Rechtsstreitigkeiten pulverisieren Deutsche Bank-Gewinn

Rechtsstreitigkeiten pulverisieren Deutsche Bank-Gewinn

Deutschlands größtes Geldhaus hat inzwischen mehr als vier Milliarden Euro für eine wahre Flut von Prozessen zur Seite gelegt. Im dritten Quartal blieb fast kein Gewinn mehr übrig, weil der Deutsche Bank-Vorstand allein im Sommer 1,2 Milliarden Euro zurücklegen musste - vor allem für den fragwürdigen Verkauf von US-Hypothekenpapieren vor der Finanzkrise.

Auch das Investmentbanking brach ein. In den kommenden Quartalen drohen weitere Belastungen in Folge diverser Klagen und Ermittlungen, wie die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen signalisierten. Im Skandal um die Manipulation von Interbanken-Zinsen rechnen Experten im nächsten Jahr mit einem Vergleich. Dabei könnte auf die Bank eine "hohe Geldstrafe" zukommen, wie sie im Quartalsbericht warnte.

Von Juli bis September brach der Nettogewinn um 93 Prozent auf 51 Millionen Euro ein. Analysten zeigten sich vom Ausmaß der juristischen Auseinandersetzungen entsetzt. Sie hatten mit maximal halb so hohen Rückstellungen gerechnet. Finanzvorstand Stefan Krause räumte ein, die Kosten für die Rechtsstreitigkeiten seien frustrierend für die Aktionäre. Die Investoren werden schon ungeduldig, warum die Deutsche Bank sich mit der Beilegung so lange Zeit lässt: "Je länger man wartet, desto teurer wird es am Ende", kritisierte einer der Top-5-Aktionäre. "Rechtskosten bleiben in den nächsten Quartalen der vorrangige Risikofaktor", resümierte Equinet-Analyst Philipp Häßler. Die Deutsche-Bank-Aktie war mit einem Minus von 1,1 Prozent einer der größten Verlierer im Leitindex Dax.

Besonders vorsichtig macht das Geldhaus ein milliardenschwerer Vergleich der US-Großbank JP Morgan. Bis zu zwei Drittel der neuen Rückstellungen entfallen bei den Frankfurtern auf Klagen von US-Behörden wegen des Verkaufs hypothekenbesicherter Wertpapiere, die in der Finanzkrise drastisch an Wert verloren. Außerdem zeichnen sich in der Branche weitere Vergleiche im Libor-Zinsskandal ab. Finanzkreisen zufolge ist als nächstes die niederländische Rabobank an der Reihe - sie dürfte knapp eine Milliarde Dollar zahlen. Alarmiert ist wegen der Prozessflut auch die Schweizer Finanzaufsicht Finma: Sie brummte der UBS höhere Kapitalpuffer auf, so lange diese in milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist - was deren Renditeziel in weitere Ferne rücken lässt.

Nur Kostensenkungen helfen

"Nur Kostensenkungen haben der Deutschen Bank noch zu einer schwarzen Null verholfen", schrieben die Analysten von Goldman Sachs, die die Aktie weiter zum Verkauf empfehlen. Das Institut baut Tausende Stellen ab. Im Kerngeschäft läuft es allerdings weiter nicht rund: Das Investmentbanking machte im Sommer nur noch 345 Millionen Euro Gewinn, nach 1,1 Milliarden Euro vor einem Jahr. Im Handel mit festverzinslichen Produkten, der Domäne der Deutschen Bank, brachen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent ein, stärker als bei den meisten US-Banken. Jain gab der US-Notenbank dafür die Schuld, die offen gelassen hatte, wie lange sie noch Anleihen im großen Stil kauft. Im Konzern waren die Erträge im dritten Quartal mit 7,7 Milliarden Euro so niedrig wie seit Ende 2011 nicht mehr.

Voran kommt die Deutsche Bank auf ihrer größten Baustelle, der Vermögensverwaltung. Hier kletterte der Vorsteuergewinn auf 283 (113) Millionen Euro, obwohl die Kunden elf Milliarden Euro abzogen. Hier zeigen sich die Erfolge des Sparprogramms. Das Privatkundengeschäft wurde von den Niedrigzinsen gebeutelt.

Schritt für Schritt

Die Aktionäre sollen von den kostspieligen Aufräumarbeiten aber verschont werden: Die Dividende soll in diesem Jahr mit 75 Cent je Aktie stabil bleiben. Jain warb erneut um Geduld: "Wir machen Schritt für Schritt Fortschritte, aber diese Reise wird uns viel Geduld abverlangen." Doch Union-Investment-Fondsmanager Helmut Hipper ist skeptisch: "Angesichts des Umfelds ist es für die Deutsche Bank eindeutig schwieriger geworden, ihre Ziele zu erreichen." 2015 soll die Rendite nach Steuern mindestens zwölf Prozent betragen - der Weg dahin ist noch lang.

Jain baut das Frankfurter Geldhaus seit Sommer 2012 mit Fitschen um. Seit Dienstag steht fest, dass die Doppelspitze bis 2017 im Amt bleiben soll. "Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen", sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Das Ziel: in die Spitzengruppe der Banken-Weltliga aufzusteigen. 2015 soll die "neue" Deutsche Bank fertig sein - mit einem Investmentbanking, das sich an der Wall Street messen kann, einer stärkeren Vermögensverwaltung und einem wachsenden Privatkundengeschäft.

Das Fundament dafür aber wackelt noch: Das Kapitalpolster schrumpfte im dritten Quartal wegen der ausbleibenden Gewinne leicht auf 9,7 Prozent. Die Bilanzrisiken lassen sich nur noch schwer reduzieren, obwohl die "Resterampe" mit unerwünschten Geschäftsteilen seit Mitte 2012 schon um die Hälfte geschrumpft ist. Doch mit Blick auf die Bilanzprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) müsse sich die Bank keine Sorgen machen, sagte Krause. Bei der Verschuldungsquote, die ins Blickfeld der Regulierer rückt, erfüllt die Deutsche Bank bisher nur knapp den Grenzwert. Jain fordert mehr - doch der dafür nötige Abbau der billionenschweren Bilanzsumme kostet Geld: 600 Millionen Euro verteilt über die nächsten zwei Jahre, und bis zu einer halben Milliarde Euro im Jahr an entgangenen Gewinnchancen.

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