Radikalkur bei der Commerzbank – jede neunte Stelle wird gestrichen

Radikalkur bei der Commerzbank – jede neunte Stelle wird gestrichen

Die Commerzbank informierte am Mittwoch ihre Mitarbeiter, dass bis Ende 2016 konzernweit 5200 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, wie es in Kreisen der Bank hieß. Ende März zählte die Commerzbank noch rund 48.000 Vollzeitstellen.

Der Gesamtbetriebsrat habe dem Maßnahmenpaket zugestimmt. Im Kerngeschäft in Deutschland fielen zunächst 3900 Arbeitsplätze weg, sagte Mark Roach, der für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Zugleich sollen rund 1000 Stellen - etwa in der profitablen Mittelstandsbank - geschaffen werden. "Wir sind der festen Überzeugung, dass sich der Abbau ohne betriebsbedingte Kündigungen durchziehen lässt", sagte Roach, der die Verhandlungen begleitet hatte.

Eine Commerzbank-Sprecherin wollte sich zu den konkreten Plänen noch nicht äußern. Zunächst sollten die Führungskräfte und Mitarbeiter informiert werden. Die Bank hatte für den Abbau von 4000 bis 6000 Stellen 500 Millionen Euro reserviert. Mit der Einigung dürfte sie im Budget bleiben. Mit den Streichungen soll das lahmende Privatkundengeschäft in den 1200 Filialen dauerhaft wieder profitabel gemacht werden. Zugleich will die Commerzbank Milliarden für Investitionen freischaufeln, etwa um die IT zu modernisieren.

"Personalabbau und Zukunftsfähigkeit passen nicht zusammen"

Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch bekräftigte die Zweifel der Gewerkschaft an den Plänen des Instituts: "Personalabbau und Zukunftsfähigkeit passen nicht zusammen, insbesondere wenn Kundengewinnung angestrebt und eine Qualitätsverbesserung des Kundenservices erzielt werden soll." Die Commerzbank hat sich vorgenommen, bis 2016 eine Million Kunden zu gewinnen; zurzeit sind es elf Millionen.

Der Betriebsrat und der Commerzbank-Vorstand hatten nur über die Zukunft der rund 41.000 Mitarbeiter in der AG in Deutschland verhandelt. Für die Hypothekenbank Frankfurt (früher Eurohypo) hatte man sich bereits Anfang des Jahres auf den Abbau von 500 Stellen geeinigt - das ist die halbe Belegschaft. Im Ausland und bei einigen Tochterfirmen haben die Arbeitnehmervertreter nichts mitzureden. Verdi kritisierte, dass die Bank den Stellenabbau in allen Bereichen zusammengezählt habe: das führe "zu erheblicher Verunsicherung bei den Beschäftigten", sagte Mensch.

Unternehmen und Betriebsrat hatten in der vergangenen Woche fünf Tage lang über die Details gefeilscht. Die Vereinbarungen für die einzelnen Bereiche umfassen nach Verdi-Angaben rund tausend Seiten. Kündigungen soll es nur als letztes Mittel geben. Wenn bestimmte Etappenziele erreicht werden, verzichtet die Bank ganz auf Kündigungen, wie es in den Kreisen hieß. Altersteilzeit, Prämien für freiwillige Kündigungen und Abfindungen beim Wechsel zu einer anderen Bank sollen Entlassungen verhindern.

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