werden.

Stahlverarbeiter und Stahlhändler hielten sich wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten mit ihren Bestellungen zurück, erklärte ein Salzgitter-Sprecher. Es sei aber durchaus möglich, dass die Nachfrage nach der Sommerpause wieder anspringe. Dringend notwendige Preisanhebungen zum Ausgleich hoher Rohstoffkosten seien allerdings auch erst dann möglich. Salzgitter habe weniger ein "Mengenproblem", sagte der Sprecher. Vielmehr drängten südeuropäische Stahlproduzenten auf den hiesigen Markt, da sie massive Absatzprobleme auf ihren Heimatmärkten hätten. Auch dadurch gerieten die Preise unter Druck. Die Kapazitäten in den Stahlwerken seien derzeit mit rund 90 Prozent ausgelastet und die Lagerbestände normal, fügte der Sprecher hinzu.

Die übrigen Unternehmensbereiche Röhren, Handel, Dienstleistungen und Technologie entwickelten sich hingegen auf dem Kurs der im Mai veröffentlichten Segment-Prognosen, betonte Salzgitter. Für den Konzern rechne der Vorstand unverändert mit einem mindestens stabilen Umsatz, der im Vorjahr bei 9,8 Mrd. Euro lag, sowie einem positiven Ergebnis vor Steuern. Dieses dürfte sich im unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen. Der Vorstand warnte allerdings vor Risiken wie die derzeit nicht absehbare Entwicklung bei den Erlösen und den Vormaterialpreisen sowie Währungsschwankungen. Die daraus möglichen Schwankungsbreiten beim Vorsteuerergebnis könnten ein beträchtliches Ausmaß annehmen - im positiven aber auch im negativen Sinne. 2011 vervierfachte Salzgitter den Vorsteuergewinn auf 201,6 Millionen Euro.

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