Praktiker: Wiener Investorin Isabella de Krassny setzt sich durch

Das Unternehmen hat einen Hochzinskredit des US-Investors Anchorage ausgeschlagen und hofft nun auf ein günstigeres Darlehen seines Großaktionärs aus Österreich.

Praktiker: Wiener Investorin Isabella de Krassny setzt sich durch

An der Börse kam das gut an: Die Aktie schoss im Frankfurter Späthandel um 20 Prozent auf 1,28 Euro nach oben.

Praktiker-Manager flogen schon am Donnerstag von Hamburg nach Wien und nahmen Verhandlungen mit der Bank auf, die mit knapp fünf Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist. Eine Einigung sei "kurzfristig und zu besseren Konditionen zu erwarten," teilte Praktiker am Donnerstag mit. Der US-Hedgefonds Anchorage hatte mehr als 16 Prozent Zinsen für ein 85 Millionen Euro schweres Darlehen zur Rettung von Praktiker verlangt und die Tochter Max Bahr als Pfand gefordert.

Noch vor wenigen Wochen hatte der Praktiker-Vorstand ein Kreditangebot von Semper Constantia abgelehnt, weil es nicht vorteilhafter sei als die Anchorage-Offerte. Nun habe die Bank nachgebessert, hieß es. Die Fondsmanagerin Isabella de Krassny, die für Semper Constantia und eine zyprische Investorengruppe namens Maseltov spricht, die zehn Prozent an Praktiker hält, war Sturm gegen den als "Wucher" apostrophierten Anchorage-Kredit gelaufen. Sie stellt zwei Vertreter im Praktiker-Aufsichtsrat, der am Mittwochabend bis in die Nachtstunden verhandelt hatte. "Anchorage wollte immer mehr, da ist Praktiker der Kragen geplatzt", sagte ein mit dem Tauziehen Vertrauter.

Anchorage wurde von der Absage Finanzkreisen zufolge am Donnerstag überrascht. Der Investor hatte den Informationen zufolge zuletzt weitere Zugeständnisse der Aktionäre, der Banken und der Vermieter von Praktiker gefordert und andernfalls mit Rückzug gedroht. Diese hätten "trotz des Entgegenkommens der Beteiligten nicht umfänglich erfüllt werden können", berichtete Praktiker. Vor allem die Mieten für die Max-Bahr-Märkte sollten drastisch sinken. Die 68 Gebäude gehören seit dem Frühjahr der britischen Bank RBS, seit ein Fonds Pleite gegangen war, der die Immobilien 2006 gekauft hatte. Ein Anchorage-Sprecher wollte sich nicht zu den Vorgängen äußern.

Details unklar

Praktiker hielt sich zu den Konditionen und zum Volumen des Semper-Kredits bedeckt. Er soll aber vorrangig zu allen anderen Darlehen und Anleihen von Praktiker bedient werden. Wie hoch die mit dem Sanierungskonzept verknüpfte Kapitalerhöhung ausfallen soll, sei offen, sagte ein Sprecher.

Unklar ist, ob der streitbare Investor Clemens Vedder weiter mit Semper Constantia verbündet ist. Er hatte eine Beteiligung an dem Sanierungskonzept avisiert, das de Krassny unterbreitet hatte - und wollte auch bei einer Kapitalerhöhung von Praktiker über 60 Millionen Euro mitziehen. An der Wiener Bank sind unter anderem der österreichische Bau-Magnat Hans Peter Haselsteiner (Strabag ) und Siemens -Vorstandschef Peter Löscher beteiligt.

Scheitert die Sanierung, droht Praktiker die Zerschlagung. Denn die als einzig wertvoller Teil des Unternehmens geltende Kette Max Bahr geht dann an die Kreditgeber. Das hatte Ängste vor einem Einstieg von Anchorage geschürt. Der Investor legt es oft darauf an, vom Kreditgeber zum Eigentümer eines Unternehmens zu werden. Beim Autozulieferer Honsel und beim Schiffsbauer Bavaria Yachtbau hatte Anchorage damit bereits Erfolg.