Rene Obermann kommt bei Ziggo unter

Rene Obermann kommt bei Ziggo unter

Der glücklose Deutsche Telekom-Chef Rene Obermann wechselt Ende des Jahres auf den Chefsessel des niederländischen Kabelnetzbetreibers Ziggo.

Frühzeitig hat Deutsche-Telekom-Chef Rene Obermann die Stabsübergabe an seinen langjährigen Freund und derzeitigen Konzernfinanzchef Tim Höttges eingefädelt. Nun ist auch klar, wohin es ihn zieht: Obermann möchte in den Niederlanden die Zügel beim Kabelnetzbetreiber Ziggo in die Hand nehmen. Zum Januar 2014 soll er dort Vorstandschef werden, wie Ziggo am Mittwochabend mitteilte. Der jetzige Ziggo-Lenker Bernard Dijkhuizen gehe dann in den Ruhestand.

Obermann hatte Ende 2012 überraschend angekündigt, den Bonner Konzern nach Ablauf seines Vertrages zum Jahresende zu verlassen. Nach sechs Jahren an der Spitze der Telekom wolle er wieder näher ans operative Geschäft rücken, als das für den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns möglich sei, hatte er erklärt. "Ich will näher an die Basis und an den Maschinenraum." Damit will Obermann, der Ende der 90er Jahre zur Telekom kam und auch lange Chef des Mobilfunkgeschäfts T-Mobile war, wieder mehr das tun, was er zu Anfang seiner Karriere tat: Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann bei BMW studierte er Volkswirtschaft, verließ die Universität aber nach wenigen Semestern wieder, weil seine nebenbei gegründete Telefonfirma ABC so gut lief.

Nun wechselt Obermann zur härtesten Konkurrenz der großen Telekom-Konzerne, den Kabelnetzbetreibern. Ziggo ist einer der beiden großen Anbieter in den Niederlanden, der TV, Internet und Telefon anbietet. Das Unternehmen, das 2,9 Millionen Fernsehabonnenten und 1,9 Millionen Breitband-Kunden zählt, rivalisiert vor Ort etwa mit der E-Plus-Mutter KPN, der Unity-Media-Mutter Liberty Global und dem schwedischen Anbieter Tele 2. Ziggo war erst vor knapp einem Jahr von den Finanzinvestoren Cinven und Warburg Pincus an die Börse in Amsterdam gebracht worden. "Er dürfte genau den gleichen Wechsel machen wie viele seiner Kunden, Investoren und Analysten, die von Kupfer zu Kabel übergegangen sind", schrieb Analyst Nick Brown von Espirito Santo über Obermanns neuen Job.

Die Benennung Obermanns zum neuen Ziggo-Vorstandschef muss noch von den Ziggo-Aktionären abgesegnet werden, die am 18. April zusammentreffen. Den Bonner Konzern verlässt er nach viel Aufräumarbeit und jahrelangen Sparbemühungen, um den Dampfer im schwierigen Fahrwasser auf Kurs zu halten. Analysten erwarten, dass sein Duzfreund und Jogging-Partner Höttges den Sparkurs verschärft. An der grundlegenden Strategie werde sich wohl nichts ändern, meinen sie. Nach milliardenschweren Abschreibungen auf die kriselnde Tochter T-Mobile USA und den ersten roten Jahreszahlen seit zehn Jahren bleibt der Telekom wohl auch nicht viel anderes übrig. Nur Obermann will nicht mehr derjenige sein, der den Rotstift bei den Bonnern ansetzen muss.

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