RWE zieht bei seiner Kraftwerkssparte den Stecker

RWE zieht bei seiner Kraftwerkssparte den Stecker

RWE plane, einige seiner Anlagen vorübergehend einzumotten oder ganz stillzulegen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. "Insgesamt geht es um mehrere tausend Megawatt." Betroffen seien auch Stromverträge mit dem Versorger Steag, sagten zwei Insider. RWE und Steag wollten sich am Montag nicht zu den Informationen äußern.

RWE-Chef Peter Terium hatte erklärt, Kraftwerke mit mehr als 10.000 Megawatt Gesamtleistung stünden "unter kritischer Beobachtung". Beim Konkurrent E.ON stehen europaweit bis zu 11.000 Megawatt zur Disposition. Zusammen entspricht dies in etwa der Leistung der von der Energiewende 2011 betroffenen 17 deutschen Atomkraftwerke.

E.ON und RWE legen diese Woche Halbjahreszahlen vor. Analysten rechnen bei beiden Versorgern mit Gewinneinbrüchen im Kraftwerksgeschäft. Allein RWE dürfte am Mittwoch in der Sparte Generation einen Rückgang um fast 50 Prozent vermelden. RWE machen wie auch E.ON, EnBW, Vattenfall und vielen Stadtwerken die stark gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Diese notieren wegen der schwachen Nachfrage in Südeuropa, dem Ausbau des Ökostroms und der Überkapazitäten auf dem tiefsten Stand seit Jahren. Die Verbraucher haben davon allerdings wenig, ihre Stromrechnung klettert weiter nach oben. Rund die Hälfte des Haushaltskundenpreises machen Steuern und Abgaben aus, die seit Jahren etwa wegen der Förderung des Ökostroms in die Höhe schießen.

Netzagentur kann Stilllegungen verbieten

Insgesamt hat RWE in Europa Anlagen mit einer Leistung von 52.000 Megawatt. "Viele Kraftwerke verdienen kein Geld", sagte einer der Insider. Es sei nun damit zu rechnen, dass RWE die geplanten Einsparungen im Kraftwerksgeschäft von 500 Millionen Euro in den kommenden Jahren noch ausweitet. Was die Steag betrifft, wolle RWE Verträge nicht verlängern. Der Konzern bezieht Strom von der Steag, außerdem halten die Firmen gemeinsam Anteile an Kraftwerken.

Stilllegungen müssen die Konzerne bei der Bundesnetzagentur anmelden. Die Behörde wollte sich am Montag nicht dazu äußern, ob es bereits Anmeldungen von RWE gibt. Insgesamt gebe es 15 Anträge von Versorgern zur Stilllegung von Kraftwerken, teilte die Agentur mit. Diese würden von den Übertragungsnetzbetreibern und anschließend von der Netzagentur überprüft. Kommen beide zu dem Schluss, dass die Anlage systemrelevant ist, kann die Stilllegung für 24 Monate untersagt werden. Eine Verlängerung des Verbots ist möglich.

Der Karlsruher Versorger EnBW hat angekündigt, in Baden-Württemberg Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 668 Megawatt stillzulegen. E.ON verwies am Montag auf die bekannten Überprüfungen von europaweit bis zu 11.000 Megawatt. Der Konzern hat bereits beschlossen, sein erst zweieinhalb Jahre altes Gaskraftwerk im slowakischen Malzenice einzumotten. Er will das Werk womöglich demontieren und an anderer Stelle wieder aufbauen.

Weiterer Jobabbau in der Kraftwerkssparte wahrscheinlich

Bei RWE könnten in Deutschland vor allem Kraftwerke im Norden und Westen der Republik betroffen sein. Dort ist die Versorgung besser gesichert als im Süden, wo im Zuge der Energiewende mehrere Atomkraftwerke abgeschaltet wurden. RWE habe auch gegenüber der Bundesregierung bereits erklärt, Kraftwerke mit einer Leistung von mehreren tausend Megawatt auf den Prüfstand zu stellen, sagte ein Regierungsvertreter Reuters. Solange dies im Norden oder Westen geschehe, sei dies aus Sicht der Versorgungssicherheit kein Problem. Der Konzern habe auch angedeutet, Teile der Kraftwerke wie Turbinen ins Ausland zu verkaufen. "Die wollen alles versilbern, was zu versilbern ist."

Reuters hatte bereits vor Kurzem von einem Insider erfahren, dass Terium bei der Kraftwerkstochter RWE Generation jeden Stein umdreht. Mit dem neuen Programm "RWE Neo" sollen bei RWE Generation mindestens 500 Millionen Euro eingespart werden. Damit würden sich die jährlichen Kostensenkungen im Konzern auf mehr als 1,5 Milliarden Euro summieren. Terium hat deutlich gemacht, dass die Einsparungen in den kommenden Jahren noch ausgeweitet werden. "Da wird noch etwas draufgelegt", sagte ein Insider. Einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge will der Konzern auch im Einkauf und im Personal- und Rechnungswesen bis 2018 rund 100 Millionen Euro einsparen.

Die Kraftwerksschließungen dürften mit dem Abbau weiterer Arbeitsplätze verbunden sein. "Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage können für die Zukunft Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Beschäftigung bei RWE Generation/RWE Power nicht ausgeschlossen werden", hatte das Management kürzlich in einem Reuters vorliegenden Brief den rund 18.000 Beschäftigten von RWE Generation mitgeteilt. Bis September sollen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über Sozialpläne und einen Interessenausgleich abgeschlossen sein. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei RWE bis Ende 2014 ausgeschlossen.

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