RWE verschärft Schrumpfkur – sind im "Tal der Tränen"

RWE verschärft Schrumpfkur – sind im "Tal der Tränen"

Von 2014 bis Ende 2016 will Terium rund 6750 Jobs streichen. Dann soll der Energiekonzern 13.000 Mitarbeiter weniger haben als noch 2011. RWE macht zu schaffen, dass die Preise an der Strombörse durch den Ausbau des Ökostroms fallen.

"Unser traditionelles Geschäftsmodell bricht uns unter den Füßen weg", klagte Terium. Er forderte wie zuvor E.ON-Chef Johannes Teyssen von einer neuen Bundesregierung Hilfen für die Kohle- und Gaskraftwerke. Die Gewerkschaften warfen dem RWE-Management vor, die Beschäftigten immer mehr zu verunsichern.

Betroffen sind unter anderem Jobs in der vom Gewinnschwund besonders betroffenen Stromerzeugung sowie in der Verwaltung. Personalvorstand Uwe Tigges schloss nicht aus, dass die Zahl der Mitarbeiter nach 2016 noch weiter fallen wird. Auch durch den Verkauf von Beteiligungen schrumpft diese von fast 74.000 im Jahr 2011 bereits auf rund 61.000. Bis Ende 2014 sind betriebsbedingte Kündigungen durch eine Vereinbarung ausgeschlossen. "Wir wollen den Vertrag bis mindestens Ende 2018 verlängern", sagte Verdi-Vertreter Hans Peter Lafos der Nachrichtenagentur Reuters. Tigges lehnt das ab und will betroffene Mitarbeiter über eine Jobbörse vermitteln.

Zudem sollen sich die Gewerkschaften in der nächsten Tarifrunde bescheiden. "Eine Nullrunde ist mit uns nicht zu machen", betonte dagegen Lafos, der die Interessen der Arbeitnehmer auch im Aufsichtsrat von RWE vertritt. "Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten die Zeche für eine verfehlte Konzernstrategie zu zahlen haben", kritisierte auch die Gewerkschaft IGBCE.

Ausbau des Ökostroms vermasselt Energieriesen das Geschäft

RWE machen wie E.ON und zahlreichen Stadtwerken die gefallenen Stromgroßhandelspreise zu schaffen. Diese sind wegen des Ausbaus des Ökostroms und des Überangebots an Kraftwerken in Europa seit 2010 von über 60 auf 38 Euro je Megawattstunde gefallen. "Das Unternehmen geht durch ein Tal der Tränen", sagte Terium. Erst 2015 könne es wieder langsam bergauf gehen. Für 2014 rechnet der Manager damit, dass der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 7,6 bis 8,1 Milliarden Euro sinkt nach neun Milliarden Euro in diesem Jahr. Die Ertragslage in der konventionellen Stromerzeugung habe sich in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres bereits deutlich verschlechtert. "Wir haben hier fast zwei Drittel vom betrieblichen Ergebnis des Vorjahres eingebüßt."

Die Energieriesen fordern von einer neuen Bundesregierung staatliche Hilfen für ihre Kohle- und Gaskraftwerke. Diese müssen für den Ökostrom einspringen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. RWE erzeugt mehr als die Hälfte seines Stroms mit Kohlekraftwerken. Die Versorger wollen sich die Bereitstellung konventioneller Energie bezahlen lassen. "Wir liefern und wir verdienen kein Geld damit", sagte RWE-Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz. Er räumte ein, dass eine neue Regelung nicht umsonst zu haben sei. "Das wird zu einer Erhöhung des Strompreises führen, wenn man das insgesamt fasst. Aber sie können eben für 36/37 Euro die Megawattstunde keinen Kraftwerkspark fahren. Das ist unmöglich."

AKW-Betreiber wollen Rückstellungen nicht hergeben

Union und SPD haben sich noch nicht entschieden, ob es Hilfen für die Kraftwerke gibt. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) macht sich für Kohle- und Gaskraftwerke stark, im Bundesumweltministerium von Peter Altmaier (CDU) treffen diese Überlegungen auf Vorbehalte.

Statt Hilfe droht den Versorgern vielmehr neues Ungemach. Einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Papier der Koalitionsarbeitsgruppe Umwelt zufolge könnten die Atomkraftwerksbetreiber für die Finanzierung der Abriss- und Entsorgungskosten zu Zahlungen in einen öffentlich-rechtlichen Fonds verdonnert werden. Hinter der Idee steht die Befürchtung, die AKW-Betreiber könnten nicht ausreichend vorgesorgt haben. E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall wollen den Zugriff auf ihre Rückstellungen von über 30 Milliarden Euro behalten. "Von einem solchen Fonds halten wir gar nichts, um es ganz deutlich zu sagen", sagte RWE-Vorstand Schmitz.

Von Januar bis Ende September konnte RWE nur dank eines Sondereffekts seinen Betriebsgewinn mit 6,71 Milliarden Euro etwa auf dem Vorjahresniveau halten. In dem Gewinn ist aber eine Rückzahlung des russischen Gaslieferanten Gazprom von rund einer Milliarde Euro verbucht. Unter dem Strich brach das Ergebnis um 67,6 Prozent auf 609 Millionen Euro ein. Im dritten Quartal fuhr RWE sogar einen Verlust von 370 Millionen Euro ein. Die Aktie verlor zeitweise mehr als acht Prozent. "Das Zahlenwerk ist enttäuschend und durch den Ausblick wird der Bericht auch nicht besser", sagte ein Börsianer.

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